Als die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) im März 2024 ihre Global Album Sales Charts veröffentlichte, haben die Verantwortlichen wohl selbst ihren Augen nicht getraut. 19 der Top-20 weltweit meistverkauften Musikalben des Jahres 2023 stammten von K-Pop-KünstlerInnen und somit aus Südkorea. Lediglich der US-Pop-Superstar Taylor Swift konnte mit der Neuaufnahme von „1989 [Taylor’s Version]“ die südkoreanische Phalanx mit Verkaufsrang sechs durchbrechen. Ähnlich war das Bild für das Jahr 2024. Siebzehn von zwanzig Alben stammten von südkoreanischen KünstlerInnen. Diese Zahlen demonstrieren die Dominanz von K-Pop am internationalen phonografischen Markt, die wir in dieser Blogserie genauer untersuchen wollen. Teil 1 liefert dazu eine Marktanalyse.
Angeführt wurden die globalen Album-Charts 2023 von der koreanischen Boy-Group SEVENTEEN mit ihrer EP „FML“, von der allein 4,64 Millionen Stück von den Fans vorbestellt wurde und die sich schließlich 6,4 millionenfach weltweit verkaufte.1 SEVENTEEN ist mit der EP „Seventeen Heaven“ auf Rang 4 mit 4,5 Millionen verkauften Einheiten ein weiteres Mal vertreten. Ebenfalls zweimal ist die koreanische Boy-Group Stray Kids mit dem Studioalbum „5-Star“ (Rang 2) und der EP „Rock-Star“ (Rang 5) vertreten. Die beiden Studioalben „ISTJ“ und „Fact Check“, die Rang 3 und 15 der globalen Charts belegen, können der aus 25 Mitgliedern bestehende Boy-Group NCT zugerechnet werden, aus der die Sub-Gruppen NCT Dream für „ISTJ“ und NCT 127 für „Fact Check“ gebildet wurden. Zweimal scheint auch die Boy-Group Enhypen mit ihren EPs „Dark Blood“ (Rang 16) und „Orange Blood“ (Rang 19) in den Charts auf. Aber auch die K-Pop Girl-Groups IVE („I’ve Mine“ auf Rang 9 und „I’ve Ive auf Rang 17) und aespa („My World“ auf Rang 12 und „Drama auf Rand 20“) sind zwei Mal in den IFPI Global Sales Charts zu finden.2 Zusammengenommen haben diese K-Pop-Acts und weitere Boy- und Girl-Groups sowie Einzel-KünstlerInnen aus Südkorea 53 Millionen Alben im Jahr 2023 weltweit abgesetzt.3
2024 setzte sich der Erfolg der K-Pop-KünstlerInnen international fort. Zwar führte dieses Mal Taylor Swift mit ihrem elften Studioalbum „The Tortured Poets Department“ die IFPI Album Sales Charts mit 5,6 Millionen abgesetzten Einheiten an. Aber schon an zweiter Stelle folgt die südkoreanische Boy-Group Enhypen mit ihrem dritten Studioalbum „Romance: Untold“ mit 3,4 Millionen verkauften Stück, dicht gefolgt von SEVENTEEN mit der EP „Spill the Feels“ und der Compilation „17 Is Right Here“ auf den Verkaufsrängen 3 und 4. Die Stray Kids kommen dann auf die Plätze 5 und 6 mit der EP „Ate“ und der Mixtape „Hop“. Und wie schon im Jahr zuvor sind auch noch andere K-Pop-Acts zweimal in den Top-20 vertreten: NCT Dream mit der EP „Dream()scape“ (Rang 8) und dem erweiterten Studioalbum „Dreamscape“ (Rang 18); die Boy-Group Tomorrow X Together (TXT)mit den beiden EPs „Minisode 3: Tomorrow“ (Rang 10) und „Star Chapter: Sanctuary“ (Rang 13) sowie die Avatar-Girl-Group aespa mit ihrem ersten Studioalbum „Armageddon“ (Rang 9) und der EP „Whiplash“ (Rang 16). Abgesehen von dem chinesischen Superstar Zhou Shen und der japanischen Boy-Group Snow Man, waren 17 Alben von südkoreanischen KünstlerInnen 2024 in den Top-20 Album Sales Charts vertreten.4
Da die Global Album Charts lediglich die Verkäufe physischer Formate (vor allem CDs und Vinyl-Schallplatten) und Musik-Downloads, nicht aber album-äquivalente Streams umfassen, spiegeln sie nur einen Teil des globalen Album-Absatzes wider. Aber auch wenn man das Musikstreaming berücksichtigt, waren 2023 fünf der Top-10 der globalen Album-Charts Produktionen von K-Pop-KünstlerInnen5 2024 waren nach dieser Betrachtung vier K-Pop-Alben in den weltweiten Top-10.6
