Bild Florian Palier
Florian Palier (c) Horacio Reyes Paez

FLORIAN PALIER – „Bach und ich“

Eine nicht alltägliche, aber äußerst stimmige Synthese von Musik findet man auf FLORIAN PALIERS neuem Album „Bach und ich“. Der Titel gibt schon einen Hinweis auf den Inhalt: Kompositionen des kreativen Meisters Johann Sebastian Bach und des gefragten Gitarrensolisten und  Komponisten FLORIAN PALIERS, der den Zuhörerinnen und Zuhörern durch Improvisation und Reinterpretation Einblicke in seinen persönlichen Zugang zu Bachs genialer Musik gibt.

Florian Palier ist bekannt dafür, gerne die verschiedensten Musikwelten zusammenzuführen – er ist einerseits als Virtuose an der klassischen Gitarre bekannt und hat zusätzlich langjährige Erfahrung im Bereich Jazz und Alte Musik bis hin zu Kooperationen im Genre Electronic Music vorzuweisen. Entsprechend individuell ist auch sein musikalischer Charakter. Das hört man auch auf seinem dritten Soloalbum, „Bach und ich“, eine äußerst geschmackvolle und interessante Zusammenführung von Werken Johann Sebastian Bachs, Eigenkompositionen und Improvisationen.

Ein Hin- und ein Wegführen

Albumcover Bach und ich
Albumcover “Bach und ich”

Den Anfang dieses Albums bildet Paliers Improvisation „Towards Bach“, wo sofort der vielfältige stilistische Hintergrund des Künstlers spürbar ist. Die teilweise jazzorientierten Harmonien und Linien sind äußerst feinfühlig verpackt. So führt er sanft zur ersten Nummer Bachs hin, dem bekannten „Preludio“, gefolgt von den restlichen fünf Sätzen der glanzvollen, tänzerischen Suite in E-Dur. Palier geht bei seinen Interpretationen der verschiedenen Stücke mit einer wunderbaren Energie ans Werk, sein persönlicher musikalischer Charakter ist stets spürbar. „In meinen Improvisationen erzähle ich das Werk Bachs frei nach“, schreibt der Künstler über seine Musik auf „Bach und ich“ und spricht von einer „Klangrede“ des Albums. Eine sehr treffende Beschreibung, denn man bekommt wirklich den Eindruck, als würde man einem nie vorhersehbaren und doch logischen Erzählstrang folgen, der durch das Album leitet und die Zuhörerinnen und Zuhörer Bachs Musik durch die Augen und Ohren Florian Paliers wahrnehmen lässt.

Mit dem nachdenklichen „Different Times“ leitet er über in sein vierteiliges Werk „Vier Stücke“. Dieses bildet einen kraftvollen Kontrast und fügt sich doch harmonisch ein in das große Ganze. Die Inspiration dafür war laut Palier die barocke Form der Suite, mit der er sich formal intensiv auseinandergesetzt hat. Die vier Sätze seiner Komposition sind auch den Sätzen einer Suite nachempfunden – die vorangestellte Ouvertüre, Allemande und Courante, Sarabande und lebhafte Gigue, weiterentwickelt, modern und harmonisch offen.

Der Übergang der intensiven „Gigue“ Paliers in Bachs „Grave“ aus seiner Sonate in a-Moll ist wunderbar, wie eine Vorbereitung auf die tiefen Emotionen, die dieses Stück auslöst. Hier spiegelt jede einzelne Note die Schwermütigkeit wider, die in der ganzen Sonate zu spüren ist. Intensiv und trotz aller Verzierungen hindurch stets einer klaren Linie folgend führt der vierte Satz, „Allegro“, aus der Sonate hinaus und direkt hinein in „Still“. Hier nimmt Florian Palier den Hörer bzw. die Hörerin musikalisch an der Hand und führt frei und voller Ruhe durch seine Improvisationen und Reflektionen des Gehörten nach Hause, zurück von diesem Ausflug durch „Bach und ich“.

Dieses Album fühlt sich an wie eine große Einheit, eine Geschichte, erzählt vom Gitarristen Florian Palier. Voller Farben und Emotionen, höchst persönlich und geschmackvoll. Die Zusammenhänge der einzelnen Musikstücke sind bemerkenswert bedeutungsvoll und empfehlen ein Anhören des Albums als Ganzes, ohne Unterbrechung. Man wird es nicht bereuen.

Yvonne-Stefanie Moriel

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