mica-Interview Dino Spiluttini

Dass es sich bei “Modular Anxiety” um eine Split-LP handelt hat schon seinen guten Grund, gehört doch eine gewisse “Gespaltenheit” mit Vorliebe für paradox-widersprüchlichen Zutaten schon immer zum gleichsam Markenzeichen dieses in keine Schublade so richtig reinpassenden Musikers. Allein die 2003, 2005 und 2013 prämierten Beiträge für den Salzburger “Elektronikland-Preis” lassen sich im Grunde nur schwer einem einzelnen Künstler oder Genre zurechnen. Konstant ist hier einzig die Qualität der Werke. Dabei geht es jedoch weniger um die (Auf)lösung von vermeintlichen Gegensätzen, sondern um jene Spannungen und Intensitäten, die sich durch gegenseitige Transformationen unterschiedlicher Systeme, Strukturen und Herangehensweisen ergeben. So treffen hier immer wieder Pathos auf Strenge, öffnen sich konzeptuelle Vorgaben dem Experiment (wie auch umgekehrt), pflegen Pop und Drones eine innige, jedoch erst auf den zweiten Blick zu erkennende, Freundschaft und wird die Frage “Digital oder Analog” weniger ideologisch, denn praktisch verhandelt. Für mica – music austria unterhielt sich Didi Neidhart mit Dino Spilutini.

Worum geht es bei “Modular Anxiety”, der aktuellen, auf Thrill Jockey veröffentlichten Split-LP mit Nils Quak?

Dino Spiluttini: Das ist bei instrumentaler Musik ja nicht so leicht zu beantworten. Ich hab jedenfalls kein Interesse daran, meiner Musik irgendwelche narrativen Konzepte zugrunde zu legen, und dann zum Beispiel zu behaupten, mein Album handelt von der problematischen Beziehung zwischen Mensch und Maschine in der heutigen Leistungsgesellschaft, oder von den aufregenden Abenteuern der Wikinger.
Ich kann da aber nur von meiner Hälfte der Platte sprechen. Und die braucht glaub ich keine Inhaltserklärung. Die Musik ist ja recht düster und weil ich so ein dramatischer Mensch bin, hab ich den Stücken dann auch noch Titel wie “Anxiety” gegeben.
Und weil Interviews immer auch ein bisschen wie eine Therapiestunde sind, fällt mir jetzt auf: vielleicht gibt es doch eine Geschichte. Zwar nicht konkret für dieses Album, aber sozusagen als roter Faden in meinem Gesamtwerk, und auch hierfür gibt es einen passenden Titel auf Modular Anxiety: “Theme for a bleak Life”.

Wie ist der Kontakt zum Chicagoer Label Thrill Jockey entstanden, auf dem ja u.a. auch schön österreichische Acts wie Hans Platzgumer (mit H.P. Zinker) und Radian veröffentlicht haben?

Dino Spiluttini: Thrill Jockey ist ja (neben Morr) “nur” der Vertrieb. Der Kontakt dazu ist über das eigentliche Label, nämlich Umor Rex, entstanden. Und Umor Rex haben Nils und ich dezidiert ausgewählt und kontaktiert, weil es eines der derzeit “aufregensten” (eigentlich mag ich solche Adjektive nicht, wenn es um Musik im weitesten Sinne geht) Labels im Bereich eher experimentellerer, düsterer Musik ist, die gleichzeitig auch im popkulturellen Bereich angesiedelt ist. 
Für Umor Rex hab ich vor einiger Zeit mal ein Album gemastert (“Rex” von S ND Y P RL RS), daher stand der Kontakt eigentlich schon. Ich bin mit deren Arbeit auch sehr glücklich und zufrieden. Immerhin gabs ja auch gleich eine Erwähnung auf Pitchfork.

Die Vinyl-Version erscheint ja im durchsichtigen, goldenem Vinyl. Ist das nur ein Gimmick, oder haben solche visuellen Markierungen eine die Musik ergänzende Funktion?

