
„Listas“ (span.) bedeutet tatsächlich „Listen“ und ist gleichsam die Überschrift für ein Lebensgefühl, das nach Spaß und Erfüllung abseits von Plänen und Verpflichtungen sucht. Auf ihrem Erstlingswerk präsentiert die Künstlerin LaBix nicht nur ihre Gabe, spanischsprachige Songs zu schreiben und zu singen, sie spielt als studierte Musikerin außerdem Gitarre, Bass u. v. m. Mit der Kollegin Viola Hammer (Posaune) und den Kollegen Philipp Kopmaier (Schlagzeug), Milan Kopmaier (Trompete), Reinhard Summerer (Tuba), Alvis Reid (E-Bass), Max Ranzinger (Kontrabass) und Chris Neuschmid (Gitarre) sorgt sie für jede Menge Latin-Grooves von Salsa und Merengue über Tango und Bossa bin hin zu funkigen Latin-Pop-Schmankerln aus eigener Feder.
„Manche Weibchen tragen die Männchen ihr restliches Leben …“
Das ist keine Zeile aus dem Tagebuch einer Frau in erfahrenen Jahren, sondern ein (übersetzter) Satz aus einer Hymne („Bichos“) an die unverzichtbare, sechsbeinige, manchmal ekelige, oft wunderschöne, aber immer faszinierende Welt der Insekten – denn auch auf dem Gebiet der Biologie ist die Künstlerin mit einer Stimme wie Annette Louisan kein unbeschriebenes Blatt. Vor dem geistigen Auge erscheinen einem förmlich Bilder vom Amazonas bis hin zum Schrebergarten, um nicht zu sagen bis hin zu Überraschungsbekanntschaften im Schlafzimmer.
Wie schön, dass unsere Freundschaft keine Grenzen hat!
„Te quiero“ („Ich liebe dich“), die wichtigsten Worte im Spanischen, die die meisten NichtromanistInnen auch so (miss-)verstehen, trifft in „Tú“ (dt. „Du“) genau ins Schwarze, wenn es um Erinnerungen an eine unbeschwerte Sandkastenliebe geht und um das Wissen um die Verbundenheit über Länder und Meere hinweg – ungeachtet vergangener Zeiten und Lebensabschnitte.
In „El gato“ (einer eleganten Rumba) wird ein einfühlsamer, zärtlicher Kerl beschrieben, ein perfekter Gentleman, wie man ihn nur in (Wörter-)Büchern findet. Die Geschichte endet, wie sonst, mit Tango und es macht nichts, wenn sich besagter Schmuseur ungewaxt zum Zärtlichkeitsaustausch nähert. Die wahre Liebe darf das eben (in diesem Fall).
Der Titelsong – zugleich der Albumtitel – gestaltet sich als richtiger Stimmungshadern mit Ohrwurmepedemiegefahr. Ironischerweise bedient er sich der liedtextlichen Gattung der sogenannten „List-Songs“. To-Do-Listen und Vor- und Nachteilslisten streiten sich um den ersten Platz mit Lebenslisten der schrägen Dinge, die man unbedingt noch machen muss. Was auch mal zu der Frage führt, wann man da eigentlich noch Zeit für Freizeit hat. Interessante Frage.
„Contigo, pan y cebolla“ („Mit dir durch dick und dünn“) beschreibt das Gefühl, wie es ist, wenn eine Beziehung spannend bleibt, „Salsa con ChaCha“ lädt ein zum ungenierten Hüftschwingen, in „Pregúntamelo de una vez“ („Frag mich doch einfach“) geht es um die Sehnsucht einer Frau, die – gefangen zwischen Rollenklischees – auf die Frage aller Fragen wartet.
Das Album handelt neben lustvollen Zugeständnissen wie die an Schuhe aller Farben und Tiere von Beziehungsbeendigungsausreden und Einsamkeit. „Pompa de jabón“ („Seifenblase“) beendet den Tonträger mit einer entzückenden, stimmungsvollen Ballade.
Alexandra Leitner
http://www.labix.eu