20 Jahre Xtra-Ordinary-Sampler – WOLFGANG DESCHO (ROCKHOUSE SALZBURG) im mica-Interview

Am 20.01.2017 wurde im brechend vollen ROCKHOUSE-Saal die mittlerweile 20. Ausgabe des XTRA-ORDINARY-Samplers im Rahmen einer großen Party (u.a. mit Live-Auftritten von DAME, MYNTH, PLEASE MADAME) gefeiert. Neben dem Xtra-Ordinary-Sampler wurde dabei auch der heurige HEIMO-ERBSE-PREIS (dotiert mit € 3.000,-) an PLEASE MADAME vergeben. Die Verwendung des Preisgeldes obliegt den KünstlerInnen, soll aber als Beitrag zu einer Produktion (Recording, Video, Promotion) verwendet werden. Zudem werden PLEASE MADAME bei einem Headline-Konzert am 13. Mai ihre neue EP Live im ROCKHOUSE vorstellen. Anlass genug für Didi Neidhart sich mit ROCKHOUSE-Geschäftsführer WOLFGANG DESCHO über 20 Jahre Xtra-Ordinary zu unterhalten.

Haben Sie – als vor 20 Jahren die Idee zum Xtra-Ordinary-Sampler als Visitenkarte der Salzburger Rock- und Pop-Szene geboren wurde – damit gerechnet, dass es dieses Format so lange geben würde?

Wolfgang Descho: Nein, nicht unbedingt. Wir wollten aber schon eine kontinuierliche Möglichkeit für heimische MusikerInnen aus dem Rock- und Pop-Bereich anbieten, sich einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.

Was ist für Sie persönlich das Spezielle an dieser Art der Präsentation einer auch überregionalen (die Acts kommen ja mitunter auch aus dem benachbarten Bayern und aus Oberösterreich) Musik-Szene. Oder anderes gefragt: Welche Funktion bzw. Wirkung hat so ein Sampler?

Wolfgang Descho: Zur Funktion siehe oben. Aber das Wichtigste ist natürlich, was in der heutigen Zeit mit einer CD gemacht wird. Wir bestücken damit Fachmedien, Agenturen, Labels und alles was so dazugehört. Zudem wird die CD auf Musikmessen und Ähnlichem verteilt. Hier muss ich aber auch ein großes Danke an mica – music austria aussprechen, das uns dabei immens behilflich ist. Und durch diese gezielte Bestückung ist schon sehr viel passiert. So wurden Verträge mit einzelnen Bands eingeleitet, Stücke wurden gekauft und natürlich konnten dadurch auch viele Live-Gigs vermittelt werden. Ebenso ist der Xtra-Ordinary-Sampler ein auch europaweit sehr starkes Zeichen einer Salzburger Musikszene, inklusive des dazu gehörenden Umfelds. Weiters bekommen natürlich auch die Bands CDs zur Verfügung gestellt.

„Der Sampler ist ein Bestandteil dessen, was das Rockhouse versucht für die heimische Musikszene zu tun.“

In den letzten Jahren ist Salzburg mit Acts wie Steaming Satellites, Dame, Mynth, Olympique, Please Madame, Jay Cooper, Gospel Dating Service, The Helmut Bergers, Manchester Snow, Purple Souls, Mel, Julian Nantes, The Makemakes, Magic Delphin, Heidelbert ja deutlich aus dem popkulturellen Dornröschenschlaf erwacht. Wie sehr haben da auch die Xtra-Ordinary-Sampler ihren Teil dazu beigetragen? 

Wolfgang Descho (c) Rockhouse

Wolfgang Descho: Der Sampler ist ein Bestandteil dessen, was das Rockhouse versucht, für die heimische Musikszene zu tun. Alle die genannten waren natürlich auch auf dem einem Xtra Ordinary-Sampler. Purple Souls kamen ja durch den Sampler zu einem Vertrag. Den Steaming Satellites hat es jedoch besonders geholfen, dass sie einen Support vor Portugal the Man im Rockhouse spielen konnten. Die Proberäume und Workshopangebote sind ebenfalls sehr wichtig. Das wichtigste ist aber, dass die Musikerinnen und Musiker selber aktiv waren und ihre Chancen genützt haben und dass es ja nicht nur das Rockhouse alleine gibt, die für Musikerinnen ud Musiker etwas tun. Außerdem ist es natürlich eine wunderbare Zeit-Dokumentation.

Die Auswahl zu den Samplern trifft ja eine 13-köpfige Jury mit durchaus unterschiedlichsten musikalischen Vorlieben. Ist es da mitunter nicht schwer zu einem wirklich repräsentativen Ergebnis zu kommen?