Damit manifestiert sich eine Vormachtstellung südkoreanischer Pop-Musik, die schon längst nicht nur auf die Republik Korea und andere ostasiatische Länder begrenzt ist, sondern ein globales Phänomen geworden ist. Zwischen 2019 und 2022 stiegen die Musikexporte von Südkorea in andere Teile der Welt um das fast 4-fache von US $74,6 Millionen auf US $291,8 Millionen, wobei Japan mit US $89,8 Millionen der wichtigste Exportmarkt war. Aber schon an zweiter Stelle folgten die USA mit US $60,3 Millionen, die damit sogar noch vor China mit US $ 59,8 Millionen lagen. Dabei ist aber zu bedenken, dass die chinesische Regierung schon seit Jahren die Republik Korea mit einem Einfuhr-Bann popkultureller Produkte belegt hat. Trotzdem ist der Musikexport von Südkorea nach China zwischen 2023 und 2024 um satte 76,4 Prozent gewachsen.7
Das Marktforschungsinstitut Luminate (vormals Nielsen) hat ermittelt, dass die Top-100 K-Pop Acts 2023 in Japan 9,7 Milliarden Mal gestreamt wurden. In den USA kamen sie gemeinsam auf 9,2 Milliarden Streams und in Indonesien auf 7,4 Milliarden. Erst dann folgte der koreanische Heimmarkt mit 7,3 Milliarden Streams, vor Indien mit 6,2 Milliarden, den Philippinnen mit 4,2 Milliarden und Mexiko mit 3,5 Milliarden Streams.8
Der phonografische Markt in Südkorea
Diese Dominanz des K-Pop schlägt sich auch in den Umsatzzahlen der phonografischen Industrie in Südkorea nieder. 2024 lag der Gesamtumsatz bei umgerechnet US $1,08 Milliarden, wobei US $660 Millionen auf digitale Umsätze und US $394 Millionen auf physische Umsätze (CD und Vinyl) entfielen. Der Rest von US $26 Milliarden entfiel auf die Verwertung von Leistungsschutz- und Synchronisationsrechten.9 Das entspricht einer Vervierfachung der Umsätze seit 2014, als US $252 Millionen generiert werden konnten.10
Abbildung 1: Die Umsätze der phonografischen Industrie in Südkorea, 2001-2024

Vergleicht man den Umsatzverlauf der phonografischen Industrie in Südkorea mit den USA und den großen Märkten in Europa, so fällt auf, dass die rückläufigen Tonträgerumsätze in den 2000er Jahren schon früh durch steigende digitale Umsätze kompensiert werden konnten (siehe Abb. 1). Zwar ging zwischen 2001 und 2007 der Umsatz von CDs und Vinyl-Schallplatten um fast 80 Prozent von US $231 Millionen auf US $47 Millionen zurück, aber schon 2006 wurden US $70 Millionen Einnahmen aus dem digitalen Geschäft gemacht, was den Gesamtumsatz wieder ansteigen ließ. 2010 konnte das Umsatzniveau von 2002 übertroffen werden und 2014 jenes von 2001. Damit setzte in Südkorea die Erholung des phonografischen Marktes früher ein als in den westlichen Industrienationen.
Abbildung 2: Die Musikstreamingeinnahmen in Südkorea, 2010-2024

Hauptverantwortlich war dabei das Musikstreaming (siehe Abb. 2). 2010 wurden für Südkorea erstmals mit US $31 Millionen die Einnahmen aus dem Musikstreaming ausgewiesen, die allerdings noch unter den Downloadumsätzen von US $56 Millionen lagen. Aber schon ein Jahr später hatten die Streamingeinnahmen mit US $42 Millionen die Downloadumsätze mit US $45 Millionen fast erreicht. Ab diesem Jahr lässt sich eine Kannibalisierung der Musikdownloads durch das Musikstreaming feststellen. 2012 stiegen die Streamingeinnahmen auf US $59 Millionen, während die Downloadumsätze auf US $12 Millionen abstürzten. In den folgenden sechs Jahren stiegen die Einnahmen aus dem Musikstreaming um das 5,6-fache auf US $329 Millionen.
