Man of Isle David Edlinger (c) Arnold Poeschl

„Songschreiben ist für mich essentiell“ – DAVID EDLINGER (MAN OF ISLE) im mica-Interview

Ein Album, dass inhaltlich in die Tiefe geht, musikalisch aber dennoch vortrefflich zu unterhalten weiß – genau ein solches ist „Planting Hearts“ (SISSI Records/ VÖ: 15.11.) von MAN OF ISLE. Hinter der Band aus Kärnten steht der Kärntner Liedermacher DAVID EDLINGER, der in seinen Liedern seine Erlebnisse und Gefühle vor und nach seinem Austritt aus einer Sekte zum Thema macht.  DAVID EDLINGER im Interview mit Michael Ternai über den langen Weg zum Debütalbum, seine Zusammenarbeit mit Stefan Deisenberger (ehemals NAKED LUNCH) und warum seine Lieder trotz ihres dunklen Inhalts eigentlich gar nicht so dunkel klingen.

„Planting Hearts“ ist ein Album, dass inhaltlich eher schwere und sehr persönliche Themen behandelt. Inwieweit ist es autobiographisch?

David Edlinger: Das Album ist auf jeden Fall autobiografischer Natur. Ich bin im Grunde genommen um diese Themen auch nicht herumgekommen. Ich wurde in eine Sekte hineingeboren und lebte bis zu meinem 18 Lebensjahr in dieser. Dann bin ich ausgestiegen, was alles andere als einfach war, weil meine Familie und mein gesamter Freundeskreis ja noch weiterhin Mitglieder blieben und keinen Kontakt mit mir haben durften. Man kann sagen, dass ich mich mit diesem Album ein bisserl selbst therapiert habe. An dem Album zu arbeiten begonnen habe ich 2012.

War es für dich schwer, diese Zeit in deinen Liedern noch einmal Revue passieren zu lassen? 

David Edlinger: Es war jetzt nicht so schwer, weil seit meinem Ausstieg doch einige Jahre vergangen waren und ich einen guten Abstand gewinnen konnte. Diesen Abstand habe ich aber auch gebraucht, um die Dinge dann letztlich auf Papier zu bringen.

„Wir wollten nicht alles schwarz und dunkel machen“

Was aber auffällt, ist, dass, obwohl es inhaltlich doch schwer wird, die Musik im Gegensatz eben diese Schwere nicht ausdrückt. Man würde ja eher ein düsteres Album erwarten. 

David Edlinger: Dass Düsteres jetzt unbedingt düster dargestellt werden muss, ist jetzt nicht so mein Zugang. Und das war auch die Meinung von Stefan [Deisenberger; Anm.], der die Songs produziert beziehungsweise den Sound geformt hat. Wir wollten nicht alles schwarz und dunkel machen, sondern auch immer den Faktor Hoffnung durchschimmern lassen und auch verrückte Elemente zulassen.

Weil du gerade Stefan Deisenberger erwähnt hast. Welchen Einfluss hatte er auf den Sound, wie man ihn jetzt hört? 

David Edlinger: Man kann sagen, dass „Planting Hearts“ auch sehr maßgeblich von Stefan geformt wurde, der ja über weite Teile für das Sounddesign verantwortlich war. Ich bin 2012 mit meinen Liedern dahergekommen und habe ihm gesagt: „So, dass sind jetzt die Nummern – DO IT.“ Diese Angaben waren alles andere als stichhaltig.

Wenn du dir jetzt das Ergebnis anhörst, bist du überrascht, was aus deinen Liedern geworden ist?

David Edlinger: Ja, schon. Grundsätzlich kann man die Lieder alle alleine auf der Gitarre performen, sie sind ja in diesem Singer-Songwriter-Konzept entstanden. Das, was Stefan aus ihnen gemacht hat, was er vor allem soundmäßig um sie gebaut hat, ist jetzt natürlich schon etwas anderes. Ich bin sehr zufrieden. Wir hatten ja noch einige Jahre Zeit daran zu schrauben.

Wie haben sich Stefan und du kennengelernt? 