Wolfgang Descho: Es ist mittlerweile eine 20-köpfige Jury aus allen Bereichen. So wird die größtmögliche Objektivität und vor allem auch Fairness gewährleistet. Wenn man sich die Wertungen ansieht, sind trotz aller Verschiedenheiten der Juroren, die ca. ersten 15 bis 20 Songs, die ausgewählt werden, immer äußerst eindeutig. Dann kommt quasi das Mittelfeld. Hier entscheiden dann wirklich nur mehr ganz wenige Punkte, ob ein Song es auf die CD schafft oder nicht. Hier gibt es immer wieder Härtefälle. Außerdem, was soll repräsentativ heißen? Das Ergebnis soll die besten Songs widerspiegeln und dies passiert in einem möglichst fairen Verfahren.

„Ich bin auch irgendwie froh, dass es DEN Sound of Salzburg nicht gibt […]“

Wenn wir kurz die Sampler der letzten 20 Jahre Revue passieren lassen, was hat sich in dieser Zeit musikalisch getan? Gibt es so etwas wie einen „Sound Of Salzburg“, oder lässt sich ob der Vielfalt der einzelnen Stile eher von „Sounds“ reden.

Wolfgang Descho: Es gab Zeiten, da gab es mehr „härtere“ Bands, dann auch wieder mehr „funky“ Bands, aber mit der Zeit entwickelte sich eher eine interessante Vielfalt. Wenn ich so durch den Proberaumtrakt im Rockhouse gehe, höre ich immer die verschiedensten Stile, wobei ich glaube, dass heute die Musikerinnen und Musiker vielleicht ein wenig offener sind, was die Akzeptanz neuerer Einflüsse betrifft. Ich bin auch irgendwie froh, dass es DEN “Sound of Salzburg” nicht gibt, denn sowas hält sich meist nur für eine kurze Zeit und ist dann Geschichte. Ich meine, hör dir die Steaming Satellites an, vergleiche sie mit den Please Madame oder Olympique, mach dasselbe mit Mynth und Dame usw. – der gemeinsame Nenner ist, dass sie alle anspruchsvolle U-Musik im weitesten Sinne machen wollen.

Gibt es eigentlich Genres, die im Rockhouse durchaus zuhause sind, aber auf den Samplern fehlen?

Wolfgang Descho: Ja, sicherlich. Es gibt gute Stoner-Bands und nach wie vor gute Metal-Bands, die sind aber im Einreichen der Songs sehr lasch. Oft passiert es aber auch einfach, dass die neueste Produktion noch nicht rechtzeitig fertig ist.

Diesmal gibt es ja eine sehr spezielle Ausgabe. Statt einer einfachen CD wird es eine Doppel-CD sowie eine LP geben. Wie kam es dazu?

Wolfgang Descho: Es ist schon sehr lange geplant gewesen, dass zum Jubiläum auch etwas Besonderes auf Vinyl erscheinen soll. So sind auf der LP ebenso die bisherigen Heimo-Erbse-Preisträgern (Mel, Zufallstreffer, Plastotype, The More Or The Less, Steaming Satellites, The Helmut Bergers, Olympique und Mynth) wie zwei weitere, außergewöhnliche Künstler (Dame und Steaming Satellites) zu hören. Dazu kam, dass es in den letzten drei bis vier Jahren einige Bands immer nur um Haaresbreite nicht geschafft haben auf die CD zu kommen. Daher haben wir gesagt, zum Jubiläum machen wir ausnahmsweise eine Doppel CD mit allen.

Am Donnerstag, den 02.02.2017 gibt es in Zusammenarbeit mit mica ab 18.30 Uhr ein „Music Talk-Special“ zum Thema „Kriterien zur Auswahl der Xtra-Ordinary-Songs“, wo es um Kritik und Feedback gehen soll. Worum soll es dabei gehen bzw. was soll man sich darunter vorstellen?

Wolfgang Descho: Hier haben MusikerInnen die Chance konkretes Feedback und Infos zu bekommen und weiters im Allgemeinen aus fachkundigem Munde zu erfahren, welche grundsätzlichen Fehler immer wieder passieren. Nur als Beispiel: Viele Songs haben immer noch viel zu lange Intros… Zusätzlich wird das Wertungssystem nochmals genau erklärt. Außerdem haben hier die Musikerinnen und Musiker natürlich auch die Möglichkeit uns ihre Meinungen, Kritiken, Änderungswünsche usw. zu vermitteln.

Wie finanziert sich so ein Projekt überhaupt, noch dazu wo es heuer ja eine Doppel-CD und die Vinyl-Version geben wird?

Wolfgang Descho: Zum einen wird das Projekt Xtra Ordinary von Beginn an von der Stadt Salzburg gefördert. Zum anderen finden sich immer wieder Unterstützer dieses Projektes. Auch arbeiten wir gerne mit dem Heimo Erbse-Team zusammen, was auch Synergien bewirkt.

Glauben Sie, es wird in 10, 20 Jahren immer noch Xtra-Ordinary-Sampler geben?

Wolfgang Descho: Ich glaube, dass es in 10 Jahren nach wie vor eine „Werkschau“ bzw. „Visitenkarte“ der Bands geben wird. In welcher Art wird sich weisen…

Danke für das Gespräch.

Didi Neidhart

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