Wilfried (c) Astrid Knie

WILFRIED ist tot

Der Sänger WILFRIED ist am 16. Juli 2017 seiner Krebserkrankung erlegen. Er bleibt als einer in Erinnerung, der musikalische Erkundungen zwischen Volksmusik, Jazz und Blues durchgeführt hat. Ein Nachruf von Jürgen Plank.

„Ich bin ein Kind der 1960er-Jahre und ich habe in der Phase meiner Bewusstseinswerdung vor allem die Rolling Stones und die Beatles gehört“, sagt Wilfried gleich am Beginn des Interviews, das ich vor rund einem Monat mit ihm machen konnte. Über die Rolling Stones kommt Wilfried schnell zum Blues, wendet sich volksmusikalischen Traditionen zu und gilt auch wegen seiner rockigen Interpretation des Kufsteinliedes als einer der Vorreiter in Sachen neue Volksmusik.

Mit Liedern wie „Ziwui Ziwui“ und „Highdelbeeren“ verdanken wir Wilfried Klassiker des Austropop. Er lässt sich aber auch vom Jazz beeinflussen und schafft es Zeit seines Lebens seiner kratzigen Stimme wegen unverwechselbar zu sein.

Hitparade und Songcontest

Vieles hat Wilfried im Laufe seiner mehr als 40 Jahre andauernden Karriere erlebt: von Hitparaden-Platzierungen („Mary, Oh Mary) bis zum letzten Platz beim Eurovision-Songcontest im Jahr 1988. Kurzzeitig war er Sänger der EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung), später folgen 8 Alben mit der A-capella-Gruppe 4xang, die live sehr erfolgreich unterwegs war.

Sein aktuelles „Gut Lack“ Album ist gleichsam als Vermächtnis zu hören: die Essenz seines Lebens wäre auf dieser Platte, meinte Wilfried. Seine Musik wird weiterleben und auch der Name Scheutz wird nicht so schnell aus der österreichischen Musikszene verschwinden: schließlich bringt sein Sohn Hannibal die Szene mit seiner Band 5/8erl in Ehr’n gerade ein Stückchen weiter und hat bei Wilfrieds letztem Album maßgeblich an der Musik mitgearbeitet. Miteinander haben die beiden in der Gruppe Neue Band gespielt und in der Jazz-Formation Fathers’n’Sons.

Das Album „Gut Lack“ war der Anlass für das Interview vor knapp einem Monat. Geschwächt war er, musste zwei, drei Mal kurz unterbrechen, aber dennoch war der Mann aus Bad Goisern kraftvoll, voller Lebensmut.

Melancholisch wirkte er freilich auch. „Ikarus“ wäre ein ganz besonderes Lied, meinte Wilfried zurück blickend. Ein Lied, dass den Sinn des Lebens mit der überragenden Zeile auf den Punkt bringt: „Nur der Versuch zählt am Schluss.“

Wilfried hat vieles versucht und erfolgreich umgesetzt: zuletzt auch die Liedtexte für das Musical „Liebe Hoch 16“, in dem er eigentlich eine Rolle übernehmen hätte sollen. Denn Wilfried hat auch in Dutzenden Theaterproduktionen mitgespielt. Aus gesundheitlichen Gründen war ihm die Mitwirkung an „Liebe Hoch 16“ nicht mehr möglich.

Er sei ein „Live-Viech“, aber er sei sich nicht sicher, ob er das neue Album noch live auf die Bühne bringen könne, meinte Wilfried am Ende des Interviews. Dies wird nicht mehr passieren. Wilfried Scheutz, genannt Wilfried, ist tot.

Jürgen Plank

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