Dino Spiluttini: Umor Rex ist ja auch deswegen so toll, weil Daniel Castrejon, der Chef, gleichzeitig auch ein sehr guter Grafikdesigner ist. Jede einzelne Veröffentlichung ist visuell sehr konzeptuell und sorgfältig durchdacht und gestaltet. Normalerweise würde ich die Covergestaltung für meine Musik eigentlich nicht aus der Hand geben, aber in diesem Fall war es doch eine gute Entscheidung. Das ganze Label hat einfach eine eigene Ästhetik. Daniel macht das sehr gut, auf jeden Fall besser als ich.
Dass das Vinyl gold ist halte ich eigentlich nicht für einen Gimmick. Ich meine, es ist schon irgendwie aufgelegt: goldene Schallplatte. Das hat natürlich was gimmickartiges. Aber es passt wirklich wunderbar zum restlichen Artwork und verleiht der Musik auch gleich eine erhabene Ästhetik.
Andererseits: so naheliegend es auch ist – ich hab tatsächlich vorher noch nie goldenes Vinyl gesehen.

Deine Bandprojekte (Liger, Swan Fangs) sind ja durchaus auch durch elegisch-pathetische Momente und eine beinahe unheimliche Intimität (speziell was den Gesang/die Stimme betrifft) gekennzeichnet (und zeigen dabei auch wie man sich z. B. einer Band wie Joy Division durchaus jenseits diverser Post-Rock-Klischees annähern kann). Da gibt es also – trotz der teilweise eher schroffen Sounds – auch eine gewisse Verletzlichkeit, ein quasi unsicheres Terrain, dass sich so jedoch bei deinen instrumentalen Solo-Tracks nicht findet. Worin bestehen für dich dabei die Unterschiede?

Dino Spiluttini: Als ich vor etwas mehr als einem Jahr angefangen hab, diese – naja – Ambientmusik zu machen, da gabs nach einer Weile so einen Schlüsselmoment: ich hab einem Freund ein paar Stücke vorgespielt – da hört man seine eigene Musik ja auch immer quasi mit fremden Ohren – und musste dann feststellen: Herrje, Dino, du bist schon wieder so dramatisch! Es war wirklich auffallend, fast peinlich. Jedes Stück hatte so total pathetische Dramamomente, die einen fast umgehauen haben. Gianni Stiletto (FH Salzburg/MultiMediaArt) hat dieses Element in meiner Musik ganz gut beschrieben: Wagnerianisch! Und das find ich eigentlich total furchtbar. 
Aber ich komm halt eher vom Songwriting, und das ist ja gezwungenermassen dramatisch, also strukturiert und auf Spannung bedacht. Zum Glück hat sich mit der Zeit ein guter Sinn für Subtilitäten entwickelt. 
Ich würde aber schon behaupten, dass gerade Zerbrechlich- und Verletzlichkeit und eine gewisse Schwere, ja vielleicht auch Pathos, meine instrumentale Musik auszeichnet. Und das Düstere hab ich natürlich auch wieder mitgebracht. Vielleicht kann man es sogar als konsequentere – oder: endlich konsequente! – Fortsetzung meiner Bandprojekte sehen. Endlich so richtig depressiv und niederschmetternd. Auf meine nihilisitischen Texte hat eh nie wer gehört, was natürlich sehr schade ist, also gibts halt jetzt einfach nur das musikalische Brett.

In der Begründung der Salzburger Elektronikland-Jury 2013 heißt es zu deinen preisgekrönten Tracks: “Das Ergebnis schafft in beeindruckender Weise die Balance zwischen reduziertem Klangmaterialismus und emotionaler Tiefe.”
Wie wichtig ist dir diese Dialektik zwischen “menschlichen Gefühlen” und durch Maschinen (Software, Effekte) ausgelösten Emotionen?

Dino Spiluttini: Menschliche Gefühle sind die Basis meiner Musik. Ich weiss nicht wie ich das besser und undprätentiöser ausdrücken kann. Aus diesen Gefühlen entsteht die Musik und auf diese Gefühle – als Reaktion beim Hörer – zielt die Musik ab. Das ist natürlich bei den meisten Musikern so, das beanspruche ich nicht für mich alleine.
Wie ich das erreiche, also die Umsetzung und das Auslösen der Gefühle, das entscheide ich nicht wirklich nach einem intellektuellen Konzept. Wenn ich meine ganzen Zweifel und Ängste beim Musikmachen transzendieren kann und endlich in einen “Flow” komme, dann passiert alles sehr impulsiv und assoziativ.
Ich kann mich derzeit zum ersten mal mit dem Begriff “experimentelle Musik” anfreunden, weil ich tatsächlich experimentell arbeite. Also auch spielerisch. Und da probier ich einfach alles aus und was passt, das passt. Eine wie auch immer geartete Dialektik zwischen digitalen und analogen Methoden ist mir dann eigentlich egal, daran denke ich zum Glück nicht.

