Die Sängerin NANA FALKNER hat schon viel erlebt: sie hat als U-Bahn-Star Erfahrung als Straßenmusikerin in Wien gesammelt und bei „The Voice Of Germany“ teilgenommen. Jürgen Plank hat mit ihr über das demnächst erscheinende erste Album und die darauf verhandelten Themen gesprochen. „Selbstgespräche“ versammelt akustische Lieder genauso wie ausproduzierte Pop-Songs. Im Interview geht es auch um FALCO und DAVID BOWIE und NANA FALKNER berichtet von Tipps, die sie von TOM und BILL KAULITZ, ihren Coaches bei „The Voice Of Germany“, bekommen hat.
Im Februar 2026 erscheint dein Debüt-Album „Selbstgespräche“. Welche Hürden waren bei der Produktion zu nehmen bzw. was hat gut geklappt?
Nana Falkner: Einfach war auf jeden Fall der kreative Prozess, das war der schöne Teil. Ich habe aber extrem unterschätzt, was es heißt, ein Debüt-Album auf die Beine zu stellen. Die Frage war, wie wir die Finanzierung schaffen, wir haben dann ein Crowdfunding gemacht. Dazu ist dann die CD-Vervielfältigung und das Merchandising gekommen, Dinge, an die ich gar nicht gedacht habe. Ein Album zu machen, ist eben doch mehr, als die Lieder zu schreiben. Das Album war sehr viel mehr Arbeit als erwartet. Aber grundsätzlich war es ein cooler Prozess, bei dem ich viel gelernt habe. Und ich habe ein cooles Team hinter mir, dass mir sehr viel geholfen hat und auch die Release-Shows organisiert hat.

Du hast bereits als Straßenmusikerin im Rahmen der Aktion U-Bahn-Stars agiert und du hast bei „The Voice Of Germany“ teilgenommen. Zwei Gegenpole in der Musikwelt. Wie wichtig war für dich die Teilnahme bei „The Voice Of Germany“?
Nana Falkner: Das war ein richtiges Sprungbrett. Wenn man sich bei so einer Show bewirbt, denkt man sich: ich probiere es einfach. Es ist ein langer Prozess bis man in die blinds kommt. Und selbst wenn man es in die blind auditions schafft, ist es nicht sicher, ob man ausgestrahlt wird. Natürlich fragt man sich, was durch die Teilnahme passieren könnte. Für mich ist es gut ausgegangen, weil ich durch die Show mein Management bekommen habe. Ich habe mehr Reichweite bekommen, mehr Aufträge und mehr Auftritte. Dadurch habe ich weniger Straßenmusik gemacht, weil ich mehr Gage bei den Auftritten bekommen habe. Ich wäre ohne „Voice Of Germany“ nicht dort, wo ich jetzt bin.
Dein Album trägt den Titel „Selbstgespräche“, welche Idee steht dahinter?
Nana Falkner: „Selbstgespräche“ soll ein Konzeptalbum sein, das mit dem Lied „Willkommen im Licht“ beginnt. Den habe ich direkt nach „Voice Of Germany“ geschrieben als ich meinen ersten Krampfanfall hatte. Es ist so, dass ich ziemlich ehrgeizig bin. Ich habe damals zu allem ja gesagt, zu jedem Interview und zu jedem Auftritt. Damit ich mir nichts entgehen lasse und auf der Welle bleibe. Alles andere habe ich vernachlässigt, auch zu schlafen und zu essen. Irgendwann war ich nur mehr am Machen, Machen, Machen. Und dann hat es wirklich geknallt, weil ich einen Krampfanfall hatte und ich bin im Krankenhaus aufgewacht und habe nicht gewusst, was los war. Da bist du komplett ausgeknockt.
„ALS MUSIKERIN MUSS MAN SICH JA AUF SOCIAL MEDIA ZEIGEN, ABER DAS KANN AUCH TOXISCH SEIN“
Was war danach?
Nana Falkner: Ich habe mir gedacht: so kann es nicht weiter gehen, ich muss etwas verändern. Ich habe dann eine radikale Veränderung gemacht. Ich hatte lange schwarze Haare, habe sie mir kurz geschnitten und blond gefärbt, bin in Therapie gegangen und habe mir gesagt: jetzt ist die Zeit, etwas zu drehen, sonst komme ich da nicht mehr heraus. Das war der Hauptpunkt, warum das Album „Selbstgespräche“ heißt, weil die Therapie ein Prozess war: ich verändere mich, ich lerne mich besser kennen und beschäftige mich mit Themen, die ich lange Zeit nicht angerührt habe.
Der zweite Song am Album heißt „1000 Geschichten“, im Song geht es um Traumata. Wenn Leuten etwas Schlimmes passiert, können die sich oft gar nicht daran erinnern, weil das Gehirn, das ganz nach hinten packt. Aber es ist trotzdem da, der Körper speichert das und man spürt es. Das ganze Album ist wie ein Dialog mit mir selbst. Wie wenn ich Tagebuch schreiben würde. Drei Songs handeln vom Thema social media und von der Frage, wie man da einen gesunden Weg findet. Als Musikerin muss man sich ja auf social media zeigen, aber das kann auch toxisch sein. Mein Leben seit „Voice Of Germany“ und seitdem ich in Therapie gegangen bin, das ist das Album.
