Refugees Welcome: Musik für Flüchtlinge

Seit etwa einem Jahr setzen sich die Österreicherinnen und Österreicher intensiv mit der aktuellen Flüchtlingssituation auseinander. Manche helfen in Flüchtlingslagern, andere gründen eigene Initiativen zur Verbesserung der Lage, wiederum andere helfen mit Musik.

Österreich wird gerade Augenzeuge eines gesellschaftlichen Phänomens: in Anbetracht der Ohnmacht und Überforderung der Politik und ihrer Akteure was den  Umgang mit der Flüchtlingssituation betrifft, hat die Zivilgesellschaftdie staatlichen Aufgaben nahtlos übernommen. Zahlreiche Projekte und Initiativen wurden gestartet, Menschen nehmen Flüchtlinge bei sich auf und arbeiten als freiwillige Helfer in Flüchtlingslagern. Die, denen es nicht möglich war Zeit zu geben, haben Geld, Lebensmittel oder Kleidung gespendet und somit ihren Beitrag zur Verbesserung der Umstände für  Flüchtlinge geleistet. Doch nicht nur Spenden sind für die Verbesserung der Lage notwendig, sondern auch die Integration und  Verbindung zwischen und unter den Menschen –  was hilft da besser als Musik? Musik als Mittel zum Kennenlernen, Zusammenfinden und Anfreunden – das möchten diverse Musikprojekte für Flüchtlinge in Österreich zeigen.

Ein Überblick Über verschiedene Initiativen

Eines der in Österreich bekanntesten Solidaritätsevents war das “Voices for Refugees” – ein Event am 3. Oktober 2015 in Wien, das von der Volkshilfe organisiert und von MusikerInnen wie Conchita Wurst, Tagträumer und Seiler&Speer unterstützt wurde. Mit 150.000 BesucherInnen und rund 300.000 Euro Spendeneinnahmen war “Voices for Refugees” wirklich erfolgreich. Ähnlich diesem Projekt war “Melodies for Refugees”, ein vom österreichischen Musiker Bernhard Eder initiiertes Event mit einer gleichnamigen Benefiz-CD – der Erlös ging an die Hilfsaktion “Helfen wie wir” von ORF und NGOs. Unterstützt wurde das Event und das Album durch MusikerInnen wie DAWA, Kreisky, Leyya und Fijuka.

Solidarische Abenteuer organisiert gleich mehrere Musikprojekte für Flüchtlinge – vor allem in Libanesischen Flüchtlingslagern in Oberösterreich. So gibt es etwa die Musiktherapie Primamateria für Kinder, einen Konzertauftritt vom libanesischen Dirigenten Barkev Taslakian, Musikunterricht und NAI1 Konzerte mit national und international anerkannten KünstlerInnen. Ziel und Zweck ist es, den Menschen durch Musik etwas Positives mitzugeben, Kriegstraumata zu überwinden und eine Kommunikation zwischen Menschen durch Musik zu ermöglichen.

“Musik und Flüchtlinge” ist ein Projekt des Instituts Ludwig van Beethoven an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, welches Musikunterricht für Flüchtlinge anbietet und in Zusammenarbeit mit dem Integrationshaus Wien diverse Ideen geboren hat.

Raoul Haspel schrieb den Song „Schweigeminute Traiskirchen“, der aus 60 Sekunden Stille besteht und ein Protest gegen das Versagen der österreichischen Flüchtlingspolitik, vor allem bezüglich „Traiskirchen“, ist. Der Erlös durch den Verkauf des Songs auf iTunes und Amazon kommt der Initiative “Happy. Thank You. More Please!!!”, welche Flüchtlinge im Lager von Traiskirchen hilft, zugute. Auch Thomas Stipsits kreierte ein Lied mit dem Ziel und Zweck Flüchtlingen zu helfen – „Flüchtling“ gibt es auf iTunes und Amazon als Download, der Erlös geht an das Integrationshaus Wien.

