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dog & schwoaz (c) Joel Boyd

„Meine Bezüge sind die klassischen 1960er-Jahre, The Beatles und Bob Dylan“ – NORBERT SCHERMANN (DOG & SCHWOAZ) im mica-Interview

DOG & SCHWOAZ nennt der Singer-Songwriter NORBERT SCHERMANN seine Kunstfigur – vor Kurzem hat der bekennende BEATLES-Fan sein zweites Album veröffentlicht. Im Gespräch mit Jürgen Plank erzählte Schermann unter anderem, welche Wurzel sein Bandname hat und warum er ein Lied über den Besuch von Konzerten geschrieben hat.

Sie haben eben ihr zweites Album herausgebracht, relativ spät für einen Newcomer. Wieso hat es bis ins fortgeschrittene Alter gedauert?

Norbert Schermann: Als ich Anfang 20 war, wollte ich Musiker werden. Das ist nun schon einige Monate her und es hat sich damals nicht ergeben. Rund 20 Jahre später bin ich draufgekommen, dass ich irgendwann einmal etwas mit Musik zu tun hatte, und habe wieder begonnen, Musik zu schreiben. Ich habe dann Menschen getroffen, die mich bei einer Produktion unterstützen konnten.

In den Jahren dazwischen: Haben Sie immer Lieder geschrieben?

Norbert Schermann: Ich habe immer geschrieben. Ich glaube mich zu erinnern, dass ich etwa fünf Jahre alt war, als ich meine ersten Zeilen geschrieben habe. Und mein ganzen Leben hindurch höre ich Musik im Kopf, da läuft ein eigener Film ab. Man könnte sagen: Begleitmusik zu dem, was ich so erlebe. So ist eines zum anderen gekommen und die Lieder waren da.

Sie singen im Dialekt, warum haben Sie sich dafür entschieden?

Norbert Schermann: Weil das eine wunderbare Form ist, sich mehrdeutig auszudrücken. Die Wiener Sprache hat gegenüber der hochdeutschen Sprache den Vorteil, dass ich fünf verschiedene Ausdrücke verwenden kann, um Ähnliches zu bezeichnen. Auch phonetisch lässt die Wiener Sprache viele Dinge offen.

„Wenn ein Lied fertig ist, merke ich, dass man es aus ganz verschiedenen Perspektiven verstehen und anhören kann.“

Wie gehen Sie also mit Sprache um?

Norbert Schermann: Mir ist es wichtig, Sprache zu erzeugen, die in ganz verschiedene Richtungen gedeutet werden kann. Es passiert mir auch beim Songschreiben, dass ich mir gar nicht immer im Klaren darüber bin, in welche Richtung ein Lied geht. Wenn ein Lied fertig ist, merke ich, dass man es aus ganz verschiedenen Perspektiven verstehen und anhören kann.

Es gibt zum Lied „Engel“ ein Video, wie ist das entstanden?

Norbert Schermann: Das Video ist in einer künstlerischen Zusammenarbeit entstanden, mit dem Filmemacher und Maler Vred Schöny. Er malt auch die Porträts zu meinen Plattencovers. Er hat Trickfilme gemacht und hatte einen riesigen Fundus, den er mir präsentiert hat. Daraus haben wir das Video gemacht, mit ein wenig neu gedrehtem Material.

Für mich gibt es bei Ihrer Musik als einen Bezugspunkt den Austropop. Ich habe zwischen den Tönen, zwischen den Zeilen zum Beispiel Ambros herausgehört. Wie sehen Sie ihn? Als Einfluss auf Ihr Schaffen?

Norbert Schermann: Austropop verwendet Dialektsprache als Stilmittel. Da verwende ich manchmal Zitate, das stimmt. Aber ich versuche, diese Zitate eher auf der Ebene der Struktur zu zitieren, nicht wörtlich. Für mich ist es – wenn schon Österreichbezug – wesentlich mehr Joesi Prokopetz, der ja wesentlichen Anteil am Ambros-Projekt hatte. Ansonsten, das darf man heute ja wieder sagen: Meine Bezüge sind die klassischen 1960er-Jahre, The Beatles und Bob Dylan. Die ja dann letztlich wieder Ambros und Danzer in ihrer Singer-Songwriter-Rolle getragen haben.

Es gibt noch eine Parallele zu Ambros: Sie haben beide ein Lied über das Geben von Konzerten geschrieben, bei Ambros heißt es „Auftritt“, bei Ihnen „Konzert“. Was war der Anstoß dazu?

