Ein Trucker wollte er sein: BOB ROBINSON im mica-Interview

BOB ROBINSON MUSIC ist das yankeehafte Kürzel für eine imposante musikstilistische Band-breite. Jetzt veröffentlichte das junge aus Vorarlberg stammende, aber in Wien umtriebige Trio seine erste EP „Hold Me Down“. Mit dem Frontmann von BRM sprach Martin Macho.

BOB ROBINSON MUSIC ist überreich an Varianten. David Ambrosch (Bass), Konstantin Kräutler (Drums) und His Bobness himself (Gesang und Gitarre) verrühren Folk, Blues, Soul und Singer/Songwriter-Attitüde zu einer leicht verdaulichen Melange à trois. BRM ist ein unvorhersehbarer Schmelztiegel der Stile, Tempi und Launen, aus dem sich nun die EP „Hold Me Down“ herauskristallisiert hat.

„Hold Me Down“ weist eine beachtliche stilistische Vielfalt auf. Kann man die EP als künstlerische Visitenkarte ansehen oder ist sie der Auszug einer noch größeren Bandbreite?
Es gibt durchaus noch andere Facetten, die wir auf der EP noch nicht gezeigt haben, aber „Hold Me Down“ spiegelt selbstverständlich wider, in welchen Bereichen wir uns alle musikstilistisch bewegen. Es sind extrem viel Einflüsse da und ich meine, das hört man auch. Aber das Potential, auch andere Genres mit einzubeziehen, ist mit Sicherheit vorhanden.

Trotz dieser Vielfalt: Gibt es eine musikalische Grundausrichtung?
Immer wenn man uns fragt, in welches Genre wir uns packen würden, antworte ich: Das bewegt sich irgendwo zwischen Singer/Songwriter und Bluesrock.

„Ein Trio lässt nicht viele Fehler zu.“

Worin besteht die Herausforderung beim Musikmachen im Trio?
Gerade ein Trio lässt nicht viele Fehler zu. Musikalisch sollte man sich schon auf einem hohen Niveau bewegen, sonst wird das aller Wahrscheinlichkeit nach nichts werden. Die größte Herausforderung ist, die Musik – vor allem für das Publikum – richtig groß erscheinen zu lassen. Zu dritt muss man die Kraft entfalten, dass man als größere Einheit rüberkommt. Wenn man das schafft, ist man auf einem guten Weg.

Bassist und Schlagzeuger bei BOB ROBINSON MUSIC sind akademisch geschult. Färbt das auf Ihre Musik ab?
Das färbt ganz sicher ab! Ich merke, dass die Theorie schon einen ziemlich großen Stellenwert einnimmt. Aber das ist eindeutig positiv, ich sehe das als gute Ergänzung zu meiner eigenen Herangehensweise.

Vor kurzem gab es bei Ihnen einen Bassistenwechsel [von Tobias Vedovelli zu David Ambrosch, Anm.]. Hat das den Klangcharakter verändert?
Vor dem Wechsel waren wir ziemlich verspielt. Jeder hat versucht, das höchstmögliche Niveau in die Band einzubringen. Das versuchen wir jetzt zwar auch noch, aber weniger hinsichtlich der Technik, sondern eher auf der Gefühlsebene, sodass die Musik in sich stimmig ist. Das ist die wesentliche Änderung, die seit dem Eintritt von David stattgefunden hat.

Wie ist der Bandname eigentlich entstanden?
(lacht) Da liegen ein paar Geschichten dahinter! Mit einer sehr guten Freundin hab ich früher immer gewitzelt, dass wir, falls wir irgendwann durchbrennen, nach Amerika gehen und dort Truckerfahrer werden. Bob schien da ein passender Name für mich. Robinson kommt vom Vater meiner beiden besten Freunde, einem Brüderpaar. Der hat zu mir gesagt, dass ich ihn beim Spielen an einen ehemaligen Schulkollegen erinnere, der ihm immer alle Mädchen weggeschnappt hat. Also haben eigentlich zwei persönliche Geschichten den Bandnamen bestimmt!

„Bob schien ein passender Name für mich.“

Woher nimmt BOB ROBINSON MUSIC die Themen für seine Songs?
Das Grundgerüst kommt von mir, in Form von Basisideen und halbfertigen Liedern. Der Text muss bei mir meistens etwas warten. Entweder überlegen die beiden anderen sich, was sie beisteuern möchten, oder wir arrangieren das Ganze zusammen. Die Texte wachsen übrigens ausschließlich auf meinen Mist.

Wie aufwendig ist der Prozess von der ersten Idee bis zum fertigen Song?
Auch da gibt es keine fixe Struktur, es ist immer ganz unterschiedlich. Meistens sind es wenige Tage bis Wochen bis eine Nummer fertig ist. Fallweise dauert es Jahre bis ich sicher weiß, ob ich den Song ins Repertoire aufnehmen will. Manchmal stoßen mich auch die Jungs aus der Band auf ein Fragment, von dem ich mir nie gedacht hätte, dass daraus was wird.

Ganz allgemein gefragt: Wenn Sie sich eine Band aussuchen könnten, in der Sie spielen dürften, welche wäre das?

(überlegt) Ich glaube, in der Band von Eric Clapton. Er ist für mich der Gitarrist schlechthin, einer meiner größten Einflüsse. Von ihm habe ich auch wahrscheinlich die meisten Alben. Cream wäre zum Beispiel aufgrund der Trio-Konstellation sehr interessant. Bei seiner jetzigen Band begeistert mich einfach der Gesamtsound. Wie sie das aufbauen und gestalten, wie da sehr viele Komponenten ineinander wirken. Generell liegen bei mir die Einflüsse im Bluesrock und im Singer/Songwriter-Bereich. Auf der Gitarre sind neben Eric Clapton sicher Joe Bonamassa und John Mayer die stärksten Einflüsse für mich. Jamie Cullum oder Matt Corby, ein australischer Songwriter, gefallen mir auch sehr gut.

Wohin wird sich die Popmusik Ihrer Einschätzung nach in den nächsten Jahren entwickeln?
Das ist eine interessante Frage, die ich mir auch schön öfters gestellt habe. Im Moment ist die Musik ja sehr Elektro-lastig. Die elektronische Musik in ihrer ganzen Reinheit spricht mich persönlich nicht so an. Ich bin mir nicht sicher, ob und wann es wieder zu den Ursprüngen zurückgehen wird.

Wie beurteilst du die Bedeutung der Elektronik? Ersetzt oder ergänzt sie die unmittelbare Musikausübung?
Für viele mag sie eine wohltuende Ergänzung sein, für mich selbst leider nicht. Obwohl ich einige dieser Sachen schon auch mag. Ich könnte mir auch vorstellen, das in gemäßigter Art in meine Musik einzubauen. Die Instrumente und das musikalische Können stehen aber bei mir immer noch im Vordergrund. Ich finde halt, man kann mit Instrumenten mehr an Gefühl rüberbringen, als das DJs an ihren Reglern können – ohne deren Arbeit gering schätzen zu wollen!

Backbeat in Kooperation mit mica – music austria.

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