Georg Friedrich Haas bejubelt in Donaueschingen

Es war das Schlusswerk, das bei den heurigen Musiktagen am meisten und längsten akklamiert wurde: das Konzert für sechs Klaviere im Zwölfteltonabstand  und Orchester, „limited approximations“, uraufgeführt von sechs fulminanten Pianisten und dem SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden unter der Leitung von Sylvain Cambreling.

Ein Werk von schillernder, man ist geneigt, zu sagen: „schöner“ Klangmagie. Farbig suggestive, dynamisch wachsende, gegenläufig niedersinkende Wellen von ungeahnt raffinierten harmonischen Reichtümern. Mikrointervalle und Obertonakkorde sind bei Haas keine Effektbeigaben, sondern kompositorisch zwingendes Grundgerüst, dessen perfekte Handhabung den traumhaften bis dramatischen, fließend sich wandelnden Klangbildern formale Sicherheit spendet.

Ganz besondere Ehrung für Haas: seiner „begrenzten annäherung“ an das nicht temperierte, chromatische Total wurde der Preis des SWR-Sinfonieorchesters zuerkannt, eine richtige wie mutige Entscheidung, bedenkt man, dass das ausgezeichnete Werk „tourneetauglich“ sein soll, im vorliegenden Fall aber schon aus logistischen Gründen wohl nur in wenigen urbanen Zentren aufführbar sein dürfte.

Gleichsam eine Klammer bildend, wurde auch das in Donaueschingen am Beginn stehende Werk mit einhelligem Beifall bedacht: „Monadologie IX: The Anatomy of Disaster“ für Streichquartett von Bernhard Lang, bravourös aus der Taufe gehoben vom Arditti-Quartett. Eine sozusagen vom kompositorischen Atom ausgehende, computergestützt vielfältige Umgestaltung  der „Sieben letzten Worte…“ von Haydn. Dieses kontemplative, jenseitsorientierte Original wurde von Lang der puren Larmoyanz durch energisch federnde Abschnitte enthoben, gegenpolig aber dominierte in den stockenden, verzagten, verlöschenden Passagen die ursprüngliche spirituelle Gestik.

Also haben zwei österreichische Komponisten rahmend diesen Musiktagen reichlich qualitatives Gewicht beschert – man darf sich freuen.
Lothar Knessl

Georg Friedrich Haas © Universal Edition/Eric Marinitsch

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