Selbstverständlichkeit und Magie im gemeinsamen Arbeiten – JULIAN & DER FUX im mica-Interview

Julian Hruza und Dominic Plainer bilden seit 2012 das erfolgreiche Elektronik-Projekt JULIAN & DER FUX. Schon mit ihren ersten Schritten verschafften sich die beiden Wiener durch die Single „Speckbrot“ ein dauerhaftes Airplay. Aktuell arbeiten sie an ihrem ersten Album, das in diesem Jahr erscheinen soll. JULIAN HRUZA und DOMINIC PLAINER im Interview mit Lucia Laggner.

Es existieren viele Herangehensweisen an das Musikmachen und es gibt viele Konstellationen, in denen Musik erarbeitet und hervorgebracht werden kann: vom Orchester über die Bigband, die Rockband bis hin zur computergestützten Soloperformance. Sie sind zu zweit. Resultiert daraus ein gemeinsamer Arbeitsprozess? Wechseln Sie sich ab?

Julian Hruza: Unsere Arbeitsweise, egal ob auf der Bühne oder im Studio, ist immer in Entwicklung. Vor jedem Release fragt man sich, wo man hinwill, und daran orientiert sich auch die Herangehensweise. Komponiert und produziert wird gemeinsam. Die Texte mischen sich hinzu oder sind Ausgang für das Konzept. Nicht jede unserer Nummern hat Text. Letztlich ist Dominic eher der soundaffine Typ von uns beiden und gibt den Tracks das Gewand, in dem es klingt. Ich komme aus der Tontechnik und mische dann wieder von der technischen Seite. Daraus resultiert ein Pingpong-Spiel, bis die Nummer fertig ist.
Dominic Plainer: Ein wirkliches Rezept gibt es ja nicht. Man versucht, Wege zu finden, und erkennt eher früher als später, dass es sich bei jedem Song anders verhält.
Julian Hruza: Natürlich wird der ganze Prozess auch von charakterlichen und emotionalen Komponenten beeinflusst. Dominic ist ein eher geduldiger Typ. Er schaut auf die Details, lässt sich Zeit. Ich bin schon eher der Holzfäller. Ich hacke herum, damit mal eine inhaltlich stimmige Idee dasteht.
Dominic Plainer: Wir haben beide schon mit anderen Menschen zusammen Musik gemacht. Man kann vor einem Projekt nie wissen, ob es zwischenmenschlich wirklich aufgeht. In unserer Arbeit spüre ich eine Selbstverständlichkeit und auch – pathetisch gesprochen – Magie.

Die Symbiose aus Gewagtem und durchdachter Marke

Wann haben Sie gemerkt, dass dieses Projekt erfolgreich sein wird? Sie haben ja beide davor schon in anderen Konstellationen Musik gemacht. Spürt man das gleich, wenn etwas aufgehen könnte?

Dominic Plainer: Die Demo von Speckbrot kam von Julian. Nachdem wir diese Nummer gemeinsam produziert hatten, wurde sehr schnell klar, dass die Zusammenarbeit sowohl auf menschlicher Ebene super funktioniert als auch inhaltlich sehr fruchtbar ist.
Julian Hruza: Schon zu Beginn der gemeinsamen Arbeit habe ich gemerkt, dass ich zwar die eine oder andere Nummer auch alleine machen könnte, aber die Sache an sich nicht so einen Nachhall hätte. Einerseits ist Julian & der Fux was Gewagtes und andererseits ist die Marke, von der Musik über die Bildsprache der Videos bis hin zum Liveaufritt, sehr konsistent. Daran haben wir hart gearbeitet. Ich würde sagen, das ist einer der Gründe, warum das Projekt Erfolg hat.

Sie leben und wirken beide zum größten Teil in Wien. Wien und die Musik verbindet eine alte Geschichte und auch manchmal ein gewisser Hochmut. Wo liegen die Gründe dafür, dass sich hier seit einigen Jahren wieder eine so starke Szene bildet?

Dominic Plainer: Man kann in letzter Zeit wirklich beobachten, wie immer mehr Formationen entstehen und junge Artists ihre Tracks releasen. Gleichzeitig ist die Unterstützung auch von medialer Seite sehr stark.
Julian Hruza: FM4 pusht den Underground und richtet den Spot auf Unbekanntes und Neues. Es bietet eine extrem wichtige Plattform für die Szene und spielt österreichische Musik.

Schlägt sich diese Entwicklung auch in den Veranstaltungsprogrammen der Clubs nieder?

