FREISCHWIMMA präsentieren ihre brandneue EP „Brachoida“

Wie die Faust aufs Aug im positiven Sinn schlägt die Band FREISCHWIMMA mit neuen Veröffentlichungen nicht nur in Wien und niederösterreichischer Umgebung auf. In „Brachoida“ packen die jungen Künstler Herzensthemen von Friedhofs-Dislikes bis Statements für die Emotion in „bibi“ gespielten Rock.

Florian Kargl (Leadvoc, E-Gitarre) versammelt nicht nur in Vollmondnächten Alexander Würrer (Bass), Stefan Haslinger (Hammond-Orgel), Alexander Lausch (E-Gitarre) und Matthias Ledwinka (Drums) zum gemeinsamen Musikschaffen um sich. Mit der am 19. März 2015 im Davis aus der Taufe zu hebenden „Extended Play“ versucht Texter Kargl (und bei einer Nummer auch Alexander Lausch), sich und seinesgleichen nach dem Motto „Wie’s Herrl, so s‘Gschra“ sprachlich treu zu bleiben und die Lyrics so zu gestalten, wie der Schnabel gewachsen ist, ergo mundartig .

Was einen etwa auf den Zentralfriedhöfen am Ruck‘n liegend im Waldviertel erwarten könnte, ist anscheinend alles andere als die ewige Ruhe. Das Quintett bringt es mit knappen, beunruhigenden Worten in „Brachoida“, namensgebender Titel auf der neuen EP, auf den Punkt. Mit der darin beschriebenen Aussicht auf ewiges nervtötendes Katzengeilheitsgejammer wird einem jede Lust auf Suizid sofort ausgetrieben und mancher Grabpflegerin, die noch zu später Stunde Unkraut rupft, spricht man förmlich aus der Seele damit.

„Fian Wind“ hingegen müsste eigentlich ein Song über die Hauptstadt Österreichs sein, die Stadt, für die noch kein Haarspray entwickelt wurde, der hält, ist aber eher ein „Fia de Hoar“ übersetzt in ländliche Umgangssprache: Für entbehrlich hält die Band nämlich jedwedes „Hädiwari“ im Leben oder langfristige halbherzige Entscheidungen und Tätigkeiten überhaupt. Recht haben sie, die jungen Herrn, würde ich meinen.

„Wia da Bauer, so s’Gsindl“

Der baumreichste und unendlichste Flecken Niederösterreichs bietet nicht nur tiefe dunkle Wälder, in denen man sich bei einer Überdosis Natur besonders empfänglich für Spiritualität fühlen muss. Das Empfinden weiterspinnend wird er zur Inspiration oben genannter Musiker, über Bauernweisheiten und schwarze Magie nachzusinnen und ihre Gedanken zu vertonen. Zwischen den Zeilen kann man so etwas wie ein Liebesgeständnis an die heimatliche, von Öffis vergessene Gegend interpretieren und mit viel dieser Liebe sieht man „Schwoaze Magie“ plötzlich positiv: Die Unfarbe Schwarz macht bekanntlich schlank.

Was Birnenkompott mit Jazzsängerinnen gemeinsam hat

Unterm-Obstbaum-sitzen-Nostalgie in der Ballade „Klans Bankal aus Hoiz“ entlockt einem ein nachvollziehbares Lächeln und Erinnerungen an früher, wo alles besser war, oder auch nicht, und „At Last“, but not least findet sich auf dem Tonträger sogar ein mystischer Hauch „Etta James“, zumindest im Sinne einer „Es woa doch nu goa ned so spät…“-Romantik, wenn der Protagonist übers Verliebtsein singt. „Bam oida“, dieses Minialbum schlägt klein, aber fein ein wenig in die Kerbe der großen Ausseer Hardbradler (Gott hab sie selig, also als Band, meine ich) in einer sehr schönen individuellen Ausprägung und bestätigt wieder einmal, dass Integrität das beste Rezept ist, besonders in der Kunst.

Alexandra Leitner