„So etwas geht ja nie ganz ohne Reibereien, gerade wenn man ein Vater-Sohn-Gespann ist“ – WORRIED MAN & WORRIED BOY im mica-Interview

HERBERT JANATA hat 54 Jahre lang die WORRIED MEN SKIFFLE GROUP betrieben, im August 2014 gab die Band ihr Abschiedskonzert. Wenige Monate später veröffentlichte er gemeinsam mit seinem Sohn, JA-PANIK-Schlagzeuger SEBASTIAN JANATA, als WORRIED MAN & WORRIED BOY eine CD mit dem Liedgut der SKIFFLE GROUP. Im mica-Interview mit Jürgen Plank erzählten die beiden, wie die Zusammenarbeit verlaufen war und wieso DER NINO AUS WIEN bei einem Lied mitgesungen hatte.

Was schätzen Sie an Ihrem Bandkollegen, der im Fall von Worried Man & Worried Boy auch Ihr Sohn ist?

Herbert Janata: Erstens ist er ein ausgebildeter Musiker und beherrscht sein Instrument wunderbar. Das habe ich bis heute nicht geschafft, aber er führt mich ein Stückchen weiter. Vor allem schätze ich an ihm, dass er neuen Schwung in meine alten Lieder hineinbringt. Wir haben von Anfang an ausgemacht, dass die Ideen für die Richtung, die wir einschlagen, vor allem von ihm kommen.

Was schätzen Sie an Ihrem Vater als Musiker?

Sebastian Janata: Ich finde, er ist ein sehr guter Sänger und besitzt Entertainer-Fähigkeiten – die beherrsche ich noch nicht so wie er. Wie er eine Show leiten kann, ohne dass es blöd wirkt, finde ich beeindruckend, denn das ist eine der schwierigsten Sachen.

Wie war die Zusammenarbeit?

Sebastian Janata: Wir haben begonnen im Ja-Panik-Proberaum in Berlin Demos aufzunehmen und die Vorproduktion zu machen, dadurch habe ich die Leitung der Produktion übernommen. Mein Vater hat da das Ruder gerne abgegeben. Auch bei den Aufnahmen in der Cselley-Mühle habe ich versucht, den Überblick über die Arrangements und den Aufnahmeplan zu behalten. So etwas geht ja nie ganz ohne Reibereien, gerade wenn man ein Vater-Sohn-Gespann ist. Aber es war eine sehr lockere, angenehme Atmosphäre im Studio.

Herbert Janata: Ich war im Vorjahr zweimal für je eine Woche in Berlin, wir haben überlegt, welche Nummern wir nehmen. Dann habe ich meine Spuren eingespielt und Sebastian ist wochenlang im Studio gesessen und hat daran gearbeitet. Er spielt bei unserem Projekt nicht nur Schlagzeug, sondern auch Gitarre, Bass und sogar Klavier. So sind wir mit einem fertigen Konzept in die Cselley-Mühle gefahren.

Wie war es, diese Kontrolle über die eigenen Lieder abzugeben?

Herbert Janata: Ich habe 54 Jahre lang bei der Worried Men Skiffle Group diese Funktion innegehabt. Das neue Projekt sollte eben etwas ganz Neues werden. Dass er das so straff in die Hand nimmt und auch noch versucht, aus mir einen Musiker zu machen, das war nicht abzusehen. Aber ich nehme das dankbar an.

Wie gefällt den Kollegen von Ja, Panik das Album von Worried Man & Worried Boy?

Sebastian Janata: Ich glaube, gut. Sie fanden die Lieder der Worried Men Skiffle Group schon immer gut, wie sie mir gesagt haben. Einer meiner drei Mitstreiter, Bassist Stefan Pabst, hat bei einigen Liedern auf der CD Schlagzeug gespielt. Und als wir beim Popfest aufgetreten sind, hat er auch live mitgespielt.

„Es taucht immer wieder die Frage auf, wann wir endlich mal nach Dresden oder Hamburg kommen.“

Wie waren die Reaktionen auf das „Worried Man & Worried Boy“-Album in Deutschland?

Sebastian Janata: Es gab einiges in der Presse, das hat gut funktioniert. Wir haben erst einmal in Deutschland gespielt, in München. Und München ist eine Zwischenstufe zwischen Deutschland und Österreich. Es taucht immer wieder die Frage auf, wann wir endlich mal nach Dresden oder Hamburg kommen. Da muss man schauen, wie das funktioniert, wenn die Leute nur die Hälfte der Texte verstehen. Ich glaube, das kann schon funktionieren.

