„Es geht um die Auflösung des Künstlerbegriffes vom einsamen Genie, der allein vor sich hin arbeitet.“ – BARBARA LÜNEBURG im mica-Interview

Der Blog „What if?“ basiert auf dem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Kunstprojekt „TransCoding“, das partizipative Zugänge zu zeitgenössischer Musik ermöglichen und erforschen soll. Curt Cuisine sprach mit der mit Projektinitiatorin und -leiterin BARBARA LÜNEBURG darüber, wie man eine Online-Community zu Kreativität und zum Mitgestalten von Kunst motiviert, wie sich die Rolle der Künstlerin beziehungsweise des Künstlers dadurch verändert und was dabei am Ende herausschaut.

Bei unserem Interview vor eineinhalb Jahren drehte sich das Projekt noch um die Frage, wie junge Menschen auf partizipative Weise mit zeitgenössischer Kunst in Berührung gebracht werden können.

Barbara Lüneburg: Richtig, die Ausgangsfrage des Projekts war, ob es möglich ist, eine Community via Social Media dazu zu bewegen, ein gemeinsames Kunstwerk, eine Multimediashow und eine audiovisuelle Installation mitzugestalten. Interessiert hat uns dabei, welche Konsequenzen das für die involvierten Künstlerinnen und Künstler hat, wie das die Community verändert, wie das Resultat von der Kunstszene wahrgenommen wird und ob es möglich ist, das Verhältnis zwischen Künstlerinnen und Künstlern und Publikum durchlässiger zu machen. Dazu mussten wir zunächst eine geeignete Community finden. Unsere Zielvorstellung waren dabei Leute zwischen 25 und 35 Jahren, die von eher popkulturellen Bereichen kamen und die wir auf diese Weise für neue Musik und Medienkunst begeistern könnten.

Sollte das innerhalb gewisser geografischer Grenzen stattfinden?

Barbara Lüneburg: Da es ein Onlineprojekt ist, sind keine Grenzen gesetzt. Den aktuellen Zahlen zufolge haben wir mittlerweile Menschen aus über 120 Ländern erreicht, wobei der Schwerpunkt auf Österreich und den angelsächsischen Ländern liegt. Das liegt sicher zum größten Teil daran, dass wir den Blog auf Englisch aufgezogen haben und es in den englischsprachigen Ländern eine lebhafte Blogkultur gibt.

Über welche Social-Media-Kanäle funktioniert das Projekt?

Barbara Lüneburg: Wir konnten beobachten, dass es sehr unterschiedliche Social-Media-Kulturen gibt. In England wird zum Beispiel gerne getwittert, in deutschsprachigen Ländern liegt Facebook deutlich vorne, in lateinamerikanischen Ländern funktioniert Instagram besonders gut. So hat sich bei uns eine Herangehensweise über unterschiedliche Social-Media-Plattformen entwickelt. Über alle Kanäle verteilt haben wir derzeit beinahe 1.200 Follower, mit einem Schwerpunkt auf Facebook und Twitter. Der WordPress-Blog, über den wir alle Informationen bündeln, hat dabei eine vergleichsweise kleinere Zahl an Followern, was auch daran liegt, dass klassische neue Musik kein Schwerpunktthema auf WordPress ist.
Wenn wir einen Aufruf für Beiträge [„Call for Entries“; Anm.] starten, funktioniert das am besten in den Kanälen, die dem Medium entsprechen, zum Beispiel ein Call für Fotos auf Instagram, für Musik auf SoundCloud etc. Unsere SoundCloud ist ein schönes Beispiel. Sie ist derzeit zwar noch klein, aber fein. Wir stellen der Community dort unsere eigenen Soundfiles unter einer Common-Creative-Lizenz zur Verfügung, die heruntergeladen, benutzt und bearbeitet werden dürfen. Wir haben hier 67 Follower, was sicher nicht die Welt ist, aber bei unserer letzten Auswertung haben wir festgestellt, dass 42 Prozent unser er Followers etwas zu einem „Call for Entries“ beigetragen haben. Im Vergleich dazu: Auf YouTube sind weniger als 0,16 Prozent der Follower aktiv, wir haben also eine kleine, aber enorm aktive Community.

