Klangforum Wien: Präsentation des Saisonprogrammes 2008/09

“In den ersten Jahren des vergangenen Jahrhunderts verließen Hochmütige den einzig wahren Glauben, jenen an Dur und Moll. Seit diesem originären Sündenfall wird in der Musik alles falsch gemacht, was sich überhaupt falsch machen lässt. Sie strotzt von hochfahrendem Selbstbewusstsein, ist immer zu laut und zu lärmig oder zu leise und fast unhörbar, ihre Partituren sind erschreckend karg oder verstörend opulent, ihr Gestus ist geprägt von kleinmütiger Niedergeschlagenheit oder von prunksüchtigem Luxus.”

Die Sieben Todsünden der Neuen Musik

 

So heißt es im einleitenden Text zum Programmfolder des neuen Abo-Saisonprogrammes von acht Konzerten im Wiener Konzerthaus, zu dessen erstem (mit Musik von Arnold Schönberg bis zur Ur- und Erstaufführungen von Werken von Nicolaus Huber, Rolf Riehm und Beat Furrer) das Klangforum bereits  am 3.Oktober in den Mozartsaal einlädt um den Beweis für diese These zu erbringen. Wer sich also  über diesen anhaltenden “Hochmut” überzeugen will und weiter mitreden will, der muss sich dieses Abo unbedingt rasch buchen. Vorsicht: Der “Run” ist bereits groß, zumal sich das Klangforum Wien auch listig im achten von sieben eigenen Konzerten das ehrwürdige Ensemble “die reihe” auftreten lässt, um anlässlich von dessen fünfzigjährigen Jubiläum dessen Absolution von allen Vorwürfen zu erlangen. Und das, nachdem das vorgeblich partizipativ und demokratisch geführte Ensemble auch noch vor kurzem einen Fair Music Award (siehe unseren Bericht vom 4.9.) “of Distinction” (wie sich diese feinen Pinkel und Mädels und ihr obergescheiter Chef nun nennen dürfen) in Eisenstadt ergattert hat. Mit Mithilfe von diesem mica – eh klar. Na wartets nur alle auf nach die NR-Wahl!

 

Bei der Präsentation ging’s unverfroren mit Selbstlob weiter, wo von Sven Hartberger beiläufig erwähnt wurde, dass das Klangforum Wien heuer auch einmal auf dem Schlosspark Eybesfels (das liegt irgendwo in der Steiermark) auftreten wird, um dort gemeinsam mit der Blaskapelle Lang ein Stück von  Peter Jakober aufzuführen. Und in Feldkirch, Innsbruck und so weiter, es wird auch behauptet, in Linz (na, das werden wir ja erst sehen), Salzburg, Wien und Graz, sogar in Mürzzuschlag (!) wollen sie ihre “Volksaufklärung” betreiben.

 

Sonst fahren Sie halt auch immer wieder ins feindliche Ausland, diese Stolzen: Von Berlin, Bozen, Brüssel bis Sevilla und Venedig. Und wo ist da das A oder das Z ?
Naja, bei den geplanten Uraufführungen von Aperghis bis zu einem gewissen Djuro Zivkovic (so ein serbischer Kyrille, obwohl es gar keine Einladung nach Belgrad gibt).

 

Der von der Erste Bank gesponserte Kompositionsauftrag geht zumindest meist an Österreicher, sattsam bekannte auch noch – 2007 an Klaus Lang und 2009 auch an ihn, diesmal als Bernhard (!) Lang getarnt. Zuvor, schon 2008 – wieder mal zur Exkulpation – an Gösta Neuwirth. Letzterer hat übrigens dieses bereits erwähnte “gekochte Vergessen” unter dem noch dazu unaussprechlich fremdländischen Titel “L’oubli bouilli” fabriziert, das am 8.11. uraufgeführt wird (man traut sich das aber eh nicht im Zyklus, sondern bei diesem Festival “Wien modern” und in Jöss und noch einmal auch noch wo, das wird gemacht, um der Auflage der dreimaligen Aufführung Genüge getan zu tun und damit  das Label KAIROS mit der CD-Aufnahme zusammenkommt, falls das Klangforum beim ersten Mal so schlampert spielt – wie ja meist).

 

Montezuma 2009 in Linz?

 

Genug der Tiraden. Ein von Hartberger so respektlos titulierter “Herr Heller” in Linz fand immerhin den Mut (er ist ja nicht der erste von beherzten Festival-  oder Opernleitern, die diesen unnötigen und aufwendigen und teuren Prestigeprojekten der so genannten “Neuen Musik” nicht einfach servil zustimmen), an der bereits erfolgten Absage der Produktion von Bernhard (!) Langs Oper “Montezuma -fallender Adler” offenbar weiter festzuhalten, obwohl das Klangforum diesen Sommer die Produktion unter den angeblich von Linz 2009 öffentlich bekannt gegebenen Konditionen durchzuführen angeboten hat

 

Das unverfrorene E-mail am 25.August 2008 des Herrn Hartberger an Herrn Heller (vom 25. August 2008), dessen sich das mica exklusiv versichern konnte (wie, wird hier nicht verraten), wollen wir nicht unterschlagen und geben es am Ende unseres Aufsatzes kommentarlos (nur für kritische und aufmerksame mica-Musiknachrichten-Leserinnen und -leser) weiter:

 

Lieber Herr Heller,

 

bei unserem heutigen Telefonat über “Grundsätzlichkeiten” ist es leider hauptsächlich um die gegenseitigen Gründe gekränkt und beleidigt zu sein gegangen (Anm: eine seltene Einsicht des Hartberger!). Ich akzeptiere (holla!), dass Sie Ihre Gründe dafür haben (der Pharisäer!), bitte akzeptieren Sie, dass ich auch meine habe. Es schiene mir klug und angemessen, wenn wir es dabei bewenden lassen und uns energisch und schnell der Aufgabe zuwenden, um die es geht, nämlich um die Vorbereitung der Uraufführung von Bernard Langs Oper am 8.Juli 2009 in Linz.

 

In Hinblick auf die kurze Zeit, die uns bis zu diesem Termin noch bleibt, fände ich es richtig, wenn unser Gespräch spätestens in der zweiten September-Woche nach ihren Konsultationen mit Herrn Androsch und Herrn Lang stattfinden könnte. Im Gegensatz zu Ihnen finde ich den Termin, den unsere Anwälte der LIVA setzen mussten, für die Produktionen von Montezuma vollkommen bedeutungslos. Der juristische Aspekt der Angelegenheit interessiert uns alle, nämlich die engagierten KünstlerInnen, überhaupt nicht. Das ist Sache der Anwälte. Uns geht es um die angekündigte Produktion des neuen Werkes, die auch realisiert werden soll.
Mit freundlichem Gruß
Sven Hartberger  

 

Mehr könne das Klangforum nicht tun, versicherte Hartberger, der auch die Sache weniger juristisch als “moralisch” als Problem kommentierte (hr).

 

Klangforum Wien © Claudia Prieler
Gösta Neuwirth © avomo
Bernhard Lang © Gerline Hipfl