Ab 201911 sind die Streamingeinnahmen der bestimmende Faktor für das Wachstum des phonografischen Marktes in Südkorea und machen bereits 73 Prozent des Gesamtumsatzes (ohne Einnahmen aus der Verwertung von Leistungsschutz- und Synchronisationsrechten) aus. Allerdings war 2020 das letzte Jahr mit einem starken Anstieg der Streamingeinnahmen um 29 Prozent. 2021 und 2022 fiel der Umsatzzuwachs beim Musikstreaming mit 16 bzw. 18 Prozent deutlich niedriger aus. 2023 und 2024 gingen die Wachstumsraten im Streamingsegment sogar auf 7 bzw. 1 Prozent zurück, was auf eine Marktsättigung hinweisen könnte.
Der phonografische Markt in Südkorea unterscheidet sich von den Märkten in Nordamerika und Europa aber weniger durch das Wachstum im Musikstreaming, sondern durch die bedeutende Rolle, die Tonträger (CDs und Vinyl-Schallplatten) spielen (siehe Abb. 3). Bis 2007 glich die Entwicklung in Südkorea jener in anderen westlichen Industrienationen, wo immer weniger Tonträger (vor allem CDs) verkauft wurden. So ging auch in Südkorea der gemeinsame Absatz von CDs und Vinyl-Schallplatten von 2001 bis 2007 von 42 Millionen verkauften Stück auf nur mehr 7 Millionen zurück, was einem drastischen Rückgang von 84 Prozent entsprach und die Tonträgerumsätze um 80 Prozent sinken ließ.
Abbildung 3: Die Entwicklung des Tonträgerabsatzes in Südkorea, 2001-2024

Aber bereits 2008 konnte ein Absatzsprung nach oben um mehr als die Hälfte auf fast 10 Millionen Stück Tonträger beobachtet werden, was sich in einem Umsatzanstieg auf US $77 Millionen (+ 63 Prozent) niederschlug. In den Folgejahren pendelte der Tonträgerabsatz stabil zwischen 10 und 12 Millionen verkauften Einheiten, wobei der Anteil hochpreisiger Produkte (Full-Preis-Alben und Special Editions) zunahm. Dadurch konnte der Tonträgerumsatz zwischen 2008 und 2016 um US $45 Millionen gesteigert werden, was einem Anstieg von über 58 Prozent entsprach. Zwischen 2016 und 2023 beschleunigte sich das Absatzwachstum mit durchschnittlichen Zuwachsraten um die 40 Prozent. 2020 wurden mit 42 Millionen Einheiten wieder genauso viele Tonträger verkauft wie noch 2001. Bis 2023 steigerte sich der Tonträgerabsatz auf einen vorläufigen Höchstwert von rund 116 Millionen Einheiten. Allerdings sank im darauffolgenden Jahr der Absatz auf 93 Millionen (-19 Prozent), was auf Rückgänge im Inland und auf eine Stagnation bei den Musikexporten ins Ausland zurückgeführt wurde.12 Dennoch liegt der Marktanteil des physischen Produkts immer noch bei bemerkenswert hohen 37 Prozent, wenn man die Einnahmen aus der Verwertung von Leistungsschutz- und Synchronisationsrechten unberücksichtigt lässt.
Durch das kombinierte Wachstum von Musikstreaming und des Tonträgermarktes gelang es Südkorea in der IFPI-Umsatzstatistik 2016 auf Rang 6 hinter den USA, Japan, Deutschland UK und Frankreich mit einem Weltmarktanteil von rund 3 Prozent vorzustoßen.13 2021 wurde es zwar von China überholt und auf Rang 7 verdrängt, womit es aber immer noch deutlich vor Kanada, Australien und Italien lag.14 Es ist vor allem der rasante Aufstieg zu einem der weltweit größten phonografischen Märkte, der beeindruckt. 2008 lag Südkorea mit einem Weltmarktanteil von 0,8 Prozent noch weit abgeschlagen auf Rang 18, und damit weit hinter wesentlich kleineren Märkten wie jene von Österreich, Belgien und der Schweiz.15 2009 rückte Südkorea auf Platz 15 vor16 und zwei Jahre später lag es bereits auf Rang 11 knapp hinter Italien und noch vor Spanien.17 2014 klettere Südkorea noch um zwei weitere Ränge auf Platz 9 hoch und ließ sogar das einwohnerstarke Brasilien hinter sich,18 um schließlich 2016 auf Rang 6 vorzustoßen. Hinter diesem rasanten Aufstieg steht vor allem das rasante Wachstum des Musikstreamingmarktes, aber auch die weltweit einzigartige Umsatzsteigerung im CD-Segment. Dieser Mix aus Musikstreamingboom und steigenden Tonträgerverkäufen ist natürlich vor allem auf den Erfolg von K-Pop zurückzuführen, der schon längst kein regionales, sondern ein weltweites Phänomen ist, das noch näher beleuchtet werden wird.