Wie funktioniert ein „Call for Entries“ auf Twitter? Erhält man dort dann Haikus?

Barbara Lüneburg [lacht]: Ja, auch, aber Twitter ist vor allem ein Verbreitungs- und Vernetzungskanal. Wenn zum Beispiel Beiträge zu unserem Kunstprojekt beigesteuert werden, tweeten wir darüber und benutzen die sogenannten Twitter Handles derjenigen, die einen Beitrag für uns gemacht haben, um sie zu verlinken und auch auf ihrem jeweiligen Twitter-Kanal darauf aufmerksam zu machen.

„Es stellte sich schnell heraus, dass „Undoing Gender“ bei den Menschen, die wir erreichen wollten, entweder auf Gleichgültigkeit und Desinteresse stieß …“

Wie verlief das Projekt bislang?

Barbara Lüneburg: Ursprünglich waren wir einfach ein Team von vier Künstlerinnen und Künstlern, die gemeinsam ein multimediales Kunstwerk machen wollten. Als wir dann die dreijährige Förderung des FWF erhielten, wurde aus dem Plan, zu viert ein Kunstwerk zu komponieren, etwas viel Größeres. Ich hatte nämlich für den FWF ein Forschungsprojekt konzipiert, indem eine Online-Community unsere Kunst mitgestalten sollte, also eine Community, die über Social Media gewonnen werden sollte. Nun ging es also zunächst darum, diese Community über das Web 2.0 aufzubauen. Wie das funktioniert, ob das überhaupt sinnvoll ist und ob die User unsere Kunst mitgestalten, wollte ich dann erforschen. Wir fingen also klein an – mit einem Blog, einer Facebook-Seite und einem Twitter-Account – und begannen, thematisch rund um die Idee von „Undoing Gender“ von der Philosophin Judith Butler zu bloggen. Doch mit einer Online-Community läuft manches anders, als wir uns das gedacht hatten. Es stellte sich schnell heraus, dass „Undoing Gender“ bei den Menschen, die wir erreichen wollten, entweder auf Gleichgültigkeit und Desinteresse stieß oder nur eine stark politisierte Gemeinschaft interessierte, was für unser Forschungsvorhaben eine zu kleine und zu spezialisierte Zielgruppe war. Anstatt Menschen einzubinden und zum Mitmachen zu bewegen, polarisierte dieses Thema. Wir mussten es also ändern und wählten stattdessen „Identität“. Nahe genug am Ursprungsthema war es weniger politisiert und dennoch etwas, was jeden Menschen in jeder Altersgruppe in jeder Kultur irgendwann einmal angeht. So hat die Online-Community bereits zu Beginn des Projekts thematisch stark in unsere Kunst eingegriffen.

Wie ging es nach diesem Themenwechsel weiter?

Barbara Lüneburg: Es dauert natürlich, bis eine Community aufgebaut ist. Zunächst haben wir vier Künstlerinnen und Künstler ein halbes Jahr unbeschwert vor uns her komponiert, aber dann kam der Zeitpunkt, an dem wir das erste Mal unsere Social-Media-Community direkt in unser Kunstwerk einbinden wollten. Anlass war die European Researchers Night in Wien, zu der ich den ersten Teil unserer gemeinsamen Multimedia-Komposition aufführen sollte. Zusammen mit meiner Mitarbeiterin und Social-Media-Expertin Clio Montrey startete ich den ersten großen „Call for Entries“ zur Frage „What if you could wish something and your dream came true?“. Wir wollten die Visionen und Sehnsüchte der Community in kurzen Statements erfahren und diese Texte mit der von uns komponierten Musik zu einer Einheit bzw. einem Video verschmelzen. Wir bekamen viele Einsendungen, was gleichzeitig toll und herausfordernd war, und standen danach erstmals vor der Frage, was wir in unserer Kunst mit all den uns eigentlich fremden Beiträgen machen.
Für eine Komposition mit dem Titel „What if I had wings“ habe ich Aufnahmen von meinem Smartphone als Videovorlage benutzt, die ich auf einer Konzertreise nach Neuseeland aus dem Flugzeug heraus gemacht hatte. Bilder vom Rollfeld vom An- und Abflug oder davon, wie wir in den Sonnenaufgang über einem fremden Land hineinfliegen etc. Diese Aufnahmen habe ich zu einem Video zur Musik editiert und die Textbeiträge unserer Community-Mitglieder unter Nennung ihrer Namen und Herkunftsländer hinein- und hinausscrollen lassen. Das hatte etwas sehr Persönliches, was der Community und den Beitragenden gut gefiel. Der ursprünglichen Künstlergruppe allerdings eher weniger. Für sie war das Material der Community sehr fremd und sie fühlten sich unwohl damit.

