ERSTES WIENER HEIMORGELORCHESTER – „Happy Lamento“

Rechtzeitig zum zwanzigjährigen Bestehen schlagen die vier Mannen des ERSTEN WIENER HEIMORGELORCHESTERS wieder zu. Und zwar mit einem brandneuen Album. „Happy Lamento“ (Lindo Records) heißt das gute Stück, und wie sollte es anders sein, zeigt die Wiener Band auf diesem erneut nicht das geringste Interesse daran, mit dem Strom zu schwimmen. Was auf dem Programm steht, ist mitreißende Popmusik höchst eigenen Charakters.

Die musikalische Eigenwilligkeit ist wohl das hervorstechendste Merkmal dieser ungewöhnlichen Band. Seit seiner Gründung vor zwei Dekaden schreitet das Erste Wiener Heimorgelorchester unbeirrt seinen ganz eigenen Weg entlang. Der Verlockung, sich hin in Richtung Mainstream zu bewegen, sind die vier Herren Jürgen Plank, Thomas Pfeffer, Florian Wisser und Daniel Wisser erfreulicherweise nie erlegen. Auch nicht auf dem neuen Album. Das EWHO zelebriert seinen eigenen Stil: Dieser ist ein wenig trashig, besitzt ein wenig punkigen Spirit und ist bewusst unhip angelegt. Lauscht man sich durch die Nummern des Wiener Vierergespanns, verhält es sich fast so, als würde man in der Zeit um etwa 30 Jahre zurückversetzt werden.

Pop der etwas anderen Art

Der Sound, den das EWHO praktiziert, zeigt sich als eine recht abgedrehte und gerade deswegen sehr interessante Mischung aus diversen Arten des Elektropop aus lang vergangenen Tagen. Die Neue Deutsche Welle trifft auf die elektronische Nüchternheit der Sorte Kraftwerk, ein wenig EDM und auf Synthie-Klänge und -Melodien, die in manchen Momenten an die allerersten Depeche Mode-Veröffentlichungen erinnert. Auf teures Equipment verzichtet das EWHO auch weiterhin. Immer noch halten billige „consumer keyboards“ der Marken Casio, Bontempi und Yamaha als Klangerzeuger her, ein Umstand, durch den die ganze Geschichte – weil sie definitiv alltäglich klingt – zusätzlichen Reiz gewinnt.

Grob umzeichnet besteht „Happy Lamento“ aus drei Teilen. Neben einer Reihe neuer Nummern – unter diesen findet sich auch der hitverdächtige Track „Wurst-Käs-Szenario“ – bringt der Vierer abermals vertonte zeitgenössische Dichtkunst zu Gehör. Dieses Mal sind es Texte von Andreas Okopenko, Pia Hierzegger und Barbi Markovic, die vom EWHO in überaus gelungener Manier zu Songs verarbeitet werden. Abgerundet wird das mittlerweile sechsten Album durch drei neu bearbeitete Nummern älteren Datums.

Das Erste Wiener Heimorgelorchester macht auf seinem neuen Album einmal mehr auf eindrucksvolle Art vor, dass es keines hochtechnisierten Studios bedarf, um klasse Musik entstehen zu lassen. Jürgen Plank, Thomas Pfeffer, Florian Wisser und Daniel Wisser besinnen sich mehr auf das Einfache, aber das tun sie mit unverkennbarer Note und eigenem Stil. Wirklich empfehlenswert.

Michael Ternai

Foto EWHO: Marco Schlager