Du wirfst in deinen Liedtexten kritische Blicke auf die Gesellschaft, in „Toller Tag“ singst du über die Benachteiligung von Frauen, da gibt es die Zeile: „Heute im Patriachat hab’ ich wieder Pech mit meinem Geschlecht“. Wie kam es zu diesem Lied?
Nana Falkner: Mit meiner neuen Band habe ich ein weibliches Team aufgestellt, das war mir wichtig. Ich habe sogar eine Tontechnikerin und es war wirklich schwierig eine zu finden. Weil die Musikszene doch von Männern dominiert wird. Ich habe früher mit der Band von meinem Bruder gespielt, bin aber als Nana Falkner gebucht worden. Wenn wir zur venue gekommen sind, war es oft so, dass mein Bruder begrüsst worden ist und ihm alles erklärt worden ist. Mein Bruder hat dann schon selbst gesagt: hey, ich bin nur der Gitarrist, die Künstlerin steht direkt daneben. Solche Kleinigkeiten häufen sich bis ich darauf einen Hass bekommen habe.
Insgesamt habe ich den Eindruck, dass dein Album positive vibes geben will, mit einem Lied wie „Mutprobe“, das – verkürzt gesagt – davon spricht, seine Träume zu verwirklichen.
Nana Falkner: Ich singe in Mutprobe oft die Zeile „der Weg ist das Ziel“ und das ist für mich wie ein Mantra, das ich mir immer wieder sagen muss. Ich bin ja sehr ehrgeizig und ich habe immer davon geträumt, dass ich bei „Voice Of Germany“bin und dann war ich dabei. Ich habe davon geträumt, dass ich einen Vierer-Buzzer habe und dann habe ich den gehabt! Ich erreiche etwas, es geht sofort weiter und ich bin nie wirklich zufrieden. Ich habe mir überlegt: wann bin ich wirklich zufrieden? Weil ich eh nie zufrieden bin, ist eben der Weg das Aufregende. Jetzt ist es cool, weil das Album fertig ist und alles gut ausgegangen ist. Die Cousine von meinem Partner möchte auch gerne Sängerin werden, aber sie traut sich nicht und das möchte ich schon gerne mitgeben: macht einfach! Es wird schon gut gehen. Man muss halt etwas probieren, dann sieht man eh wie es läuft.
„ICH WÜRDE GERNE WIEDER IN DER SCHULE SITZEN UND DAS SCHLIMMSTE, WAS PASSIEREN KANN, IST EIN FÜNFER AUF DIE MATHE-SCHULARBEIT“
Ein Thema zieht sich für mich durch das Album: das Erwachsenwerden. An welchem Punkt bist du in diesem Prozess gerade? Ein Lied von dir heißt auch „Erwachsen sein“, inwiefern bist du in der Erwachsenenwelt angekommen?
Nana Falkner: Überhaupt nicht, ich fühle mich definitiv nicht erwachsen. Ich habe letztens gerade meinen ersten Steuerberater-Termin gehabt und ich habe mir gedacht: was mache ich hier eigentlich? Ich fühle mich also überhaupt nicht ready. Aber wenn ich mir im Vergleich mein 16jähriges Ich anschaue, dann würde ich mir jetzt schon denken: Wie cool ist sie! Sie hat ihr Leben voll im Griff. Das fühle ich jetzt nicht, aber mein 16jähriges Ich würde mich so sehen.
Ich tue mir recht schwer. Dann kommt dieser Ehrgeiz, dieser Leistungsdruck. Ich hätte es gerne, dass – wie ich in „Erwachsen sein“singe – das einzige woran ich denke, ist, am Freitagabend mit meinen FreundInnen ein Bier trinken zu gehen. Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht, weil ich denke, dass ich jetzt eher arbeiten muss und das und das erledigen muss. Ich würde gerne wieder in der Schule sitzen und das Schlimmste, was passieren kann, ist ein Fünfer auf die Mathe-Schularbeit.
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Auf dem Album gibt es einige reduzierte Nummern, daneben einige ausproduzierte Lieder. War das die Planung des Produzenten oder hat sich diese Mischung ergeben?
Nana Falkner: Das hat sich ergeben, am Anfang haben wir schon davon gesprochen, dass wir alles ausproduzieren werden. Dann habe ich aber im Arbeitsprozess das Lied „Blickkontakt“ geschrieben und auf social media gepostet und das ist viral gegangen. Das ist dann reduziert geblieben und so am Album gelandet. Dieses Lied auszuproduzieren, hätte dem Song widersprochen.
Am Ende des Liedes „Kosmos“ singst du: „wir sind vom System besiegt“. Das wirft natürlich viele Fragen auf, was hast du gemeint?
