TRIO CARBON – „Black Heart“

MitBlack Heart“ (setola di maiale) betritt Trio Carbon ein Terrain, in dem sich das Erwartbare konsequent auflöst. Das Album besteht aus einer einzigen, frei improvisierten Komposition, aufgenommen 2024 im Przestrzeń Muzyki Współczesnej Hashtag Lab im Rahmen des renommierten Festiwal Ad Libitum in Warschau. Schon dieser Kontext verweist auf den Anspruch der Musik: Offenheit, Risiko und das Vertrauen in den Moment als zentrale gestalterische Kräfte.

Was Mia Zabelka (Violine, Stimme), Ola Rzepka (Prepared Piano) und Łukas Marciniak (Electric Guitar) hier entfalten, entzieht sich gängigen Kategorien und verweigert jede Form musikalischer Routine. Festgeschriebene Abläufe oder vordefinierte Formen sucht man vergeblich. Stattdessen entsteht Klang aus Intuition, aus spontaner Reaktion und aus einem bemerkenswert feinen Verständnis füreinander – trotz, oder gerade wegen, der sehr unterschiedlichen musikalischen Herkünfte der Beteiligten.

Improvisation ist bei Trio Carbon kein dekoratives Stilmittel, sondern gelebte Praxis. Aus fragmentarischen Gesten, klanglichen Andeutungen und eruptiven Geräuschmomenten formt sich eine dichte Soundcollage. Der Spannungsbogen zieht sich über das gesamte Stück, pendelt zwischen scheinbarem Chaos und Momenten konzentrierter Ruhe, zwischen geheimnisvoller Atmosphäre und fast cineastischen Bildern. Andeutungen von Melodien blitzen auf, werden wieder aufgelöst, noisige Eskapaden treffen auf minimalistische Verdichtungen. Die Musik bleibt dabei weitgehend analog, frei von demonstrativer Elektronik, und wirkt gerade dadurch unmittelbar und körperlich.

Im fortlaufenden Dialog der drei Stimmen zeigt sich die besondere Qualität dieses Trios. Zabelka nutzt Violine und Stimme als formbares Material, das sie zwischen expressiver Geste und fragiler Zurücknahme oszillieren lässt. Rzepka erweitert den Klangraum des Klaviers durch präzise Eingriffe ins Instrument selbst und setzt feinkörnige Impulse, die weniger begleiten als vielmehr neue Räume öffnen. Marciniak agiert als verbindendes Element, strukturiert das Geschehen mit rhythmischer Schärfe und klanglicher Weitsicht, ohne je die Balance zu stören. Trotz der individuellen Handschriften entsteht kein Nebeneinander, sondern ein organisches Miteinander, in dem jede Aktion eine Reaktion provoziert und sich das musikalische Geschehen permanent neu ausrichtet.

Black Heart ist ein Klangerlebnis abseits gewohnter Hörpfade – fordernd, spannungsvoll und von einer fesselnden inneren Dramaturgie getragen. Ein innovatives, avantgardistisches Statement, das eindrucksvoll zeigt, wie produktiv Unterschiedlichkeit sein kann, wenn sie auf radikalem Zuhören und gegenseitigem Vertrauen basiert.

Michael Ternai

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setola di maiale