10 Jahre Arnold Schönberg Center

Mit Konzerten und einer neuen Ausstellung begeht das Arnold Schönberg Center derzeit sein zehnjähriges Jubiläum. Unter den Gratulanten war auch das mica – music austria, das im Auftrag des Centers ein “freitonales Music-Morphing” im rhiz ausrichtete, bei dem Jorge Sánchez-Chiong (Elektronik & Turntables), das Trio Manfred Hofer/Wolfgang Schlögl/Björn Wilker und Timo Novotny mit Live-Visuals aus Film-Archivbeständen des Centers sich dem Genius auf unkonventionelle Weise annäherten.

“Music-Morphing” auf den Spuren Schönbergs im rhiz

 

 

Die Übung am Abend des 17. Februar im Szenelokal am Gürtel geriet zu allgemeinem Beifall und Zuspruch und dem mehrfach geäußerten Wunsch einer Wiederholung, eventuell auch einer DVD-Produktion des Acts. Das Arnold Schönberg Center konnte mit diesem vom mica kuratierten Event Offenheit für heutige Szenen demonstrieren und beim zahlreich erschienenen Publikum für seine Aktivitäten und seine Arbeit für Schönberg – und für die lohnende Beschäftigung mit ihm als revolutionären Komponisten – werben. Gekonnt mischte Jorge Sánchez-Chiong als Vortragsmeister” – diesen Titel hatte einst der jeweilige musikalische Leiter der Konzerte des vom Schönberg-Kreis initiierten “Vereins für musikalische Privataufführungen” inne – Zitate aus dem OEuvre Schönbergs (darunter aus Pierrot lunaire und den Fünf Orchesterstücken op. 16) in seine Performance. Manfred Hofer als Ablaufregisseur an der Bassgitarre, Wolfgang Schlögl (Elektronik und “Quetschen”) sowie Klangforum-Schlagzeuger Björn Wilker boten daraufhin eine atmosphärische musikalische Reise in vier Abschnitten. Zwischen Rhythmik, dichten Klangballungen und stilleren Ereignissen knüpften die drei Musiker, ohne direkt Zitate zu strapazieren, an verschiedene Auren im Schönbergschen Kosmos an und zeigten auf, dass sich hinter den Abstraktionen und Konstruktionen atonaler bis geräuschhafter Klänge immer auch eine emotionale Ausgangskonstellation verbirgt – wie eben auch in Schönbergs Musik.

 

“Wer bin ich?” – Multimediale Ausstellung

 

Seit 19.2. ist im Schönberg Center eine neue Sonderausstellung zu sehen, die zum einen über Leben und Werk Arnold Schönbergs informieren will, zum anderen die Vielfalt der Aktivitäten am Center beleuchtet. Nuria Schoenberg-Nono ging es als Kuratorin darum, auch Nicht-Musikwissenschaftlern interaktive Zugänge für alle Sinne und “zum Angreifen” zu ermöglichen. Auf einem vor dem rekonstruierten Arbeitszimmer ihres Vaters installierten Monitor ist sie es, die in die Ausstellung einführt, im Konzertbereich kann man sich künftig Werke Schönbergs, Beispiele der Aufführungspraxis und Stellungnahmen von Wissenschaftlern und Interpreten auf dem modernsten Stand der audiovisuellen Technik (High Definition Video und Surround-Sound-System) ansehen und anhören. Begonnen wird mit einem Ausschnitt aus der “Moses und Aron”-Produktion der Wiener Staatsoper, mit daneben projizierter, mitverfolgbarer Partitur. Zur Genese dieses Werks zeigt die Schau Originaldokumente.

Bilanz der ersten zehn Jahre in Zahlen: Mehr als 500 Veranstaltungen, vor allem Konzerte mit Werken der Schönberg-Schule im Zentrum, aber auch fast 100 Uraufführungen, 120.000 Besucher, insgesamt 14 Sonderausstellungen, 19 mehrtägige Symposien, 14 Workshops und Master Classes,16 wissenschaftliche Publikationen, konservatorische Betreuung von 20.000 Manuskriptseiten, 3.500 Fotos und der gesamten Bibliothek des Meisters, wissenschaftliche Mitarbeit an der Berliner Gesamtausgabe. Was an der Arbeit des Center als vorbildlich hervorzuheben ist: Die unkomplizierte Verfügbarmachung der Archivbestände für eine breite Öffentlichkeit, etwa mittels digitalisierter Scans, die online verfügbar sind, eine hervorragende Homepage, Live-Übertragungen der Konzerte via Web-Radio . Hier war und ist das Schönberg Center in der Tat Vorreiter, tatkräftig geleitet von Christian Meyer und erfindungs- und ideenreich unterstützt durch die Schönberg-Kinder. Mit ein Wegbereiter der Digitalisierung war Schönberg-Sohn Lawrence, der gemeinsam mit Nuria und Bruder Ronald unlängst mit dem Österreichischen Ehrenkreuz ausgezeichnet wurde.

 

Keine Frage: Seit Arnold Schönbergs Nachlass auf Wunsch der Schönberg-Erben 1997 nach Wien zurückgekehrt ist und im Frühjahr 1998 das als Privatstiftung gegründete Arnold Schönberg Center im Palais Fanto auf dem Schwarzenbergplatz seine Pforten öffnete, hat sich dieses mit Vorträgen, Ausstellungen und Konzerten zu einem Angelpunkt des Wiener Kulturlebens entwickelt. Und nicht zuletzt konnte Nuria Schoenberg-Nono kürzlich (gegenüber dem Kollegen Daniel Ender, der für den “Standard” mit ihr sprach) konstatieren, dass sie in Wien die öffentliche Wahrnehmung verspüre, dass Schönberg ein Wiener ist, und dass die Leute darauf stolz sind”.
Heinz Rögl

 

Fotos: rhiz, Arnold Schönberg Center