Der gute alte Schlager lebt! Am 24. September stehen mit Tanz Baby! und dem Hamburger Bernd Begemann gleich zwei Acts auf der Bühne des Ost Klub, die dem bereits tot geglaubten Genre, neues Leben einhauchen. Das Publikum darf sich auf einen herrlichen Mix aus Herz-Schmerz-Texten und leichten Melodien gefasst machen.
Wie frisch das verstaubt geglaubte Genre in der Jetztzeit klingen kann, beweist das Duo Tanz Baby!. Hinter dem zum Namen verbergen sich Sänger David Kleinl und Komponist, Texter und Gitarrist Kristian Musser. Musikalisch hat sich das Duo ganz dem Schlager der alten Prägung verschrieben. Fast könnte man meinen, Roy Black weile inzwischen wieder unter den Lebenden und triebe erneut sein musikalisches Unwesen.
David Kleinl verkörpert die Rolle des Entertainers auf eine solch eindringliche Art und Weise, wie man es sonst nur aus den siebziger Jahren kennt. Wenn schon Schlager, dann ordentlich, und mit eben allen Klischees, die eben dazugehören. Gegeltes Haar, schwarzer Anzug, eine rote Rose in der Brusttasche und ein solch übertrieben charmantes Auftreten, welches Schwiegermütterherzen höher schlagen lässt. Inhaltlich greifen die beiden Musiker mit voller Absicht tief in den Schmalztopf und lassen kaum ein Klischee unangetastet. Kristian Musser schüttelt der Reihe nach leichte Melodien aus einem Ärmel, die sich vom ersten Moment an in den Gehörgängen festsetzen. David Kleinl sinniert in seinen Texten, wie sollte es auch anders sein, über Liebe, Sehnsucht und Einsamkeit. Tanz Baby! erschaffen mit ihrer Musik ein fast in Vergessenheit geratenes Universum, welches irgendwo zwischen Glam und Nachtclub angesiedelt ist.
Hauptact des Abends ist der nicht minder unterhaltsame elektronische Liedermacher und Entertainer Bernd Begemann. Wie David Kleinl besitzt der Deutsche unerhört viel Charme. Er versteht es zu verführen und zu umgarnen, ohne Gnade bedient er jegliches althergeholtes Klischee. Er gibt sich als Frauenversteher, betört die Damen, ist aber zugleich der unzähmbare Wolf im Schafspelz. Seine aberwitzigen Geschichten sind immer gespickt mit überzeichneten Bildern voller Ironie. Musikalisch gibt sich der Hamburger von einer jazzig-poppigen Seite, einem Stil, der seiner entworfenen Kunstfigur bestens ansteht.(mt)
Foto Bernd Begemann: Kim Frank