Nana Falkner: Mit diesem Lied war ich nicht optimistisch unterwegs, wie man sich denken kann. Da ging es um social media, ich will mich nicht extrem politisch darstellen, aber ich poste recht viele Sachen zu Umweltfragen oder KlimaleugnerInnen zum Beispiel. Ich poste auch feministischen content und habe einen Song über Frauenmorde geschrieben und da wird frei unter meinem Profil kommentiert: „naja, vielleicht hat sie es sich ja verdient“. Oder: „du mit deinem Nasenring, du linke ….“. Ich bin an sich ein sehr optimistischer Mensch, aber da war mal die Luft draußen. Da habe ich in Frage gestellt, wie sehr es etwas bringt, wenn ich etwas mache. Vielleicht sollte ich mir einfach selbst eine gute Zeit machen, weil Engagement eh nichts bringt. Das meine ich mit „vom System besiegt“.
Hast du als Künstlerin auch das Gegenteil erlebt: dass sich etwas verändert, dass sich etwas bewegt, dass du etwas ansprechen kannst und einen Impakt hast?
Nana Falkner: Ja, tatsächlich. Vor allem, wenn es um feministischen Inhalt geht. Ich spiele bei einem Konzert nicht einfach die Lieder durch, sondern ich erzähle zu jedem Lied etwas. Bei einem Auftritt vor ein paar Wochen, sind nach dem Konzert einige Frauen zu mir gekommen und haben gefragt, wo ich in Therapie bin, wie man einen Therapie-Platz bekommt. Sie waren sehr interessiert und haben nicht gewusst, wo man was machen kann. Jetzt bin ich mit einigen in Kontakt, die dank meines Konzertes jetzt in Therapie sind. Das ist greifbar. Ich hatte da also schon auch positive Erlebnisse.
Als du davon gesprochen hast, dass du immer unzufrieden bist, musste ich an Falco denken. Er hat gewusst, dass es nur mehr bergab gehen kann, als er Nummer 1 in den U.S.A. war. Und im Video zu deinem Song „Nichtschwimmer“ trägst du – wie er im Video zu „Jeanny“ – eine Zwangsjacke. Inspiriert er dich?
Nana Falkner: Ja, extrem, ich liebe Falco! Wir haben uns letztens das Musical angeschaut und ich kenne den Film über ihn. Wir waren auch schon am Zentralfriedhof bei seinem Grab. Falco ist für mich schon eine extreme Inspiration. Ich kann mich schon mit ihm identifizieren und wenn ich mich frage, wer zu meinen Vorbildern zählt, würde ich ihn nennen.
Ich habe in einem Second-Hand-Plattenladen in Mexiko City eine Platte von Falco gesehen – er ist also heute noch weltweit präsent. Ist es auch dieser weltweite Erfolg, der dich inspiriert?
Nana Falkner: Cool, ja, ich habe da ein bisschen Gänsehaut, wenn ich daran denke. Diesen Erfolg in der damaligen Zeit zu erreichen ist unglaublich, noch dazu in deutscher Sprache. Er hatte kein Vitamin B, sondern er hat sich den Erfolg selbst aufgebaut. Ich höre mir immer wieder gerne Interviews vonFalco an, weil er sich dem Mainstream nie gebeugt hat, sondern das gemacht hat, was er cool fand. Genau wie David Bowie, der gesagt hat: sobald du das machst, von dem du glaubst, das es die anderen hören wollen, ist es nicht mehr deine Musik. Das versuche ich auch. Ein Prozessbei der Arbeit am Album war, im Studio mit anderen die Arrangements zu machen. Ich habe da oft gesagt, dass es mir egal ist, was gerade in ist oder nicht. Ich will meine Musik so haben. Da sind David Bowie oder Falco schon eine Inspiration.
Was haben dir die Kaulitz-Brüder als Coaches bei „Voice Of Germany“ vermittelt?
Nana Falkner: Von Bill nehme ich folgendes mit: man sucht sich die Songs bei „Voice Of Germany“ nicht selbst aus, das wissen die meisten nicht. Man kriegt einen Song und den muss man singen. Das war bei mir ein Lied von Avril Lavigne,den ich einfach nicht singen konnte, weil er viel zu hoch war. Ich habe das fast nicht geschafft und habe mich extrem auf den Gesang konzentriert. Und Bill hat zu mir gesagt: wenn ich unsicher bei einem Lied bin, dann muss ich mehr in die Performance legen. Weil – ganz blöd gesagt – Laien hören das nicht, wenn ich den Ton nicht ganz genau treffe. Aber sie sehen es, wenn ich die Performance mit Selbstbewusstsein rüber bringe. Das war einer der besten Tipps von ihm, denn jetzt konzentriere ich mich bei einem Konzert nicht mehr so auf das extrem perfekte Singen, sondern auf das Gesamtbild.
Herzlichen Dank für das Interview.
Jürgen Plank
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Live:
07.02.2026: Sargfabrik, Wien
13.02.2026: Volkshaus Frankviertel, Linz
21.02.2026: Musik-Kulturclub, Lembach
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Links:
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