King Electric – King Electric

Als King Electric sind Chris Isepp und Peter Hartwig ein Urgestein der österreichischen 1990er Techno-Szene. Nach einigen Jahren der Zusammenarbeit ernteten sie 2003 für ihre erste Single „Summerbreeze“ viel Lob von den Kritikern. Sie veröffentlichten weitere Singles und Remixes, doch auf einen Longplayer mussten die Fans lange warten. Nun präsentieren sie ihr Debüt „King Electric“, das der Inbegriff von Stilwechsel ist.

Ihre erfolgreichen Singles „Da King“ und „Summerbreeze“ waren perfekt für den Club und aufs Tanzen ausgelegt, obwohl ihr Sound nicht den bekannten Party-Trends zum Opfer fiel. „Da King“ stach nicht nur mit dem flackernden Beat und den desorientierten Vocals heraus. Auch das Video mit zwei Clowns in der Hauptrolle wurde im Rahmen der Diagonale 2010 gezeigt.

Das Cover des aktuellen Albums greift diese Zirkus-hafte Ästhetik wieder auf, aber die Musik geht in eine ganz andere Richtung. Nun stehen groovige Disco-Tunes mit Schlafzimmer-Stimmen im Vordergrund. Aufgepeppt wird das ganze durch Filmanspielungen, was ebenso einen Funken Nostalgie beisteuert. Die analogen Synthies, Streicher und Samples liefern die Basis für einen Soundtrack, der nicht die Tanzszenen eines Films beschreiben soll, sondern das Nachtleben an sich. Dabei klingt King Electric ein wenig wie Crystal Fighters, was vielleicht daran liegt, dass die zwei Wiener schon länger in Barcelona leben und die spanische Mentalität in sich aufsaugen können.

„Out of Reach“ ist die neueste Single des Duos und veranschaulicht besonders gut ihren aktuellen Stil. Funk, gewürzt mit ein wenig absichtlicher Verwirrung trifft auf ein psychedelisches Thema. Die Stimmen scheinen durch einen Echo-Effekt über dem Song zu schweben. Die Gitarre steigert sich immer wieder von Unterstützerin zu sexy Protagonistin. Und hinter allem scheppert ein gut gelauntes Schlagzeug vor sich hin. Wären die warmen Monate nicht schon vorbei, könnte es ein Sommergeheimtipp werden. Zu Punsch und Lebkuchen lässt sich die Musik von King Electric aber auch genießen, vor allem, weil man dabei besonders gut von wärmeren Gefilden träumen kann.

Anne-Marie Darok

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