Vorsicht! 10 x Fitze Fatze im Rhiz (Teil 6)

Zum zehnjährigen Bestehen des bei vielen WienerInnen sehr beliebten und daher auch stark frequentierten Gürtellokals Rhiz warten die lokalen Artrock-Freigeister Bulbul mit einem besonderen Geschenk auf. Über das ganze Jahr verteilt, lädt die Band zu zahlreichen Konzertabenden, bei denen sie gemeinsam mit unterschiedlichen GastmusikerInnen auftreten und deren Musik in neuer Form interpretieren. Im sechsten Durchgang am 16. September geht es einmal mehr recht heftig zur Sache. Zu Gast: Tumido.

Bulbul waren schon immer unbeirrbare Querdenker. Mit seiner Mischung aus Experimentierfreude, Raserei, Groove und Härte zählt das Trio ohne Zweifel zu den interessantesten Vertretern der österreichischen Underground-Rockszene. Schon seit ihrer Gründung im Jahre 1997 war die Truppe für ihren nur schwer kategorisierbaren Stil bekannt. Anfangs von Mastermind Manfred “Fredl” Engelmayr noch als Soloprojekt angedacht, führte eine gewisse Eigendynamik zu einer musikalischen Entwicklung, an deren Ende schließlich ein stabiles Bandgefüge stand. Schon immer war die illustre Formation offen für alles, was auch nur im Entferntesten interessant zu klingen schien. Gerade dieser Aspekt macht die Sache auch so spannend. Die Einflüsse sind so breit gesät, dass sich das erstmalige Durchhören der Tracks als eine wahre Entdeckungsreise entpuppt. So kombinieren Bulbul rotzigste Melvins-Gitarrenläufe mit scheppernder Elektronik zu einem grandiosen Noise-Erlebnis, welches in dieser Form recht selten anzutreffen ist. Auf den Punkt gebracht, spielen Bulbul schlicht und einfach laute Rockmusik, die mit elektronischen Versatzstücken ganz ohne Scheuklappen so richtig schräg daherkommt. Zu hören auf dem in diesem Jahr erschienenen Album “Bulbul 6”.

 

Mit der Band Tumido verbindet Bulbul bereits eine langjährige Freundschaft. Hinter Tumido stehen die beiden viel beschäftigten Musiker Gigi Gratt und Bernhard Breuer, die in der Vergangenheit schon in den unterschiedlichsten musikalischen Bereichen, wie etwa Jazz, Rock, HipHop oder freier Improvisation tätig waren. Genau aus diesem breiten klanglichen Fundus schöpfen die Künstler ihre Einflüsse, welche sie in ihre ganz eigene, sehr facettenreiche und immens vielfältige Musik übersetzen. Ausgangspunkt und Grundlage des musikalischen Konzepts der beiden Ausnahmemusiker sind fixe Grooves und Rhythmen, von denen aus sie in freier Improvisation ihre akustische Reise beginnen. Dabei wechseln sich wunderbar aufgebaute Spannungsbögen mit heftigen Klangexperimenten ab, wodurch eine wilde Mischung aus technoidem Industrial-Brettern, Punk, rockenden Sounds und einer gehörigen Portion Melancholie entsteht.

Das Publikum kann durchaus gespannt darauf sein, wie und in welcher Form Bulbul an die Stücke von Tumido herangehen, diese verfremden und in einem neuen Licht erstrahlen lassen werden. Eines kann aber mit Sicherheit voraussagen, leise wird es nicht werden.(mt)

 

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