Paperbird zu Gast im Theater am Spittelberg

Mit Anna Kohlweiss alias Paperbird ist am 13. Juli im Theater am Spittelberg eine Künstlerin zu Gast, die wie nur wenige hierzulande exzellentes Songwriting mit einem sehr experimentellen Ansatz zu verbinden weiß. Mit im Gepäck hat die junge Musikerin ihr im vergangenen Jahr erschienenes und von allen Seiten hochgelobtes, dritte Album „Thaumatrope“. Ein echtes Meisterstück zeitgemäßer Songwritingkunst.

Erstmals in Erscheinung getreten ist Anna Kohlweis vor ungefähr drei Jahren mit ihrem Debütalbum „Peninsula“.  Neben dem schon damals nicht überhörbaren Talent fürs Songschreiben waren es vor allem die sehr eigenwillige Instrumentierung – etwa Mundharmonika, Glockenspiel und Alltagsgegenstände – sowie der ungemein ausdrucksstarke und klare Gesang der Musikerin, mit welchen Anna Kohlweiss die Kenner der Szene zu überraschen wusste. Nicht anders verhielt es sich bei ihrem Zweitlingswerk „Cryptozoology”. Abermals bewies die junge Singer/Songwriterin ein ausgeprägtes Gefühl für ungemein berührende Melodien und erstklassige Arrangements.

Mit „Thaumatrope“ folgte Ende letzten Jahres der dritte und erneut in kompletter Eigenregie produzierte Streich. Die elf Stücke präsentieren sich im Vergleich zu den bereits bekannten Songs deutlich nachdenklicher, schwermütiger und zum Teil auch komplexer. Was mit Sicherheit darauf zurückzuführen ist, dass sich die in Wien lebende Künstlerin aktuell noch experimentierfreudiger und detailverliebter zeigt wie bisher.  Überhaupt scheint sich Anna Kohlweiss recht wenig an den herkömmlichen musikalischen Regeln der Popmusik zu orientieren.

Vielmehr versucht sie ihren ureigenen Stil stetig weiterzuentwickeln, das Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern. Stärker als noch wie bisher fängt  die Songwriterin die ihre Umwelt umgebenden Klänge und Sounds ein und lässt sie in ihre Musik einfließen. So etwa entsteht das rhythmische Grundgerüst eines Tracks alleine aus der Verarbeitung von Auslösegeräuschen einer Kamera. Deutlich zurückgeschraubt wurde das bisher doch recht prägnante Gitarrenspiel. Was aber dem positiven Gesamteindruck keinen Abbruch tut.

Anna Kohlweis alias Paperbird ist es mit „Thaumatrope“ nun endgültig gelungen, sich als höchst eigenständige und enorm vielseitige Künstlerin in der heimischen Musikszene positionieren. Und es wird in Zukunft noch schwerer sein, sie in eine bestimmte stilistische Kategorie zu fassen. Dafür geht ihre Musik inzwischen weit über jenes des herkömmlichen Singer/Songwritergenres hinaus.(mt)