Wie weit interessieren dich dabei sich selbst (weiter) generierende Sounds, Rhythmen, oder willst du da eher  bis zum Schluß die Kontrolle über haben? Anders gefragt: Wie verhalten sich bei deinen Arbeiten/bei deinem Produzieren die Pole  “Songstrukturen” versus “freie Strukturen” zu einander?

Dino Spiluttini: Ich würde sehr gerne die Kontrolle auch mal abgeben. Weil Kontrolle heisst ja auch immer Entscheidungen treffen, beurteilen, abwägen, zweifeln. Aber ich weiß nicht wie das gehen soll.
Struktur ist mir schon wichtig. Komposition bedeutet strukturieren und ich sehe mich schon als Komponist, gerade in meiner elektronischen Musik.
Meine Vision ist meistens auch sehr konkret und ausdefiniert. Ich glaube nicht, dass generative Methoden da sehr zielführend wären.
Also ich lasse schon Zu- und Unfälle zu, aber prinzipiell bin ich sehr zielstrebig unterwegs, sehr aufmerksam und – vielleicht sogar: leider – sehr kontrollierend.
Mit freier Musik und Improvisation konnte ich noch nie was anfangen. Aber vielleicht würde mir eine liebevollere Auseinandersetzung damit auch mal gut tun. Ist hiermit vermerkt für 2014.

Du hast um  1998 in Hallein mit der Punk-Rock/Hardcore-Band Hogwash als Gitarrist und Sänger angefangen, bist dann aber relativ schnell nach Wien und später nach Berlin und Hamburg gegangen und lebst jetzt in Wien. Waren das quasi Lehr- und Wanderjahre, oder wieso bist du aus Salzburg bzw. Österreich weg?

Dino Spiluttini: Aus Salzburg bin ich weg, weil man als junger Mensch halt in die weite Welt hinaus will. Und was ist aus der Perspektive eines Salzburgers eine weitere Welt als Wien? Und Wien habe ich dann verlassen, weil ich ein krankhafter Narzisst bin, und ich geglaubt hab, dass ich in Wien alles erreicht habe und irgendwie ansteh. Natürlich zieht es so einen Menschen dann nach Berlin. Und wenn einem Berlin dann doch zu groß, zu anonym und zu deprimierend ist, dann geht man nach Hamburg. Das waren natürlich klassische Lehr- und Wanderjahre und auch eine rastlose Suche nach irgendwas, aber jedenfalls eine erfolglose. Jetzt bin ich halt erst mal wieder in Wien und es fühlt sich tatsächlich mehr nach “ankommen” an, als es in Berlin und Hamburg je der Fall war. Vielleicht ist das die grundlegende Lehre meiner Lehrjahre.

Wie hat sich in diesen Jahren dein Verhältnis zu Musik, zu Kunst, zu dem was du machen willst und dem was möglich ist verändert?

Dino Spiluttini: Ich bin mir nicht sicher, ob ich das jetzt schon beurteilen kann. Mein Verhältnis zur Musik allgemein war zwischendurch kein gutes. Ca. 2011 war erst mal jede Musik – auch und vor allem meine eigene – extrem schlecht und lächerlich. Da bin ich zum Glück wieder lockerer. Es gibt natürlich sehr sehr viel gute Musik und ich kann das auch geniessen.
Das was ich machen will und das was möglich ist – also was ich machen kann, bzw was ich mache – klafft aber immer noch auseinander. Aber das dürfte ein Urproblem vieler Musiker sein. Wenns nach mir ginge, dann hätte ich natürlich schon längst ein Album auf 4AD veröffentlicht und wäre auf Welttournee. Das Problem ist halt, dass ich dieses Album immer noch nicht gemacht habe.
Also geniesse ich vorerst mal meine Nische. Im letzten Jahr ist so viel passiert, da muss ich schon auch dankbar sein. Vor 1 ½  Jahren war ich am Boden zerstört, weil ich nichts hinbekommen hab, und weil sich keine Sau für meine Musik interessiert hat, und jetzt auf einmal stehen drei Plattenveröffentlichungen auf drei verschiedenen Labels bevor und anscheinend findet man meine Musik ja doch gut.

