SENORE MATZE ROSSI – „Und Jetzt Licht, Bitte!!!“

Gut geübt, mit seinem Herzen zu sehen, hat der ehemalige Frontman der Band Tagtraum ein weiteres Gustostück auf den Weg geschickt. Der öfter als Solist anzutreffende Matthias Nürnberger alias SENORE MATZE ROSSI bereichert das Genre mit einer erlesenen Auswahl vorwiegend deutschsprachiger Songs.

Erfahren, auch in Pop-Punk und mit geschärfter Wahrnehmung für Wesentliches im Leben bewegt sich Matze Rossi nun im Bereich Singersongwriting. Er weist z. B. auf das Glück im Alltäglichen hin, ohne als Schönredner und Gänseblümchenpositivist abzuturnen, taucht niemals in die Abgründe von Erleuchtungsgewäsch, sondern ist ein respektabler Dichtkünstler mit Audruckstalent. Seine Zeilen scheinen wohlüberlegt, sie sind unverbogen und kommen beinahe selbstverständlich im Fluss daher. Man hört gerne zu, wenn und worüber er singt.

„…alles, nur nicht verschimmeln!“

Was bei anderen billig klingen kann, wird bei ihm, geübter Meister, mit angebrachter Schlichtheit (Arrangements) in Form gegossen. Die Themen, die der Senore sich zur Brust nimmt, reichen von Liebe, Freundschaft und Lebenserkenntnissen bis hin zu Gesellschaftsbetrachtungen. Seine Sätze treffen den Nagel bildreich auf den Kopf: „Hol deine besten Kleider, wir müssen durch den Dreck ziehen und wir woll’n noch gut aussehen“ ist eine dieser Zeilen, die sofort entzückend ins Auge springen.

Ein besonders funkelndes Lied des Albums trägt den Namen „Geist“. Es erschafft Bilder wie: Ein Vater erzählt seinem Kind, was er alles tun würde, wenn er gestorben und ein Geist wäre. Der amüsante Text berührt zugleich auf eine Weise, wie es nur Saint-Exupéry und Seinesgleichen vermögen. Reizvoll gestaltet der Sänger und Gitarrist generell Metaphern nicht nur für’s persönliche Inwendige und bemüht seine eigene Phantasie dafür. Es drängt sich die Erkenntnis auf: Männergefühle brauchen kein abgedroschenes Verkaufsschmalz, sondern begabte Lyriker, die ihr Texthandwerk draufhaben.

So klingt Descartes heute

Bis auf die Bearbeitung der berühmten Zeile „Ich denke, also bin ich“ zu „Ich zweifle, also bin ich“, macht Rossi mit seinen Schlagworten selber durchaus zitierenswerte Aussagen. Der Künstler, der „noch immer wütend werden kann“, wie er selber betont, weicht auch in Sachen Freundschaftskonflikte nicht aus. Er formuliert klar und krass in Songform, wo andere herumeiern. Mit der Formation Gaston wird man Rossi zwar ebenfalls immer wieder antreffen, seinen Indie-Pop-Punk-Soul-Akustik-Folk bringt er uns aber als Solist am 16. Jänner 2015 das nächste Mal nach Wien ins DasBach (Ottakring).

Eine rauhe Stimme, eine Gitarre und ein geschmackvoll eingesetztes Instrumentarium als Würze genügen, um große Themen würdevoll musikalisch einzukleiden, wenn man’s kann. Und er kann. „Und Jetzt Licht Bitte!!!“

Alexandra Leitner

http://www.senorematzerossi.de/