Peter Tschmuck
Dieser Artikel erschien erstmal am 10. November 2025 auf der Seite https://musikwirtschaftsforschung.wordpress.com/2026/03/23/die-okonomie-des-k-pop-teil-1-eine-marktanalyse/
Peter Tschmuck ist Professor am Institut für Popularmusik (ipop) der mdw.
Endnoten
- Ibid. ↩︎
- Ibid. ↩︎
- Ibid. ↩︎
- International Federation of the Phonographic Industry (IFPI). 2025. Taylor Swift makes music history as IFPI’s Biggest-Selling Global Recording Artist of the Year for the fifth time. IPFI Pressemitteilung, 18. Februar 2025. https://www.ifpi.org/taylor-swift-makes-music-history-as-ifpis-biggest-selling-global-recording-artist-of-the-year-for-the-fifth-time/. Zugriff 03. Dez. 2025 ↩︎
- IFPI. 2024. Taylor Swift, SEVENTEEN and Morgan Wallen ↩︎
- IFPI. 2025. Taylor Swift makes music history ↩︎
- Shim, Sun-ah. 2025. K-pop industry’s rapid growth streak hits a snag last year. Yonhap, 16. Januar. https://m-en.yna.co.kr/view/AEN20250116006400315?section=culture/k-wave. Zugriff 08. Dez. 2025 ↩︎
- Chan, Alexandra. 2023. Mapping Out K-Pop’s Global Dominance. Luminate, 24. Oktober. https://luminatedata.com/blog/mapping-out-k-pops-global-dominance/. Zugriff 09. Dez. 2025 ↩︎
- Siehe dazu Dyson, Simon. 2025. South Korea Music Industry Update, September 2025. Omdia, 11. September 2025. https://omdia.tech.informa.com/om138211/south-korea-music-industry-update-september-2025 und MusicAlly. 2024. South Korea, The Report. 20. Dezember. https://musically.com/wp-content/uploads/2025/01/12-2024-SKorea-145033-1.pdf. Zugriff 09. Dez. 2025 ↩︎
- International Federation of the Phonographic Industry (IFPI). 2015. Recordings Industry in Numbers 2015, S. 97. ↩︎
- Die Zahlen ab 2019 sind allerdings nur bedingt mit jenen der Vorjahre vergleichbar, weil die IFPI für Südkorea 2019 ein neues Erfassungssystem für die phonografischen Umsätze eingeführt und die Werte von 2022-2024 nicht auf den IFPI-Zahlen beruhen, sondern vom Marktforschungsinstitut Omdia stammen und zum Teil Schätzwerte darstellen. Dennoch lässt sich aus den Daten der Umsatztrend in Südkorea sehr gut nachvollziehen. ↩︎
- Stassen, Murray. 2025. K-Pop in crisis? Around 93m albums were sold in South Korea in 2024 – 23m fewer than in 2023. Music Business Worldwide, 5. Februar. https://www.musicbusinessworldwide.com/k-pop-in-crisis-around-93m-albums-were-sold-in-south-korea-in-2024-23m-fewer-than-in-2023/. Zugriff 15. Dez. 2025. ↩︎
- International Federation of the Phonographic Industry (IFPI). 2017. Recordings Industry in Numbers 2017, S. 51. ↩︎
- International Federation of the Phonographic Industry (IFPI). 2022. Global Music Report 2022, S. 192. ↩︎
- International Federation of the Phonographic Industry (IFPI). 2009. Recordings Industry in Numbers 2009, S. 85. ↩︎
- International Federation of the Phonographic Industry (IFPI). 2010. Recordings Industry in Numbers 2010, S. 87. ↩︎
- International Federation of the Phonographic Industry (IFPI). 2012. Recordings Industry in Numbers 2012, S. 93. ↩︎
- International Federation of the Phonographic Industry (IFPI). 2015. Recordings Industry in Numbers 2015, S. 116. ↩︎