Würdest du deine Musik eigentlich in einen Pop-Kontext stellen, oder wäre das zu eng gedacht?

Dino Spiluttini: Nein, das ist überhaupt nicht zu eng, sondern total richtig gedacht. Ich verorte mich tatsächlich eindeutig  – im weitesten Sinne – im Pop. Mit der E-Musik-Szene hab ich privat, beruflich und musikalisch überhaupt nichts zu tun – auch wenn die Musik es vielleicht nahelegen würde.
Meine Ästhetik und mein ganzes Selbstverständnis baut, sowohl unbewusst als auch beabsichtigt, auf Anspielungen, Tropen Zitaten der Pop- und Independentkultur auf. Ich sehe mich schon eher in einem Kontext von Joy Division als z.B. Pierre Boulez.
Ich würde mich auch niemals als “Künstler” bezeichnen, wie es manche tun, die ebenfalls eher “abstraktere” Ausdrucksformen in ihrer Arbeit wählen. Obwohl ich mich und meine Musik (oft vielleicht viel zu) ernst nehme, sehe ich mich immer noch als Protagonist der Popkultur.

Mit nur einem Ohr gehört könnte man deine Tracks ja durchaus auch gut in den Sektor Ambient Folk / Drones tun. Würdest du das auch so machen?

Dino Spiluttini: Ambient Folk vielleicht nicht, dazu fehlt mir der Folk. Aber Drones: ja, teilweise. Ich leihe mir schon gewisse ästhetische Merkmale dieser Musik und seit meiner Veröffentlichung auf Umor Rex befinde ich mich auf einmal auch – ob ich will oder nicht – als Mensch und Musiker in dieser Szene, die sehr gut vernetzt ist und die mich mit offenen Armen aufgenommen hat. Ich finde auch viele Sachen in diesem Genre sehr gut.
Andererseits halte ich schon eine gewisse Distanz zwischen mir und der Drone-Welt. Vieles ist dort einfach zu beliebig und selbstgefällig. Es ist halt im Prinzip sehr einfach, Drone Musik zu machen. 40 Minuten lang zwei Oszillatoren laufen lassen, die sich gegeneinander mikrotonal verschieben, oder irgendein Klangmaterial einfach mit Paulstretch von einer Minute auf drei Stunden dehnen, das ist irgendwie unbefriedigend. Sowohl für den Musiker als auch für den Hörer. Das verwässert halt das komplette Genre und in diesem Fall muss ich fast sagen: leider gibt es das Internet, leider gibt es Bandcamp und Soundcloud. Weil sobald man von dieser Szene assimiliert wird, muss man sich erst mal gegen 90% lieblosen Kram durchsetzen. Deswegen bin ich da eher vorsichtig.
Und mir ist es ja im Gegensatz zu anderen Vertretern des Genres überhaupt nicht wichtig, irgendwelche transzendentalen oder meditativen Zustände auszulösen. Da komme ich wieder auf die letzte Frage zurück: ich bin halt doch immer noch irgendwie Pop. Meine Stücke haben immer eine gewisse Würze. Ich komme auf den Punkt, bzw.: es gibt einen Punkt, auf den ich kommen kann. Ich kann mir auch nur ganz schwer 20-minütige Stücke anhören. Musik ist für mich kein Hintergrundrauschen. Ich will mich als Hörer damit auseinandersetzen. Sie soll mich berühren, und nicht einlullen.

Du machst ja im Grunde Musik für eine relativ kleine Gruppe von interessierten Leuten. Daher die Frage: Wie lebt s sich in solchen Nischen (künstlerisch, ökonomisch, sozial)?

