Julia Siedl (c) Marko Mestrovic

JULIA SIEDL TRIO – „Good News“

Die österreichische Pianistin JULIA SIEDL und ihr Trio zeigen sich auf ihrem neuen Album „Good News“ (Minor Music) als eine Band, die den Ton des abwechslungsreichen modernen Jazz auf eine außergewöhnlich mitreißende Art getroffen hat.

Eines lässt sich nach dem Durchhören von „Good News“ auf alle Fälle sagen: Julia Siedl liefert mit ihrem neuen Album endgültig den Beweis dafür ab, dass sie hierzulande an den weißen und schwarzen Tasten mit zu den Interessantesten und Besten zählt. Die offene, undogmatische und erfrischend verspielte Art nämlich, mit der die Pianistin in die Materie des Jazz eintaucht und diesen in eine fesselnde musikalische Form übersetzt, zeigt sich wirklich als die hohe Kunst des modernen Jazz.

Musikalische Raffinesse trifft auf enormen Spielwitz

Die aus Niederösterreich stammende und in Wien lebende Musikerin pflegt den feinfühligen und warmen Klang, ihre musikalische Ästhetik ist eine elegante und zugleich immens abwechslungsreiche, weil eben auch stilübergreifende. Mit ihren beiden kongenialen Partnern Stefan Pista Bartus (Kontrabass) und Andjelko Stupar (Schlagzeug) an der Seite verwirklicht die Pianistin ihre ganz eigene Interpretation des Jazz, eine, in der auf raffinierte Art Melodien den Ton angeben sowie feingliedrige Harmonien und der Musik dienliche Improvisationen das Geschehen höchst abwechslungsreich bestimmen.

Julia Siedl Trio (c) Marko Mestrovic

Das Dreiergespann malt fern jeder Traditionspflege vielschichtige und in bunten Farben glitzernde musikalische Bilder und durchwandert in seinen Stücken unterschiedlichste emotionale Zustände, Intensitäten und klangliche Umgebungen. An einer Stelle lassen es Julia Siedl und ihre Mitmusiker eher reduziert, ruhig und fast schon still angehen, an anderer wiederum widmen sie sich der Intimität und der Sanftheit des Klanges, bevor es dann im nächsten Moment schließlich mit südamerikanischen Rhythmen so richtig schön verspielt, mitreißend impulsiv und schwungvoll aus ihnen herausbricht. Zudem scheut das Trio auch nicht vor dem mehr Experimentellen und manchmal Vertrackteren zurück, was die ganze Geschichte um einige weitere spannende Facetten erweitert.

Schön ist auch, dass man eigentlich in jedem Ton die immense Freude und pure Leidenschaft mitbekommt, die das Julia Siedl Trio am gemeinsamen Musizieren hat. Das Dreiergespann lässt den Funken überspringen, es nimmt sein Publikum mit und lässt es – eigentlich ganz jazzuntypisch – an der Musik teilhaben.

Mit „Good News“ setzt Julia Siedl auf jeden Fall ein dickes musikalisches Ausrufezeichen, eines, das mit Sicherheit dafür sorgen wird, dass sich die Pianistin nun endgültig im erlauchten Kreis der österreichischen Jazzspitze etablieren wird. Richtig, richtig stark.

Michael Ternai

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