Norbert Schermann: Ich zitiere hier die Idee „Konzeptalbum“. Das vermutlich erste Konzeptalbum war „Sgt. Pepper“ von The Beatles. Die Idee des Albums war, eine Livesituation zu schaffen, ohne dass Lieder live gebracht werden. Ich habe eine Klammer gebraucht und als Klammer habe ich das Konzert aus Sicht der Konzertbesucherinnen und -besucher genommen. Ich habe mir überlegt: Wie ist das bei mir? Ein Konzert beginnt irgendwann zwischen 8 und 11 Uhr am Abend. Am Morgen bin ich noch gut drauf, dann wird der Tag anstrengend und ich schaue, was ich am nächsten Tag tun muss. Dann überlege ich, ob ich nun zum Konzert gehen soll oder nicht. Mir ist aufgefallen, dass solche Situationen, in denen man überlegt, oft von Menschen als Entschuldigung verwendet werden, letztlich nicht zu einem Konzert zu gehen. Diejenigen, die dann ins Konzert gehen, stellen am Ende fest, dass es gut war.

Ein Lied Ihres Albums ist mir aufgefallen, es heißt „Gib 8“ und es geht darum um das Leben und Sterben von Künstlern. Was ist die Idee dahinter?

Norbert Schermann: Das Lied heißt in Klammer auch „Todesarten“ wie das letzte Werk von Ingeborg Bachmann. Das ist zwar nur fragmentarisch erhalten, es gibt nur einen Teil, aber ein Kern der Auseinandersetzung dreht sich um die Frage: Wie gehen die Geschlechter miteinander um? In diesem Lied werden nur Männer zitiert und dadurch versuche ich, dieses Thema des Umgangs über die „Maschek“-Seite zu bringen. Das ist der Hintergrund. Auf sarkastische Art betone ich in diesem Lied das Männliche.

Sie haben die neue Platte im alteingesessenen Musikclub Davis präsentiert, wie war die Präsentation?

Norbert Schermann: Das war eine tolle Möglichkeit und schon meine zweite Plattenpräsentation im Davis. Da gibt es einen biografischen Bezug, weil ich in der Gegend aufgewachsen bin. Wir haben uns zwei oder drei Monate lang vorbereitet und sind als Trio aufgetreten. Das hat herrlich ineinandergegriffen. Wir haben gemerkt, dass das Publikum von Anfang an mitgegangen ist. Es war stimmungsvoll und als es losgegangen ist, war mir klar, dass eigentlich gar nichts passieren kann.

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dog schwoaz (c) archivband

„Ich bin in dem Jahr auf die Welt gekommen, in dem die Beatles begonnen haben.“

Welche Lieblingsbands haben Sie über die Jahre begleitet?

Norbert Schermann: Wie schon angedeutet, sind es The Beatles, weil ich mit ihnen groß geworden bin. Ich bin in dem Jahr auf die Welt gekommen, in dem die Beatles begonnen haben. Ich wusste damals noch nicht, was sie singen, aber es war die Form, das Polyphone, das mich fasziniert hat. Als ich 15 oder 16 Jahre alt war, kamen dann die Doors und Bob Dylan. Aber auch österreichische Künstler wie Ambros, Prokopetz und Danzer. Neil Young steht auch oben auf meiner Liste und irgendwann ist auch Billy Joel dazu gekommen, aber auch Carol King. 

Ihr Pseudonym lautet dog & schwoaz, ist das eine deutsch-englische Mischung?

Norbert Schermann: Der Name ist vieldeutig und geht auf Gerhard Rühm von der Wiener Gruppe zurück. Er hat sehr früh begonnen, Wirklichkeit über Sprache zu reduzieren und zu dekonstruieren. Und das auch in einer bildhaften Form. Dazu habe ich vor langer Zeit ein Bild entdeckt: ein weißes Blatt Papier, ein Strich in der Mitte, links oben steht „Tag“ und rechts steht „schwarz“. Und das hat mich jahrzehntelang begleitet und beschäftigt, weil es so tut, als ob es ein Gegensatz wäre. Es ist aber kein Gegensatz. Das Bild erzeugt aber eine Spannung, in der man auf den ersten Blick glaubt, dass man weiß, worum es geht. Erst auf den zweiten Blick fängt das zu sickern an. 

Sind Sie dog & schwoaz?

Norbert Schermann: Eigentlich ist es eine Kunstfigur. Das & tut auch nur so, als verbände es die beiden Wörter. Es geht um das Spiel mit der Wirklichkeit: Was scheinbar eindeutig ist, könnte doch ganz anders sein. Das macht meine Musik – bisher zumindest – aus.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jürgen Plank

dog & schwoaz live
19.9. Café CARINA, Wien
21.9. Gustl Kocht, Wien

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