Dino Spiluttini: Hach ja, das war bei mir schon immer so: Meine Zielgruppe ist wirklich überschaubar, aber die paar Leute die es interessiert sind dann dafür wirkliche Fanatiker. Ob das jetzt besser ist als ein Heer von halbloyalen Beführworten, kann ich nicht beurteilen. Wahrscheinlich nicht.
Künstlerisch ist es vielleicht schon gut so, weil ich nicht unbedingt Kompromisse eingehen muss. Ich hab ja nichts zu verlieren. Andererseits habe ich sehr viel zu gewinnen, was natürlich den altbekannten Konflikt provoziert: für wen mache ich denn Musik? Was muss ich ändern, um endlich an mehr Hörer zu kommen. Das ist schon ein nicht unanstrengender Kampf, den ich allerdings bisher immer zugunsten meiner Integrität gewonnen habe. Ökonomisch darf ich nichts sagen, weil vielleicht liest das Finanzamt mit. Nein, also das ist tasächlich derzeit nicht erwähnenswert, weil ich keine Konzerte spiele. Tonträgerverkäufe kann ich noch nicht beurteilen, aber da erwarte ich keinen plötzlichen Reichtum.
Im Juni veröffentliche ich allerdings auf einem grösseren japanischen Label ein Album (Home Normal), dessen Veröffentlichungen in einer vierstelligen Auflage meistens innerhalb weniger Monate ausverkauft sind. Vielleicht krieg ich da ja ein paar Yen ab. Sozial ist es eher zwiegespalten. Lokal gibt es so gut wie keine persönliche Vernetzung, was aber nicht nur an der relativ kleinen Wiener Szene für so eine Musik liegt, sondern eher an meiner latenten Asozialität. Wenn ich öfter raus- und ausgehen würde, dann wäre das sicher eh sehr fruchtbar. Meine alten Kontakte von früher bestehen aber prinzipiell noch.
Im Internet schaut das ganz anders aus: wie gesagt bin ich auf einmal Teil einer Szene. Das ist natürlich super, aber das artifizielle solcher virtuellen “Freundschaften” ist natürlich immer spürbar und macht die Beziehungen eher unbefriedigend. Ich hoffe allerdings, in näherer Zukunft mit meiner Musik wieder ein bisschen mehr zu reisen und manche dieser Menschen auch persönlich kennenzulernen.

Wie verhalten sich bei deinen Arbeiten Digital / Analog zueinander? Sind das überhaupt noch Widersprüche, Bruchlinien, oder ergänzt sich das eh, je nach Track und Funktion?

Dino Spiluttini: Musikalisch versuche ich immer mehr, so viel wie möglich analog zu machen. Auch beim mischen und mastern. Allein schon um mich auch soundtechnisch ein bisschen vom Brei der lieblosen digitalen Paulstretch-Drone Musikern abzuheben. Und ich verwende sowieso prinzipiell keine digitalen Klangerzeuger. Mein Ausgangsmaterial ist immer akustisch, also analog. Hauptsächlich Klavier. Ich arbeite auch sehr viel mit einem alten 4-Spur Kassettengerät. Das distinguiert mich bestimmt auch ein bisschen und schleift die digitalen Kanten ab. Also ja, digital und analog sind schon noch Widersprüche, vor allem natürlich klanglich/ästhetisch, das kann man nicht leugnen und damit muss man arbeiten. Wenn was kalt und schmerzhaft klingen soll, dann komme ich da mit digitalen Mitteln sicher schneller ans Ziel.
Vom Medium her ist mir auch analog am liebsten. Ich komponiere quasi auf das Endformat Schallplatte hin. Und ich würde auch lieber eine Kassette veröffentlichen als eine CD. Kassetten sind sowieso super. Digital, also mp3s, lässt sich aber sowieso nicht mehr vermeiden. Und ich muss auch zugeben, dass ich selbst sehr viel auf Bandcamp einkaufe. Man kann die Bequemlichkeit der Zukunft nicht unter den Tisch kehren.

Nimmst du für deine Releases/Projekte Förderungen in Anspruch?

Dino Spiluttini: Als Betreiber eines Labels habe ich früher natürlich sehr gerne den SKE-Fonds in Anspruch genommen. Wie toll die Förderstruktur in Österreich ist, habe ich erst in Deutschland begriffen, wo es sowas überhaupt nicht gibt. Auch der Musikfonds ist glaub ich sehr super, allerdings hab ich den selbst noch nie beansprucht und blicke zugegebenermassen nicht wirklich durch. Aber allein dass es sowas gibt ist doch ein Wahnsinn. Also im Sinne von: wahnsinnig super!
Derzeit hab ich keinen Bedarf für den SKE-Fonds, weil die Tonträgervervielfältigungskosten ja von den Labels übernommen werden. Und Musikfonds fällt allein schon wegen meiner Musik weg, aber auch weil ich eh immer alles alleine aufnehme und produziere und mir da keine Kosten entstehen.
Aber wenn jemand vom SKE-Fonds mitliest: nominiert mich gerne für ein Jahresstipendium!

http://www.dinospiluttini.com/

 

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