LOVE A.M. – „In Disarray“

Mitreißender Indiepop mit starken Verweisen zum Sound der 1980er Jahre: Der Grazer Fünfer LOVE A.M. zeigt auf seinem Debütalbum „In Disarray“ (Wohnzimmer Records; VÖ: 01.04.) auf unverschämt lässige Art, dass man problemlos auch einmal in der Vergangenheit nach Inspiration suchen kann, ohne dabei irgendwie altbacken zu klingen.

Cover In Disarray
Cover „In Disarray“

Hört man sich durch das Erstlingswerk von Love A.M., ist es fast so, als würde man sich auf eine musikalische Zeitreise begeben, die direkt in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts führt. In der Musik von Paul Pirker (Gesang), Julian Melichar (Gitarre), Lukas Schneeberger (Bass), Matthäus Jandl (Keyboards) und David Plank (Schlagzeug) schwingt viel aus dieser Ära der Popmusikgeschichte mit, vor allem eine Hinwendung zum Klang des New Wave ist deutlich erkennbar.

Die Melodien, der Einsatz der Synthesizer, der treibende, zum Teil tanzbare Rhythmus, der durchgehend melancholische und dunkle Ton der Songs, dazu noch die Stimme von Paul Pirker, der in manchen Momenten als gesanglicher Zwilling von Steven Patrick Morrissey von The Smiths rüberkommt, alles mündet in einer Art Retrosound, der aber – und hier zeigt sich die Qualität von Love A.M. – erstaunlich frisch und mit viel eigenem Charakter daherkommt.

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Die Grazer Band weiß nämlich genügend eigene Akzente zu setzen. Da und dort lässt sie die Gitarre auch einmal etwas lauter werden oder Elemente aus dem Dream-Pop einfließen, wodurch sich das Ganze in eine moderne und erfrischend unkonventionelle Form des Indiepop übersetzt, die trotz aller Verweise in die Vergangenheit super zeitgemäß klingt und auch noch gehörig Stimmung und Abwechslung entwickelt.

Alles in allem kann man sagen, dass Love A.M. mit „In Disarray“ einen richtig starken Einstand feiern. Man hört, dass hier eine Band am Werken ist, die das Händchen für das gewisse Etwas hat, das Gefühl für diesen Ton, der einen einfach ergreift. Die Band aus Graz offenbart auf ihrem Erstlingswerk Qualitäten, die auf jeden Fall auch für die Zukunft hoffen lassen. Wer so starke Songs zu schreiben in der Lage ist, der wird definitiv nicht ungehört bleiben.

Sabine Papesch

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Love A.M. live
02.04.22 Graz, Orpheum extra
08.04.22 Wien, B72

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Links:
Love A.M. (Facebook)
Wohnzimmer Records