Woran lag das?

Barbara Lüneburg: Generell wollen wir immer, dass sich die Community respektvoll behandelt fühlt, also musste eine Wiedererkennbarkeit der Einsendung gewährleistet sein. Aber wenn jemand als Vision schreibt: „Ich hätte gerne mehr musikalische Früherziehung im Kindergarten“, wie setzt man das dann künstlerisch um? Eine Künstlerin meinte, dass ihr ein einziger Satz, eine einzige dieser Visionen reichen würde, um daraus ein ganzes Kunstwerk zu schaffen, aber wir hatten 15, 20 Sätze. Für einen Künstler war es generell schwer, sich auf die Community beziehen zu müssen. Für mich passt das, ich finde das interessant, wahrscheinlich deswegen, weil ich von Haus aus eine Performerin bin. Ich bin es gewöhnt, täglich andere Ansätze zu interpretieren, ich muss mit meinen Kompositionen nicht eine bestimmte Marke vertreten, für die anderen Künstlerinnen und Künstler war das schwieriger.

Es folgte eine intensive, teilweise auch schmerzvolle Diskussion, bis wir zu dem Punkt kamen, dass das Projekt in dieser Konstellation nicht für alle durchführbar war und sich die Forschungsidee zu stark von der ursprünglichen künstlerischen Idee unterschied. Also haben wir uns in aller Freundschaft voneinander verabschiedet und ich habe das Projekt künstlerisch zunächst allein weitergeplant. Inzwischen arbeite ich wieder mit einer Dramaturgin, einer visuellen Beraterin und einem Softwareprogrammierer zusammen, die sich mit den Arbeitsbedingungen von „What if?“ leichter tun.

Wir haben bei unserem ersten Interview bereits darüber gesprochen, ob es bei „What if?“ um die Auflösung oder zumindest Infragestellung des klassischen Kunstbegriffs geht.

Barbara Lüneburg: Es geht unter anderem um die Auflösung des Künstlerbegriffes vom einsamen Genie, der allein vor sich hin arbeitet. Vom inneren Dialog mit sich selbst geht es zu einem Dialog mit den anderen, mit dem Publikum, der Community, für die man eigentlich schreibt.

Der Gedanke ist spannend, aber warum muss das dann ein Kunstwerk werden? Irgendwer muss am Ende ja doch die Autorität beanspruchen, um zu sagen: „Das ist es jetzt.“

Barbara Lüneburg: Ich sage ja nicht, dass ich alle Autorität abgebe, das nicht.

Es gibt also doch ein künstlerisches Zentrum.

