Das Wienerliedfestival wean hean geht 2026 in seine 26. Runde und spannt von 21. April bis 12. Mai erneut einen weiten Bogen über die musikalischen Ausdrucksformen der Stadt. An unterschiedlichen Spielorten in Wien entfaltet sich ein Programm, das Tradition und Gegenwart gleichermaßen in den Blick nimmt. Klassische Wienerlied-Interpretationen stehen neben neuen Ansätzen, literarischen Formaten und genreübergreifenden Projekten. Die stilistische Offenheit, die das Festival seit Jahren prägt, bleibt auch diesmal zentral: Historisches Repertoire wird neu gelesen, junge Stimmen treten neben etablierte Persönlichkeiten, und das Wienerlied zeigt sich als lebendige, wandelbare Kunstform.
Eröffnet wird das Festival im frisch renovierten Jugendstiltheater am Otto Wagner Areal. Dort treffen mit der GOAS rund um HP Falkner und Markus Binder volksmusikalische Eigenwilligkeit und urbane Klangfarben aufeinander. Ergänzt wird der Auftakt durch ein generationenübergreifendes Programm: Traude Holzer, Ernst Kovacic sowie Maria und Helmut T. Stippich widmen sich dem Wienerlied in unterschiedlichen Facetten, während Studierende des mdw-Projekts „wean schbüün“ einen Ausblick auf den musikalischen Nachwuchs geben. Das traditionelle Publikumssingen mit Herbert Zotti und Coco Banholzer rundet den ersten Festivalabend gemeinschaftlich ab.

Zu den programmatischen Höhepunkten zählt die Matinée „Sagen aus Wien“ mit Michael Köhlmeier und dem neu gegründeten wean hean Orchester unter der Leitung von Helmut T. Stippich. Literatur und Musik greifen hier ineinander und öffnen einen poetischen Zugang zur Wiener Erzähltradition. Einen anderen Ton schlägt der Abend „Quasi zum Lachen“ an, der Helmut Qualtinger und seiner Zeit gewidmet ist. Gregor Seberg, Robert Kolar und Tommy Hojsa widmen sich satirischen Texten und Liedern, deren gesellschaftskritische Schärfe bis heute nachhallt.
Auch der Blick über die Grenzen gehört zur programmatischen Vielfalt. „Extra Hungariam non est vita“ beleuchtet musikalische und kulturelle Verbindungen zwischen Österreich und Ungarn – inklusive Csárdás-Tanzkurs, historischen Einblicken und gemeinsamen Liedern. Traditioneller wird es beim „Zwischenprost“-Stammtisch im Heurigen, bei dem Tesak & Blazek sowie Knopf & Streich unterschiedliche Volksmusiktraditionen zusammenführen.
Mit dem Schrammel-Montag rückt das Festival zudem historische Figuren der Wiener Musik in den Fokus: Der 140. Geburtstag von Josef Mikulas wird mit einem Porträtabend gewürdigt. Nachwuchstalente präsentieren sich wiederum im Gläsernen Saal des Musikvereins bei „Franzl’s Schrammeln“, während das Kollegium Kalksburg sein 30-jähriges Bestehen mit einem Rückblick auf drei Jahrzehnte Wienerlied-Geschichte feiert.

Den Abschluss bildet ein literarisch-musikalischer Abend mit Texten von François Villon und Ernst Jandl in Vertonungen von Georg Breinschmid – ein Finale, das exemplarisch für die Offenheit des Festivals steht. wean hean 2026 zeigt damit einmal mehr die musikalische Vielfalt des Wienerlieds: zwischen Tradition und Experiment, Humor und Melancholie, Vergangenheit und Gegenwart.
++++
