
Jörg Grubmüller (Gesang), Florian Brandstetter (Schlagzeug), Hannes Engl (Bass), Max Hauer (Gitarre, Klavier) und Clemens Meißl (Gitarre) haben jede Menge zu sagen, und das sehr laut. Dies tun sie auf ihrem vor wenigen Tagen in Linz veröffentlichten vierten Tonträger durch beißende Gitarrensounds, fettes Schlagzeug und in Mikros kanalisierten aufmüpfigen Zorn. Dabei handelt es sich um wohl gewählte Worte von Protestsongcontest-tauglichem, auch innerem Widerstand – und zugleich nimmt man sich wunderbar irritierend selbst auf die Schaufel.
Fettnäpfchen riskierend behaupte ich frech, dass es sich hier um Frischluftpunk handelt, wenngleich die Band zynisch scherzt bezüglich des Überbewertens von Genrekategorisierungen (siehe Track „Keine Musik“) und selbstüberschätzender Wertungen, die nicht mehr und nicht weniger als solche sind.
„Immer dieses Aungaschmo, wer braucht des scho?“
Mit unter anderem dieser provokanten Ansage aus dem Song „Wos geht?“ wird eine Lebenshaltung der Reduktion auf die Minimalfunktion beschrieben, „Lari Fari“ hingegen überzeichnet das hierzulande gepflegte „Hätte ich, wäre ich“, als ginge es darum, die „Anleitung zum Unglücklichsein“ in ein kleines Lied zu packen.
„Frischluft is fesch“ gibt es auch als Video und erweist sich als gelungene Hymne an den Sauerstoff. Sie spricht aus, was viele im Clubzwang der Gesellschaft nur zu denken wagen. Die sogenannte „Jugend von heute“ kann so reflektiert sein, dass sie die Nase von zu viel oxidiertem Schweiß und Kohlendioxid voll hat, selbst wenn die Schöpfungen von denselben Musikerinnen und Musikern nur Schall und Rauch sind.

„Denk amoi noch, wer si do Akademiker nennt!“
Einen besonderen musikalischen Leckerbissen stellt das Schlusslicht der Disc dar. Nicht nur GeburtswienerInnen, denen der Verdacht der Betriebsblindheit anheften mag, wissen um die Kunst der Hassliebe, die es bezüglich ihrer Heimatstadt Wien zu beherrschen gilt. Zwischen Baustellenwahnsinn und Ringdemonstrationen, historischer Innenstadt, Newsflash, Schmäh mit und ohne alles und U-Bahn-Systemdekadenz gesteht der echte „Zuagroaste“: „Du bist eh anders, aber mir is trotzdem schlecht“ und betont dabei, dass „alle anders sind“. „Eh“. Was für ein schönes Schlusswort!
Besagtes frequenzen- und inhaltsschwangere Stück „Kokolores“ überzeugt nicht nur durch professionelles Instrumentenspiel und fachmännische Arrangements, es zeichnet sich durch den Mut zu Stellungnahmen aus, vorbei an ausgelutschten Themen. Die Geburt dieses Aufschreis auf Tonträger gilt es demnächst auch im Wiener Loop (31.10.) zu feiern.
Alexandra Leitner
Foto Fotzhobl (c) Jürgen Grünwald
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