Donaufestival 07 – unprotected game s

“unprotected game s” – so lautet das viel sagende Motto des diesjährigen Donaufestival 07, welches ab 19. April in Krems über die Bühne geht. An zwei inhaltlich geballten Wochenenden wird in einer Vielzahl von Performances und musikalischen Darbietungen versucht, Mythen der heutigen Popkultur zu dekonstruieren, um diese in neuer Form entstehen zu lassen.

Ein Blick auf das Programm verrät, dass sich der inhaltliche Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung, im Vergleich zu den letzten Jahren, deutlich in Richtung der performativen Kunst verlagert hat. Ein Grund dafür ist mit Sicherheit, das von Veranstalter Thomas Zierhofer-Kin erstellte Konzept der “unprotected game s”, welches auf eine kritische Auseinandersetzung mit den von der Popkultur beeinflussten Gesellschaftssysteme abzielt. Um dieser Thematik auch in vollem Maße gerecht zu werden, entschied man sich eben vorwiegend für Performances, musikalische Spezialprojekte und multimediale Projekte.

 

Die Tage vom 19. bis zum 21. April stehen ganz im Zeichen der De- und Rekonstruktion von Mythen. Das Kremser Festivalzentrum bietet den Schauplatz einer von den Protagonisten erschaffenen Kunstwelt, die im Graubereich zwischen Realität und Virtualität angesiedelt ist. Höhepunkt des Wochenendes bildet das Spezialprojekt des Klang- und Wortmystikers David Tibet, der mit über 50 mitwirkenden Künstlerinnen und Künstlern versucht, seinen gigantischen Visionen Leben einzuhauchen.

 

Musikalisch ab geht es in der Halle 1 des Festivalzentrums, wo mit The Notwist, eine der wohl innovativsten Bands Europas, als Headliner die Bühne betreten wird. Für das Konzert in Krems unterbrechen sie kurz die Arbeit am neuen Album. Weiters zu hören bzw. zu sehen sein werden Priestbird, Fennesz und Ryoichi Kurokawa.

 

Versucht man im ersten Teil noch mit subtilen Formen die Dekonstruktion eines Systems zu erreichen, geht es vom 27. bis 30. April schließlich ans Eingemachte. Mittelpunkt des zweiten Wochenendes bilden die Projekte der Industrial-Pioniere Throbbing Gristle, die nach 25-jähriger Studio-Abstinenz mit einer Reihe von musikalischen Mitstreitern (wie etwa zeitkratzer, KTL oder Haswell & Hecker) versuchen, das Publikum für die Klänge ihres eigenen Widerstandes zu gewinnen. Ähnlich gestaltet sich der “Fightclub” von God`s Entertainment, der die Grenzen zwischen virtueller und realer Gewalt undefinierbar erscheinen lässt.

 

So spektakulär sich das Programm auch liest, ist es trotzdem schade, anmerken zu müssen, dass österreichische Künstler/Innen und Musiker/Innen in diesem Jahr deutlich unterrepräsentiert sind. Die Frage, ob es nicht vielleicht möglich gewesen wäre, neben all den großen internationalen Namen auch hoffnungsvolle heimische Vertreter in das Programm einzubinden, sollte an dieser Stelle erlaubt sein. Killed by 9 Volt Batteries sind einer der wenigen heimischen Bands, welche die Ehre haben, ein Konzert beim Donaufestival spielen zu dürfen (28. April).

 

Da es sich beim Donaufestival um eine vom Land Niederösterreich mitfinanzierte Veranstaltung handelt, fällt der Druck, um jeden Preis einen kommerziellen Erfolg einfahren zu müssen, weg. So gesehen, würde es durchaus auch einmal Sinn machen, heimische Künstler und Künstlerinnen zu berücksichtigen, zumal das Donaufestival mit all seiner konzeptuellen Ausarbeitung, auch international immer mehr Aufsehen erregt. (mt)

 

Foto David Tibet: Andria Degens