David Edlinger: Das war wirklich reiner Zufall. Ich habe natürlich Naked Lunch gekannt und war in meiner Jugend immer wieder auch auf den Konzerten der Band. Ich hatte einen Freund, der Stefan gekannt hat. Und der hat mir eigentlich aus dem Zufall heraus die Verbindung nach Wien hergestellt. 2012 haben Stefan und ich uns zum ersten Mal getroffen. Wir waren eines nachts unterwegs und ich habe ihm erzählt, dass ich Lieder schreibe und welches Konzept hinter diesen steckt. Dass es in den Liedern eben um die Verarbeitung meiner Vergangenheit usw. geht. Darauf erwiderte er, dass er derjenige ist, der Lieder aufnimmt und ich ihm einfach einmal etwas schicken solle. Dann hat er mich ins Studio eingeladen und wir haben einmal eine Nummer aufgenommen, um zu schauen, ob wir überhaupt miteinander funktionieren. Und das tat es. Ursprünglich war von einer EP die Rede, am Ende wurde es ein Album. Wir haben dann begonnen einen Plan zu schmieden, wie wir das Ganze umsetzen können. Danach ging das Bier aus.  Das war 2012, also schon eine Zeit her.

„[…] da sind leider immer wieder Dinge passiert, die den Prozess massiv gebremst haben.“

Es hat ja einige Jahre gedauert, bis das Album fertig geworden ist. Ich nehme einmal an, dass da jetzt eine Last von dir gefallen ist.

David Edlinger: Ich bin einfach froh darüber, dass das Ganze jetzt einen Abschluss gefunden hat und das Album veröffentlicht wird. Es ist in der Zwischenzeit irgendwie auch eine Art Hassliebe zu diesem Album entstanden, auch wegen der doch langen Zeit. Ich wollte es ja eigentlich schneller beenden. Aber da sind leider immer wieder Dinge passiert, die den Prozess massiv gebremst haben.

Aus welcher musikalischen Richtung stammst du eigentlich? Wie sieht deine musikalische Sozialisation aus?

Albumcover “Planting Hearts”

David Edlinger: Ich komme aus einer recht musikalischen Familie. Vor allem Großelterlicherseits. Die Musik die sie machten, nannte oder nennt man Hausmusik. Ich kann aber mit Glück behaupten, dass das nicht die Musik war, die mich geprägt hat. Die Ernsthaftigkeit jedoch mit der sie aber zu Hause umgesetzt wurde, hat in mir schon auch was ausgelöst. Geprägt wurde ich letztlich auch durch meinen Vater, der ein unheimlicher Musikkonsument war, der sehr viel verschiedene Musik gehört hat, also keine bestimmte musikalische Richtung im Speziellen. Irgendwie war von Klassik bis zum 1980er-, 1990er-Jahre Pop, und italienischer Schlager etc. immer alles dabei. Die Lieder wechselten oft so schnell das Genre, dass einem schwindlig werden konnte.

Was bedeutet das Songschreiben für dich?

David Edlinger: Songschreiben ist für mich essentiell. Es stellt für mich eine Notwendigkeit dar. Ich werde damit nie aufhören können. Es passiert so natürlich, dass ich mir auch schwer tue diesen Vorgang überhaupt zu beschreiben. Es ist oft qualvoll und erleichternd zu gleich. Im Fall der „Planting Hearts“ war es wohl wirklich auch Teil einer Selbsttherapie. Ich wollte kein Geld für Psychologen ausgeben und merkte, dass es auch half. Ich bin ein Freund von „abstrakter Poesie“, wo Wörter oft für sich selbst stehen, losgelöst auch von Ihrer Bedeutung in einem gesamten Satz. Oft erscheint es so, als würde ein kompletter Sinnverlust eintreten. Dem ist aber nicht so.

Du bist also immer am Songschreiben. Kann man schon einen Ausblick auf das zweite Album werfen?

David Edlinger: Das zweite Album ist eigentlich fertig. Ich habe mit „Planting Hearts“ etwas begonnen, von dem ich geglaubt habe, dass es mit dem Erscheinen des Albums eigentlich abgeschlossen wäre. Dem ist aber nicht so. Ich habe – auch aufgrund der langen Entstehungsphase – festgestellt, dass meine Geschichte noch nicht komplett durcherzählt ist. Nach meinem Konzept sollen es zwei weitere Alben geben, die sich auf das Erste stützen. Es wartet nur mehr darauf aufgenommen zu werden.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Michael Ternai

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