Möglichkeiten im Bereich der Filmmusik

In den vergangenen Jahren erlebte der österreichische Film ein Erfolgerlebnis nach dem anderen. Zahlreiche Auszeichnungen, wie etwa der Oscar für “die Fälscher” von Stefan Ruzowitzky und zahlreiche Nominierungen bei wichtigen Filmfestspielen zeigen, was doch nicht alles auch in einem kleinen Land wie Österreich möglich ist. Man könnte fast meinen, dass mit den Erfolgen ein neuer für alle Beteiligten rentabler Wirtschaftszweig entstanden ist. Doch gerade für den Bereich der Filmmusik trifft dies nicht zu. Nur in den seltensten Fällen greifen heimische Produktionen auf in Österreich produzierte Filmmusik zurück. Oftmals wird diese aus dem Ausland zugekauft. Wieso eigentlich? Gibt es hierzulande nicht doch genügen erstklassiger KomponistInnen und MusikerInnen, die diesen Job nicht ebenso gut erledigen könnten. Ein Anfang Oktober von Dr. Sandra Tomek und dem Univ.-Prof. Gerold Gruber an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien veranstaltetes Filmmusiksymposium sollte genau dieser Frage nachgehen und Möglichkeiten für hier ausgebildete KünstlerInnen in dieser Sparte aufzeigen.  

Was unterscheidet zum Beispiel Finnland oder die Slowakei von Österreich? Zumindest gelten die MusikerInnen, KomponistInnen und Orchester dieser beiden Länder durchaus Filmmusik erprobt. Nicht so viele hierzulande tätige MusikerInnen und KomponistInnen. Der Bereich der Filmmusik wird in Österreich immer noch als eine Art Stiefkind angesehen und geniest bei Weitem nicht jene Stellung, die sie anderswo innehat. Daran, dass es an geeigneten Musikschaffenden mangeln könnte, ist mit Sicherheit nicht das Problem. Jahr für Jahr verlassen erstklassig ausgebildete und in ihrem Fach hochtalentierte KünstlerInnen die Universitäten. Das kreative Potential, welches notwendig wäre, ist durchaus vorhanden. Was aber bislang nicht stattgefunden hat, ist eine Vernetzung zwischen den Filmemachern auf der einen und der Musikfraktion auf der anderen Seite.

Dies ist natürlich mit ein Grund dafür, dass viele heimische Filmeproduzenten auf von ausländischen Orchestern oder KünstlerInnen eingespielte Stücke zurückgreifen. Wäre es nicht viel sinnvoller, anstatt Zuzukaufen, hierzulande produzieren zu lassen? Die Gäste des hochkarätig besetzten Filmmusiksymposiums versuchten in ihren Beiträgen, die aktuelle Situation zu beleuchten und mögliche Entwicklungsschritte anzustoßen. Die Zielsetzung der Veranstaltung war es, Konzepte zu erarbeiten, welche die effektivere Zusammenarbeit von KomponistInnen, RegisseurInnen, Filmproduktionsfirmen, Orchestern und Tonstudios in Österreich zu fördern.

Generell muss man sagen, dass in Österreich der Anteil für die Filmmusik im Budget einer Filmproduktion sehr gering bemessen ist – in der Regel rund 2% der Gesamtkosten –  und sie in vielen Fällen erst nach Ende der Fertigstellung miteinbezogen wird. Wie vorher bereits erwähnt wird auf Filmmusikorchester aus dem Ausland zurückgegriffen, womit damit auch die Wertschöpfung der Produktion im Ausland stattfindet.

“Create your own situation”, so die Aufforderung des in Hollywood erfolgreich arbeitenden österreichischen Komponisten, Drehbuchautoren und Filmproduzenten Harald Kloser. Entscheidend ist es, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehört natürlich auch, sich eigene Netzwerke aufzubauen. Alleine darauf zu warten, dass “Hollywood” von selbst auf einen zukommt, sei zu wenig, so der gebürtige Österreicher. Das Interesse etwas an der Situation zu ändern, muss hierzulande entwickelt werden.

Anders als in Europa legt man in der Filmwirtschaft in den USA viel mehr Wert auf das Teamwork. Das Endprodukt, eben ein Film plus die dazugehörende Musik etc., wird als Ganzes gesehen. Hierzulande arbeiten MusikerInnen und KomponistInnen eher alleine. Insgesamt müsste sich der Gedanke durchsetzen, dass im Endeffekt die praktische Arbeit im Mittelpunkt stehen sollte und  dass KomponistInnen und MusikerInnen beginnen, in ihrer Arbeit auch unternehmerischer zu agieren. Genau an dieser Stelle kann an den Universitäten angesetzt. Es sollten bereits in der Ausbildung praxisorientiertes Denken und ein gewisser Mut zum Risiko, doch etwas Neues zu versuchen, vermittelt werden.(mt)