Konzerthaus-Intendant Bernhard Kerres kündigt neue Programmakzente an

Den Aufbau einer eigenständigen Jugendarbeit, ein neues Festival zur Präsentation verschiedener Kulturkreise und ein neues Bespielungskonzept für den Neuen Saal in Sachen “verstärkter Präsenz” der zeitgenössischen Musik im Angebot des Wiener Konzerthauses ab der Saison 2008/09 (mit einem Probelauf schon im Frühjahr): das alles kündigte der neue Intendant am Donnerstag in einer Pressekonferenz an.

 
Abgesehen von der bestehenden Zusammenarbeit mit der Jeunesse (drei Kinder- und Jugendzyklen) hat Bernhard Kerres eine eigene Stelle für Jugendarbeit ins Leben gerufen, wobei der Schwerpunkt auf Angeboten liegen soll, die eigenes Musizieren initiieren sollen. Als erstes Zeichen gibt es – gemeinsam mit der Singakademie – am 22. Dezember im Mozartsaal ein Publikumssingen mit Advent- und Weihnachtsliedern (“Sing Along Weihnachten”), das nicht nur zu Weihnachten zur Tradition werden soll. Noch in der Entwicklungsphase befinde sich ein zweijähriges, von Musikern und Musikpädagogen begleitetes Projekt mit Schülern Wiener Schulen, die eine Suite zu den vier Elementen komponieren und aufführen sollen. Die Jugendprojekte stehen unter der Schirmherrschaft der UNESCO.Ab Herbst 2008 soll es jeweils zu Saisonbeginn ein einem bestimmten Kulturkreis gewidmetes Festival über zwei, drei Tage geben. Den Anfang macht die jüdische Kultur, gefolgt 2009 von einem Festival mit “türkischer”. Von Klassik über Jazz, Pop, World soll da im Querschnitt alles vertreten sein.

Neue Musik: Auf Wiederhören
Als sein Anliegen bezeichnete Kerres die Weiterführung und den Ausbau der Pflege des zeitgenössischen Musikschaffens. Bereits im Frühjahr 2008 soll ein viertägiges “Special” einen Vorgeschmack darauf liefern, was ab der nächsten Saison dann regelmäßig und über das ganze Jahr verteilt im Neuen Saal laufen wird, der an Wochenenden zur angesagten “Location” vor allem für 16-35jährige werden soll. Ein neues Bespielungskonzept, gespeist “aus der reichhaltigen Szene vor Ort”, das mehrere musikalische Schienen beinhalten wird, wird versprochen. Es soll von zeitgenössischer Musik über Pop, Jazz und World bis zu Literatur, Musikfilmen und Teilen der Jugendprojekte reichen. “Experimentellere, freie Projekte” sollen hier ihren Platz finden. Wir sind schon sehr neugierig.

Ab Frühjahr 2009 wird das Festival “Auf Wiederhören” präsentiert. Hier sollen Werke wiederzuhören sein, die in den vergangenen eineinhalb Jahren uraufgeführt wurden. “Diese Aufführungen sollen aufgezeichnet werden und rasch über die verschiedensten Medien erhältlich sein. Der Wunsch ist es, zu ermöglichen, dass interessante neue Werke eine raschere Verbreitung finden, als es der Musikbetrieb bisher zulässt” (Pressetext des Konzerthauses).

 
Dem Komponisten HK Gruber gilt in der Saison 2008/09 ein besonderer Schwerpunkt, er wird eigene als auch Werke seiner Wegbereiter und -begleiter präsentieren.

Nicht unerwähnt blieb in der Diskussion über die programmatischen Ansagen des neuen Intendanten der Umstand, dass drei Mitarbeiter des bisherigen Teams ihren Abschied genommen haben. Einer von ihnen ist der bisher für den Schwerpunkt zeitgenössische Musik zuständige Dramaturg Thomas Schäfer, der noch bis Ende Dezember im Konzerthaus verbleibt, dann allerdings weiter als einer der beiden Wien Modern-Kuratoren weiterarbeiten wird (hr).

Fotos: Wiener Konzerthaus
Foto HK Gruber: Christian Heindl, Mit freundlicher Genehmigung von Doblinger Musikverlag