Dreaded Downfall wendet sich mit ihrer Aktion Merchsammlung für Traiskirchen an Bands, die alte Merch-Artikel herumliegen haben und diese für Traiskirchen bereitstellen können. Das Projekt Asylrock stellt für Jugendliche aus dem Flüchtlingscamp Erdberg wöchentlich ein Musikprogramm zusammen, welches im Jugendzentrum come2gether aufgeführt wird.

“Wir zeigen Gesicht” ist ein Musikprojekt des Chors und Orchesters der Universität Wien, die mit dem Lied „Don’t turn away from me“ nicht nur klar Stellung nehmen, sondern auch Spenden für die Bildung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sammeln. Verbreitet haben sie den Song über diverse Internetplattformen, unter dem Video zum Lied findet man einen Spende-Button. Initiiert wurde das Projekt vom indisch-österreichischen Dirigenten und Komponisten Vijay Upadhyaya, der auch den Text und die Musik für das Werk geschrieben hat. Der Chor und das Orchester bestehen aus 250 StudentInnen der Universität Wien. In Vorarlberg initiierte der Verein Aktion MitArbeit im Rahmen des Projekts „Heimatabend oder wie fremd heimisch wird“ den Kontaktchor: ein wöchentlich stattfindendes freies Singen mit Flüchtlingen in der Küche des „Schulbrüderheims“,  des Männerwohnheims für Flüchtlinge in Feldkirch. Die musikalische Leitung übernahm Mag. Ulrich Gabriel. Das Projekt dient zur Kommunikation und Kontaktaufnahme zwischen den Neuankömmlingen und Einheimischen – mit Hilfe von gemeinsamen „Singen und Musizieren“ (u. a. auch öffentliche Auftritte) sollen die Flüchtlinge in die Gemeinde eingebunden und aufgenommen werden. Weitere Infos findet man über die von Mag. Ulrich Gabriel erstellte Website heimatshuttle.at, auf der auch andere Projekte – u. a. auch Musikprojekte wie “Heimat.Melodie” vorgestellt werden.

Andere erwähnenswerte Projekte

Das SOS-Kinderdorf hat in Salzburg ein Clearing-House für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingerichtet, in dem diese betreut wohnen können, Deutschunterricht sowie medizinische Versorgung und sozialpädagogische Betreuung erhalten. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Behörden, damit den Jugendlichen auch juristischer Beistand bezüglich ihrer Aufenthaltserlaubnis gewährleistet werden kann.

Das Don Bosco Flüchlingswerk bietet, in Zusammenarbeit mit den SALESIANER DON BOSCOS, DON BOSCO SCHWESTERN und JUGEND EINE WELT, unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ein Zuhause, zudem Bildungsmöglichkeiten und psychische Unterstützung bei der Bewältigung von kriegsbedingten Traumata.

Das Flüchtlingsprojekt Ute Bock engagiert sich vor allem im Bereich Bildung und Deutschkenntnisse bei Flüchtlingen: kostenlose Deutschkurse und andere Bildungsprojekte helfen AsylwerberInnen, sich in Österreich zurechtzufinden. Außerdem bietet das Projekt Möglichkeiten einer Unterkunft, welche durch private Spenden finanziert werden.

Das Projekt Creative Fillip schaffte eine Kreativwerkstatt für AsylwerberInnen, in der  die Menschen mit unterschiedlichen Werkstoffen arbeiten und ihren Gedanken Ausdruck verschaffen können. Ziel und Zweck des Projekts ist es, den Menschen eine Auszeit von ihren Mühen zu geben, in dem sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Die Evangelische Diakonie bietet im Flüchtlingshaus Glasergasse in Wien minderjährigen Flüchtlingen 10 Musikworkshops an. Geleitet werden die von Habib Samandi (Percussion) und Harald Huber (Keyboard).

Weitere Initiativen und Projekte: http://www.asyl.at/adressen/initiativen.htm

Antonia Seierl

1 NAI ist die arabische Bezeichnung für Flöte, daher der gewählte Name für die Konzerte