Bild (c) Loewenhertz

FLUNGER LÖSCHEL – „AMEISEN auf kleinen Gegenständen in der Strömung schaukelnd“

ELISABETH FLUNGER und HANNES LÖSCHEL begeben sich auf ihrem Album „AMEISEN auf kleinen Gegenständen in der Strömung schaukelnd“ (Loewenhertz) auf eine aufregende Reise an die absoluten Grenzen der Musikalität.

Nun, eines kann man nachdem Durchhören ihres Albums definitiv sagen: Das Klangerlebnis, das Elisabeth Flunger (Percussion) und Hannes Löschel (präpariertes Klavier) zu Gehör bringen, ist eines der ganz besonderen Art. Es ist die Improvisation, der sich beide verschrieben haben, das freie Spiel, das sie bis an seine Grenzen führen. Nichts, aber auch rein gar nichts verläuft in den Stücken des Zweiergespanns irgendwie nach den gewöhnlichen Regeln. Nicht der Sound, nicht der Umgang mit den Instrumenten, nicht die musikalische Idee.

Was regiert, ist das eigenwillige, ungebundene und offene Hin und Her, das Experiment, das in jede Richtung ausschlagen kann, das vermeintliche Chaos, das auf faszinierende Weise immer wieder in eine Ordnung zurückkehrt, das Spiel mit Klängen, Tönen, Geräuschen mit unvorhersehbarem Ausgang und, und, und. Elisabeth Flunger und Hannes Löschel wollen – wie es im Pressetext heißt – „den spontanen Einfällen neue Formen abringen […] mit dem Ziel, ganz woanders hinzukommen, als es durch reines Komponieren oder ausschließliche Improvisation möglich ist“.

Vielschichtige collageartige Klanggebilde

Flunger Löschel (c) Johannes Stoll

Und sie kommen tatsächlich wirklich woanders hin. Bei den Stücken, die während eines dreiwöchigen Aufenthalts im italienischen Civitella d‘Agliano entstanden sind, handelt es sich mehr um collageartige und von absolut minimalistisch bis noisig-ausbrechend reichende Klanggebilde denn um ein einer Struktur oder einem bestimmten Ablauf folgendes musikalisches Geschehen. Melodien oder irgendetwas Harmonisches findet im Sounduniversum des eigenwilligen Duos kaum bis gar nicht statt, ebenso fehlt eine klar definierte rhythmische Konstruktion, die das zu Gehör Gebrachte in irgendeiner Form tragen könnte. Diese Aufgabe übernehmen da und dort sich stetig verändernde repetitive Klangpatterns.

Was sich im ersten Moment vielleicht sehr kopflastig und sperrig liest, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als das genaue Gegenteil. Die Musik von Elisabeth Flunger und Hannes Löschel entwickelt etwas sehr Stimmungsvolles und Atmosphärisches, das auf seltsame Weise anziehend wirkt. Man will hören, wohin sich die Geschichten entwickeln, wo sie ihre finalen Höhepunkte finden. Und genau dieser Aspekt lässt die ganze Sache zu einer sehr spannenden werden.

Elisabeth Flungers und Hannes Löschels Improvisationsklangexperiment „AMEISEN auf kleinen Gegenständen in der Strömung schaukelnd“ ist eines, das ganz eigene akustische Wege folgt, seine eigenen klanglichen Blüten treibt. Wer wirklich einmal etwas gänzlich anderes zu hören bekommen will, ist bei diesem Duo definitiv an der richtigen Adresse.

Michael Ternai

Links:
Elisabeth Flunger
Elisabeth Flunger (mica-Datenbank)
Hannes Löschel
Hannes Löschel (mica-Datenbank)
Loewenhertz