Dominic Plainer: Jein. Man sieht zwar, dass vermehrt Events entstehen, die österreichische Musik hervorheben, allerdings ist es immer wieder erstaunlich zu beobachten, dass lokale Künstlerinnen und Künstler anders behandelt werden wie internationale. In Wien ist es diesbezüglich oft schwieriger als in den Bundesländern. Am Land wird man auch mal total gefeiert.
Julian Hruza: Ja, da haben wir schon Gigs gespielt, die von subventionierten Kulturvereinen veranstaltet wurden. Die leisten sich einfach einen Abend, der sich nicht zwingend finanziell rechnen muss. Das passiert in Wien relativ selten.

„Vermutlich ist immer das am schönsten, was man nicht hat“

Wenn Sie nicht in Wien leben würden, wo dann? Und wenn Sie nicht Musik machen würden, was dann?

Dominic Plainer: Gärtnern vielleicht [beide schmunzeln]. Musikalisch würde Berlin naheliegen, obwohl es mit Sicherheit schwieriger wäre, sich durchzusetzen. Manchmal, wenn man in einer Stadt Urlaub macht, denkt man, es wäre total super, dort zu leben. Wie das in der Realität aussehen würde, kann ich aus Erfahrung nicht beurteilen. Ich habe noch nie woanders gelebt. Jedenfalls würde ich, hätte ich die Wahl, eher in den Süden ziehen. Hier ist es mir eigentlich immer zu kalt.
Julian Hruza: Ja, ich denke auch. Ich würde im Süden leben und draußen arbeiten. Jedenfalls weniger vor dem Computer sitzen. Möglicherweise fischen.

Gibt es eine bewusste Abwechslung zu Ihrem computerdominierten Alltag?

Dominic Plainer: Es ist ja nicht nur die Arbeit, auch in der Freizeit sind elektronische und digitale Medien sehr präsent. Da ereilt einen immer wieder der Wunsch auszubrechen. Vermutlich ist aber auch immer das am schönsten, was man gerade nicht hat.

Sie haben vor einem Jahr gegenüber der Presse in einem Interview gemeint, dass das Thema Frauen in der männerdominierten Szene ein schwieriges sei. Ist das weiterhin so?

Dominic Plainer: In einem Jahr hat sich nicht viel geändert. Das ist ein allgemein schwieriges Thema. Natürlich wäre es super, wenn sowohl in der Veranstaltungs- als auch DJ- und Labelszene mehr Frauen vertreten wären.
Julian Hruza: Und in Wahrheit fängt das Problem in der Schule oder mit der Wahl der Kinderzimmerfarbe an. Buben lernen Werken in Blau, Mädchen Handarbeit in Rosa. Ich glaube, in unserer Generation kann sich, aber in der nächsten wird sich etwas verändern, weil sich das Schulsystem verändert. Dominic und ich sind anders aufgewachsen. Eigentlich ist Gleichberechtigung für uns eine Selbstverständlichkeit, aber wir haben beide erkannt, dass nicht alle so denken.

Die Möglichkeit, Menschen zu berühren

Was treibt Sie an, Musik zu machen?

Dominic Plainer: Ich kann nicht anders. Es ist ein langer Weg, in den man viel investiert, aber der Optimismus ist meine Motivation.

Hängt Ihre Motivation auch damit zusammen, dass Sie etwas Bleibendes schaffen?

Dominic Plainer: So habe ich es nie gesehen. Allerdings war es mir schon immer wichtig, meine Kompositionen zu releasen, weil sie sonst einfach liegen bleiben und sie nie jemand hört.
Julian Hruza: Als mich zum ersten Mal Musik extrem berührt hat, wusste ich, dass ich das auch mal machen will. Ich will Menschen in eine Stimmung bringen oder in ihrer vorhandenen Stimmung unterstützen. Das kann sowohl über Text als auch über Klang passieren.

Woher kommt die Motivation, ein Album zu erarbeiten?

Dominic Plainer: Es ist einfach eine sehr reizvolle Herausforderung.
Julian Hruza: Wir haben beide noch nie ein Album gemacht, kommen aber aus einer Zeit, in der Alben noch etwas sehr Normales waren. Ich finde es einfach geil, wenn man ein Album schon so gut kennt, dass man genau weiß, welche Nummer die nächste sein wird und mit welchen Akkorden sie beginnt. Das ist einer der vielen Gründe, warum ich es auch selbst einmal gemacht haben will.

Nächste Konzerte:
8. Februar: Felsenkeller/Salzburg
18. Februar: Watergate/Berlin
20. Februar: Werk/Wien
21. März: Bazaar/Brüssel

Lucia Laggner

Fotos Julia & Der Fux:  Tiana Katinka

https://www.facebook.com/JulianUndDerFux
http://jhruza.com/julian-der-fux/