Der Proberaum des Klangforum Wien befindet sich im 5. Wiener Bezirk, einem Stadtteil abseits der etablierten Kulturszenerie, mit einem Reichtum an verschiedenen Kulturen und Talenten, in dem die gesellschaftlichen Ausschlüsse schnell sichtbar werden. Vielfalt, Dialog und Reflexion kennzeichnen die Arbeit der 24 MusikerInnen aus zehn verschiedenen Ländern, die hier täglich proben, diskutieren und konzipieren. Aus dem Bedürfnis des Künstlerkollektivs heraus, einem möglichst breiten Publikum seine Arbeit zugänglich zu machen und somit Neue Musik nachhaltig in das Musikleben der Stadt und ihrer Bewohner einzubinden, sind im Laufe der mehr als 20 Jahre zahlreiche Vermittlungsprojekte entstanden.
In seinem Programm Klangforum PLUS setzt das Ensemble vor allem auf langfristige Partnerschaften und Begegnungen verschiedener Kulturen. Neben Kompositions- und Interpretationsworkshops werden Probenbesuche und Werkeinführungen für Kinder und Jugendliche angeboten. Durch die Spezialausbildung Performance Practice in Contemporary Music im Rahmen seiner Professur an der Kunstuniversität Graz sorgt das Klangforum für die Weitergabe seines Wissens an die jüngere MusikerInnengeneration. Und seit Neuestem erkundet das Ensemble die subkulturellen Weiten der nächtlichen Klublandschaft Wiens: Neue Musik in neue Ohren!
Aktuelle Projekte
In einer zweijährigen Partnerschaft mit der benachbarten Volksschule Am Hundsturm erkunden SchülerInnen gemeinsam mit dem Klangforum im Projekt Nachbarn in Form von Workshops, Probenbesuchen und Projektpräsentationen die Vielfalt von Klang und seinen Transformationen. Ausgehend vom Kosmos einer der komplexesten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts – Giacinto Scelsi – werden Kreativität, selbständiges Denken sowie Urteilsfähigkeit der jungen ProjektpartnerInnen durch aktives Musizieren und die Entwicklung einfacher Klangkompositionen gefördert.
Gemeinsam mit dem Verein Interface hat das Klangforum das Projekt Wunschkonzert entwickelt, bei dem junge Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft ihr eigenes musikalisches Manifest gestalten. Dabei gehen sie ihren Meinungen, Ideen und Wünsche zum eigenen Lebensraum (in Deutsch und/oder Muttersprache) nach: Wie möchte ich leben? Wie soll eine Stadt sein? Wie soll sie klingen? Ausgewählte Statements werden in Musik umgesetzt, wobei sowohl der Rhythmus der Sprache wie auch ihre Klangfarbe berücksichtigt werden. Die auf unterschiedlichen Instrumenten selbst einstudierten musikalischen Motive werden in einem gemeinsamen Gruppenprozess zu einer Komposition zusammengeführt, die Anfang April im Rahmen einer Projektpräsentation zu erleben war.
Beim Projekt Bluthaus werden am 20. Mai im Rahmen der Wiener Festwochen „Furchtlose gesucht: endlich ein nicht jugendfreier Vormittag!“ Wie klingen die Töne der Angst? In einer Halle voller Instrumente werden Geister geweckt und die Wirklichkeit hinterfragt – frei nach dem Grundsatz des Komponisten: „Je grauenvoller die Situation, desto scheinbar schöner klingt die Musik.“
Professur des Klangforum Wien an der Kunstuniversität Graz
Seit dem Wintersemester 2009/10 wurden an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (KUG) zwei Ausbildungsprogramme „Performance Practice in Contemporary Music“ (ein zweijähriges Masterstudium und ein einjähriger postgradualer Lehrgang) eingeführt, deren zentrales Künstlerisches Fach im Rahmen einer eigenen Professur betreut wird. Damit haben InstrumentalistInnen erstmals die Möglichkeit eine fundierte Spezialausbildung in diesem Bereich zu erlangen. Innovativ ist neben dem Studienplan, der in Repertoire und Aufführungspraxis auf aktuelle Entwicklungen der zeitgenössischen Musik eingehen kann, die neue Konstruktion, dass diese Professur nicht an eine Person, sondern mit dem Klangforum Wien an einen international höchst renommierten Klangkörper vergeben wird. Die Lehrveranstaltungen stehen für verschiedene Studienbereiche der Universität offen, wodurch ein nachhaltiger Austausch zwischen KomponistInnen, DirigentInnen und InstrumentalistInnen ermöglicht wird – als Voraussetzung für den Aufbau eines wertvollen Netzwerks.
Kontakt:
Emilija Jovanovic
+43 1 521 67-10
e.jovanovic@klangforum.at
Foto Klangforum: Lukas Beck
Klangforum Wien