War die Worried Men Skiffle Group früher auch live in Deutschland zu sehen?

Herbert Janata: Ja, einige Male, wir haben etwa in der Akademie der Künste in Berlin ein Gastspiel mit Andreas Okopenko gehabt. Im Rundfunk und Fernsehen waren wir eine Zeit lang sogar sehr präsent. Unser Umweltlied „Da Mensch is a Sau“ ist in Deutschland über Jahre hinweg in Umweltsendungen gelaufen. Wir haben also recht gute Kontakte nach Deutschland gehabt.

Haben Sie auch Texte von Andreas Okopenko vertont?

Herbert Janata: Wir haben zwei LPs veröffentlicht und auf unserer zweiten Langspielplatte „Teppenförderung“ ist die Hälfte der Texte von Andreas Okopenko. Wir haben uns sehr gut verstanden und haben uns zusammengetan. Er hat uns ein Buch von sich gegeben und da waren einige lustige Texte enthalten, die wir vertont haben.

Beim Lied „Der schönste Mann von Wien“ ist auf Ihrer CD Der Nino aus Wien als Sänger dabei. Wie hat sich das ergeben?

Sebastian Janata: Ich habe die Ehre, den Nino schon einige Zeit zu kennen, und wir haben uns immer recht gut verstanden. Als er gehört hat, dass wir das neue Projekt machen, hat er sich gefreut und als Fan der Worried Men Skiffle Group geoutet und erzählt, dass er „Der schönste Mann von Wien“ bereits gecovert hat. So war das natürlich perfekt und das Lied ist mit seiner Stimme ein Volltreffer.

Haben Sie das Lied „Der schönste Mann von Wien“ anders bearbeitet als die restlichen Stücke? Es klingt, als wäre es ein wenig anders produziert worden.

Sebastian Janata: Dieses Lied ist spärlicher arrangiert, aber ich habe nicht mehr eingegriffen als bei den anderen Liedern. Ich glaube, der größte Faktor ist die Stimme vom Nino aus Wien, die über diesem Lied liegt und dem Song auf musikalisch-magische Weise eine andere Färbung gibt. Und bei diesem Lied spielt Stefan Pabst Schlagzeug.

Sind Sie mit der Musik des Vaters sozialisiert worden oder mit ganz anderer Musik?

Sebastian Janata: Ich kann mich an Szenen aus meiner Kindheit erinnern, in denen ich auf Konzerten der Worried Men Skiffle Group war. Da ist der Funke gezündet worden, auch auf der Bühne stehen zu wollen. Ich habe aber nicht in erster Linie die Musik wahrgenommen und mir gedacht, dass mal Musik machen möchte. Die Musik als Medium habe ich im Alter von ungefähr zwölf Jahren entdeckt. Bis dahin habe ich die Platten meines Vaters gehört, viele Beatles-Platten, die gefallen einem ja als Kind recht schnell. Aber auch Dixieland oder schwerer Verdauliches wie Kris Kristofferson. Und dann ist es eh schon mit Nu Metal losgegangen.

„Für mich war der Auftritt im Gasometer unheimlich beeindruckend, das war eines unser allerersten Konzerte und ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich dort auf der Bühne stehe.“

Wie waren die bisherigen Live-Erfahrungen als Worried Man & Worried Boy?

Herbert Janata: Für mich war der Auftritt im Gasometer unheimlich beeindruckend, das war eines unser allerersten Konzerte und ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich dort auf der Bühne stehe. Der Konzertabend war auf Wanda zugeschnitten und es waren 4.000 Besucherinnen und Besucher da. Erwachsene waren auch dabei, aber sehr viele junge Leute und die haben die Worried-Men-Texte mitgesungen und haben die zum Teil besser gekonnt als ich selbst. Das war ein faszinierendes Erlebnis für mich.

Wie wird es weitergehen?

Sebastian Janata: Das nächste Ziel ist eine neue Veröffentlichung – Single, LP oder Album. Und viele Konzerte spielen. Nach der schönen Konzerterfahrung in Mödling mit der Nino-aus-Wien-Band wäre es lustig, eine Art kleinen Wanderzirkus zu machen und mit drei, vier Bands gemeinsam zu touren, wie das Metal-Bands auch machen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Jürgen Plank

Worried Man & Worried Boy live: Samstag 14. November 2015, Oberwart


Fotos Worried Man & Worried Boys (c) Jürgen Plank

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