Barbara Lüneburg: Ja, natürlich. Allerdings sind eigentlich gleich vier Kunstebenen am Entstehen. Zunächst arbeite ich an einer Multimediashow für Violine, Elektronik und Video zum Thema „Identität“. Hier kann die Community durch Zusendung von Geschichten, die ich aufnehmen soll, von Fotos, Sounds oder einfach durch Inspirationen den Kurs und die Gestaltung der Show mitbestimmen und beeinflussen. Teile davon wurden schon realisiert. Gerade neulich habe ich eine Sequenz beim Festival Ultraschall Berlin gespielt. Die Multimediashow wird wahrscheinlich im Herbst fertig sein. Wir sind gerade mit Veranstaltern am Verhandeln, wo sie zuerst gezeigt wird.
Dann gibt es das, was ich ein „dokumentarisches, zusammengesetztes Kunstwerk“ nenne: alle Social-Media-Kanäle, die den Diskurs im Projekt, aber auch die entstehenden Kunstwerke von allen an der Community Beteiligten zeigen, von den Menschen, die online dabei sind und vom Kunst- und Social-Media-Team. Die Menschen, die bei uns mitmachen, benutzen dabei übrigens auch das Material, das wir ihnen zum Beispiel auf unserer SoundCloud zur Verfügung stellen und machen ihre eigene Kunst, die wir ebenfalls featuren. Es geht uns hier also auch um eine Wechselwirkung, ein Geben und Nehmen.
Dann gibt es die Kunstwerke, die quasi offline entstehen, wenn Menschen zu uns in Workshops kommen und ihre eigene Show oder ihre eigenen Remixe zu unserem Thema entwickeln. Auch das hatten wir schon zweimal.
Und schließlich gibt es noch „Read me”, eine audiovisuelle Installation, bei der sich einzelne Community-Mitglieder eine Installation, die ich entwickelt habe, personalisieren und zu eigen machen dürfen. Und zwar so weit, dass sie Inhalt, Text und Musik selbst bestimmen können und ich gar kein Sagen mehr habe.

“Bei ‚Read me‘ wollte ich mich mit der Frage beschäftigen, wie man Personen eigentlich wahrnimmt und was ihre Identität ausmacht.”

Können Sie das konkretisieren?

Barbara Lüneburg: Bei „Read me“ wollte ich mich mit der Frage beschäftigen, wie man Personen eigentlich wahrnimmt und was ihre Identität ausmacht. Wer immer also porträtiert wird, schickt mir ein Porträtfoto von sich und zwei bis drei Texte, die ihr beziehungsweise ihm besonders wichtig sind. Über das Bild lege ich einen dunklen Layer, über den ich diese Texte scrollen lasse. Je näher nun die Betrachtenden kommen, desto mehr sehen sie vom Text. Wenn man weit weg ist, kann man erst nur eine Zeile lesen, wenn man ganz dicht dran ist, ist der ganze Bildschirm dicht mit Text überzogen, der zum Teil über- und untereinanderliegt. Der Text nimmt gleichzeitig den dunklen Layer vom Foto und das Porträt, das darunterliegt, kommt zum Vorschein. Gleichzeitig wird auch der Klang vielschichtiger.

Die Installation reflektiert damit quasi die Komplexität der Eindrücke, die wir von einer Person haben und die sich ständig ändern, wenn man sich näherkommt. Man trifft einen Menschen zum ersten Mal und hat sofort einen klaren Eindruck, daher sieht man in der Installation nur eine Textzeile und hört nur eine Klangschicht. Wenn man den Menschen dann näher kennenlernt, wird das Bild, das man von ihm hat, detailreicher, das Foto kommt mehr und mehr zum Vorschein, wir lesen mehr Text und hören mehr Musik, aber aufgrund der vielen Schichten und Widersprüche, die jeden Menschen auszeichnen, werden die Information, die wir haben, und der Eindruck nicht unbedingt schärfer.
Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind normalerweise ganz fasziniert davon und es haben sich schon sechs Leute die Installation für sich personalisieren lassen. Sie haben dann ihre eigene private Installation. Um sie aufzubauen, braucht man auch nur einen Computerbildschirm und zwei Lautsprecher. Den Bewegungssensor für die Interaktivität schicke ich bei Bedarf mit.

Das klingt ein wenig nach Auftragsarbeit.

Barbara Lüneburg: Nein, die Neufassungen von „Read me“ waren jeweils sehr unterschiedlich in der Zusammenarbeit. Manche Leute haben nur das Foto und den Text, andere haben auch die Sounds abgeliefert – und in einem Fall hat die betreffende Person alles selbst gemacht. Da habe ich also die Autorität über den Inhalt komplett abgegeben. Aber manchmal ist das auch ein gemeinsames Ringen um ein Ergebnis, das die Person wirklich darstellt. Die sechs erwähnten Installationen werden übrigens am 22. April 2016 bei der „Langen Nacht der Forschung“ im MUMUTH der Kunstuniversität Graz gezeigt.

Die Videos, die man auf dem Blog sieht, sind also Stufen dieser Zusammenarbeit? Die Community gibt ein Feedback und so entwickelt sich die Sache weiter.

