Rosengarten stellen sich vor

Rock bis der Doktor kommt: Was der OberösterreicherIn der Krautrock ist der WienerIn der Gartenrock. Ein Trio aus drei gestandene Männern im attraktiven Alter Ü40 mit dem blumigen Namen „Rosengarten“ (die österreichische Band) präsentiert seit letzten Freitag sein Dialektalbum mit gleichnamigem Titel (bei Eiffelbaum Records) und gesellt sich pegeltechnisch auf jeden Fall zu jenen, die die Wände wackeln lassen, denn „da Wiena hotn Groove“, wie ein Titel weise erkennt.

Man darf sich sprachlich vom ersten Track nicht irreführen lassen (weil hochdeutsch). Eines der großen Entscheidungen der Partie ist es, mit dem Wienerischen beizutragen, dass Dialekt unpeinlich und authentisch sich noch mehr einpflanzt  in die „modernen“ Musikgenres auf die österreichische Künstler immer mehr zugreifen. Englisch texten „müssen“ in Popularmusik war gestern, und ganz besonders dort, wo es mangels Sprachversiertheit „bemüht“ und „übersetzt“ wirkend kurzum manchmal eine Schnapsidee war, ist das auch besser so.  Mundart ist cool.

Die Themen des Dreiergespannes gehen von Kleinkariertheit wie sie unausrottbar jeden Tag erlebbar ist samt seiner Folge „Intoleranz“  über Selbstironie bis hin zu persönlichen  Erkenntnissen, Zugeständnissen und einschneidenden Erfahrungen (Liebe und Tod). „Wenn du mich liebst, dann bring dich für mich um“ als Satz im ersten Song  ist zwar nicht das Rad neu erfunden (für die, die sich noch „erinnern“), mit der Nummer „Zorro“ allerdings steigert sich das Provokationslevel dann richtig dorthin  wo die Tabus daheim sind. Sehr gut. Ein spannender, recht gelungener, wie ich finde, Song der insgesamt mehrfach heraussticht, musikalisch auf den ersten Blick wirkt wie eine Mischung aus Kinderlied und Schlager mit bösem, unmissverständlichem, bildreichem Text der Sorte „über Kinder aber nicht für Kinder geeignet“.

Der musikalische Schwerpunkt des Album liegt zweifelsfrei in der Rockmusik, die man verspielt einsetzt, davon abgesehen gibt es Anleihen aus Blues und Alternative. Ihren Humor beweisen die „Burschen“ auch bei der Nummer „Was Österreich is“, eine Hymne aufs Heimatland im Bonanza Stil. Zur Abrundung nimmt sich die Band das gute alte  Wienerlied vom himmlischen Behagen vor und macht es sich gekonnt zu eigen und mischt es auf. Es lebe der Rosenrock.

Sänger und Bassist Mihael Gluhak, Gitarrist und Backgroundsänger Karsten Krause un und Schlagzeuger/Perkussionist Mike Linder haben, wie man hört, unbedingt ihr ganzes Rocknroller Herzblut in dieses Album gepackt und geben ordentlich Gas, bringen zum Lachen, zum Nachdenken und laden natürlich ein zum gepflegten Popowackeln.  (Alexandra Leitner)