Voodoo Jürgens (c) Wolfgang Bohusch

Nominiert für den ÖSTERREICHISCHEN MUSIKVIDEOPREIS 2017: „Heite grob ma Tote aus“ von VOODOO JÜRGENS

Ein ambitioniertes Musikvideo ist für die KünstlerInnen unserer Tage geringstenfalls so wichtig geworden wie das glitzernde Bühnenoutfit anno dazumal. An einer mannigfaltigen Auswahl wird es also nicht fehlen, wenn VIENNA SHORTS in Kooperation mit SCREENSESSIONS und POOLINALE im Rahmen des Musikvideo-Wettbewerbs heuer bereits zum fünften Mal nach – laut Eigendefinition – jene Clips sucht, welche sich „des Zusammenspiels von Bild­ und Musikebene bewusst sind, einen hohen Grad an Fantasie, oder eine große Freude am Experimentieren aufweisen und die imstande sind, uns zu faszinieren, zu berühren, oder neue Wege zu beschreiten.“ Unter der Programmleitung von Ann-Katrin Dorner wurden 13 Videos nominiert. Darunter auch „Heite grob ma Tote aus“ von VOODOO JÜRGENS.

Der Lieblings-Strizzi veröffentlichte Ende September 2016 sein Debütalbum „Ansa Woar“ (Lotterlabel), um nach gefühlten Sekunden ein einstimmiges Johlen der österreichischen Hörerschaft auszulösen und sowohl die Schnapsnasen im Beisl als auch die Matcha-Latte-SchlüferInnen aus 1040 zum Schmunzeln zu bringen.  Mit seiner Antithese zum Ambros/Prokopetz-Klassiker „Es lebe der Zentralfriedhof“ stürmte der gebürtige Tullner im Oktober 2016 die österreichische Hitparade und landete mit „Ansa Woar“ sogar auf Platz eins der amerikanophilen Ö3-Album-Charts. „Heite grob ma Tote aus“ ist als zweiter Track auf eben dieser Kassenschlager-Platte zu finden und reüssierte relativ rasch auch visuell.

„Und – wir – laufen“

Florian Senekowitsch ist der Lieblingsvideoregisseur von WANDA, drehte für Crack Ignaz „Grüne Dächer“ und zeichnet ebenfalls für den Voodoo-Jürgens-Aufruf zum Leichenschmaus in Super-8-Optik verantwortlich. Wir werden scheinbar zurück in die 70er-Jahre gebeamt, von einer freundlichen Urli in eine freundliche Urli-Wohnung gebeten, in der Voodoo adrett im Anzug auf dem Sofa sitzt. Es wird einem Journalisten die Hand geschüttelt, dem Kamera-Team kurz zugenickt, bevor sich das Mikrofon seinem Gesicht nähert und beinahe bedrohlich „Heit fohr ma mit da Geisterbauhn“ erschallt. Nach der zweiten Strophe verlassen wir gemeinsam mit dem Leichenausgräber das Etablissement – Cut – und befinden uns unter einer Brücke des Wienflusses bei Dunkelheit. Der Journalist darf mitkommen und erfreut sich an obskuren, mal mehr und mal weniger enthusiasmierten Nachtgestalten. Lässig schwingt Voodoo seinen Gehstock und singt – in für seine Verhältnisse ungewöhnlich klassischer Strophe-Refrain-Strophe-Struktur – von eigenen Erfahrungen. Denn Voodoo Jürgens arbeitete einst unter seinem bürgerlichen Namen David Öllerer als Gärtner am Matzleinsdorfer Friedhof.

Die Stimmung bleibt ausgelassen, der Wein fließt, die Schatten tanzen, erinnern an den „Dritten Mann“ und nur der Journalist scheint langsam die Nerven zu verlieren. Die Gesellschaft wird immer größer, immer mehr schließen sich dem Totentanz im Untergrund an, vereinzelt sogar Kinder, die ja eigentlich zu Hause gelassen werden sollten. Ein letztes Mal versucht es der Herr von der Presse, aber Voodoo stolziert lässig am Mikrofon vorbei, die Truppe löst sich auf und der einsame Techniker, der seinen Scheinwerfer in das Nichts richtet, bleibt zurück.

In einem Interview mit FM4 erklärt der Musiker, seine Nummern seien deswegen entstanden, weil er einen Haufen eigener Geschichten loswerden wollte. Stilistisch habe er Gefallen daran gefunden, Sachen zu reduzieren, sowohl beim Text als auch musikalisch. Sein Album funktioniere wie ein Setzkasten – wie viele kleine Erinnerungen, die aber auf möglichst unüberlagerte Weise zur Geltung kommen sollen. Und vermutlich ist ebendies sein Erfolgsrezept: nämlich keines zu haben. Voodoo erzählt von selbst erlebten Begebenheiten, nimmt uns auf äußerst humorvolle Weise – besonders in puncto Videos – mit in seine oder zumindest eine Welt. Wer stattdessen lieber auf dem Parkbankerl sitzen bleibt und dort die Vogerln füttern will, muss ja nicht.

Julia Philomena

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