Barbara Lüneburg: Ja, wir kriegen Feedback von den Leuten, ob ihnen etwas gefällt oder nicht, aber der Blog dient natürlich zu viel mehr. Er ist der Dreh- und Angelpunkt unserer Auseinandersetzung mit dem Thema „Identität“, hier zeigen wir Kunst, die wir besonders spannend finden, und von hier aus starten wir vor allem unsere „Calls for Entries“. Interessant ist vielleicht noch, dass unsere „Calls for Entries“ immer sehr gut überlegt sein müssen, damit die Leute überhaupt mitmachen. Am besten ist eine Fragestellung oder eine Idee, die die Fantasie triggert, die die Leute irgendwie persönlich packt. Dann fangen die Leute an, ihre Geschichten zu erzählen, weil sie selbst etwas dabei empfinden. Was ich bekomme, muss ich dann mit großem Respekt behandeln, damit die Community nicht den Eindruck gewinnt, sie werde nur benutzt. Die Botschaft muss lauten: Es hat einen Sinn, dass ich hier drinnen bin. Es macht einen Unterschied, dass ich dabei bin. Ich bin Teil des Projekts.

Was ja generell der Sinn eines partizipativen Projekts sein sollte.

Barbara Lüneburg: Ja, schon, aber es gibt unendlich viele Projekt, die „partizipativ“ genannt werden, es aber anders halten. Bei uns ist das aber das Forschungsziel. Es geht nicht darum, am Ende zu sagen: „Gefällt mir doch alles nicht, ich mache mein eigenes Ding!“ Es geht darum, dass ich meine Community kennenlerne, dass ich mit denen rede, dass sie ganz am Anfang, noch bevor ich meine Kunst mache, Inhalt meiner Gedanken sind.

Aber hat man nicht ohnehin die Community, die einem entspricht?

Barbara Lüneburg: Mit „TransCoding | What if“ erreiche ich andere Leute als meine Peergroup aus der zeitgenössischen Musik, und genau das ist ja auch der Sinn der Sache.  Wir suchen junge Leute, Digital Natives, die Spaß daran haben, kreativ zu sein. Der Gedanke, dass alle teilnehmen können, dass alle völlig gleichberechtigt sind, ist dabei übrigens ein utopischer Gedanke. Neulich hat jemand geschrieben: „Worum geht’s denn hier, ich verstehe überhaupt nicht, was das soll!“ Aber für viele andere Leute ist es ein Riesenspaß.
Es ist eine extrem heterogene Gruppe. Es gibt eine Chorleiterin aus Armenien, jemanden, der in der Recyclingindustrie arbeitet, eine kanadische Anwältin, die in ihrem zweiten Leben eine Popband hat, und viele mehr.

Wir müssen das Interview vielleicht am Ende des Projekts noch einmal führen und dann die Frage stellen, ob Sie dieses Projekt noch einmal in dieser Weise machen würden.

Barbara Lüneburg: Gerne. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Was ich nicht erwartet hätte, ist, dass eine Online-Community schließlich doch ihre Anonymität verliert. Mittlerweile gibt es darunter Menschen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, die auch selbst das Projekt mögen und es unterstützen wollen. Und wir geben auch persönlich etwas von uns her. Meine Mitarbeiterin Clio Montrey und ich werden greifbar durch meine Kunst und unsere Blogbeiträge, durch den Einblick ins Making-of. Wenn es nicht so wäre, würden wir die Leute nicht oder nicht so sehr damit ansprechen können. Das kann sich riskant anfühlen, aber wir finden, es gehört dazu, um authentisch zu sein und das Vertrauen und Interesse der Community zu erhalten.
Ich weiß übrigens nie im Vorhinein, wie das alles funktionieren wird, ob die Community-Beiträge und meine eigene Idee von Kunst überhaupt miteinander vereinbar sind.  Aber es ist Teil der künstlerischen Forschung, zu fragen, wie wir diese Beiträge mit ihren unterschiedlichen technischen und künstlerischen Qualitäten in ein Kunstwerk formen können, das eine Kohärenz, eine Stimmigkeit hat und auch überzeugen kann.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Curt Cuisine

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