
Mit dem Ziel angetreten, die heimische Popmusik in den Blickpunkt zu rücken, hat das Popfest Wien, blickt man auf die großen Erfolge der letzten beiden Ausgaben, immerhin strömten mehrere zehntausend Musikfans auf den Karlsplatz und in die anliegenden Locations, die hoch gesteckten Erwartungen mit Sicherheit erfüllt. Nun gilt es, das Projekt auf die nächsthöhere Ebene zu hieven, den gesäten Samen zum Keimen zu bringen. Robert Rotifer, der, wie er im Rahmen der Pressekonferenz verlautbart hat, seine Funktion als Programmkurator mit Ende des Festivals zurücklegen wird, hat es sich in der Auswahl der vielen Bands erneut nicht leicht gemacht. Insgesamt werden es in diesem Jahr 47 Konzerte sein, die stattfinden werden, was aber nur knapp die Hälfte dessen ausmacht, was an Namen ursprünglich auf der von ihm erstellten „Shortlist“ gestanden ist. „Den Leuten abzusagen und ihnen mitzuteilen, sie sind nicht dabei, ist das für einen Kurator wohl Unangenehmste. Und es ist auch der Aspekt dieser Tätigkeit, den ich wohl am wenigsten vermissen werde“, so der Journalist und Radiomacher, der sich seit Anbeginn für die musikalischen Belange des Popfest Wien verantwortlich zeigt.

Mehr als noch bei den ersten beiden Malen ist die stilistische Vielfalt des Programms heuer einer Erweiterung unterzogen worden. So spannt sich der Bogen von gediegenen Singer-Songwriterklängen der Sorte Bernhard Eder, Mel, Martin Klein und Werner Kitzmüller bis hin zu Ausflügen in die facettenreiche Weltmusik, wie sie von Fatima Spar & The Freedom Fries, Alp Bora und den Nifty`s praktiziert wird. Jazzig wird’s bei Willi Land, schräg und experimentell beim Zusammenkommen von Sixtus Preis und der Jazz-Elektro-Improformation Kompost 3, poppig-queer geht es bei POP:SCH her, modern wienerisch bei den 5/8erl in Ehr`n, frankophon bei Mopedrock. Die musikalische Vielfalt spielt, wie man sieht, auch in diesem Jahr ein eine große Rolle.
Aber auch für die Zeit in der die Musik für kurze Zeit einmal nicht ertönt, ist ein hochinteressantes Rahmenprogramm erstellt worden. So findet unter anderem eine zweitägige von mica-music austria in Kooperation mit dem österreichischen Musikfonds organisierte Konferenz statt, im Rahmen derer die Bedingungen des aktuellen Popschaffens und die ökonomischen Aspekte der (neuen) heimischen Popmusik in öffentlichen Gesprächen und Diskussionsrunden mit den KünstlerInnen näher beleuchtet werden sollen.
Alles in allem ist es den Verantwortlichen einmal mehr gelungen, ein wirklich erstklassiges musikalisches Event auf die Beine zu stellen, welches mit einer großen Breite und hohen Qualität besticht und wohl allen Ansprüchen gerecht werden sollte. (mt)
Das gesamte Programm unter http://popfest.at/#Programm
Popfest Wien 2012 >> Sessions Programm
Die Popfest Sessions werden präsentiert von departure – Die Kreativagentur der Stadt Wien. Eine Fair Music Konferenz in Kooperation von mica –music austria und Popfest Wien. Organisation: Tatjana Domany und Franz Hergovich. Alle Talks und Konzerte sind frei zugänglich.
Samstag, 28. Juli | Kunsthalle project space | 11.00-17.00
11.00 Wortschwall 1: The Gap präsentiert: „Who cares? Österreichischer Pop-Nachlass”
12.00 Live: Tiefseetaucher
13.00 Wortschwall 2: FM4 präsentiert: „Im Gespräch: Anna Kohlweis / Squalloscope“
14.00 Live: Werner Kitzmüller
15.00 Wortschwall 3: FM4 präsentiert: „Überleben in der Popkultur. Christian Werthschulte“
16.00 Live: Just Friends And Lovers
Sonntag, 29. Juli | Kunsthalle project space | 13.00-19.00
13.00 Wortschwall 4: Der Standard präsentiert: „Attwenger: Das Überwinden der Pop-Provinz“
14.00 Live: Martin Klein
15.00 Wortschwall 5: Popfest Wien präsentiert: „Keeping Records: Dave Sheppard und Andi Dvorak im Gespräch“ (Englisch)
16.00 Live: Contrails
17.00 Wortschwall 6: mica – music austria präsentiert: „Im Gespräch: Patrick Pulsinger”
18.00 Live: Mile Me Deaf
http://popfest.at