„ICH WÄHLE EHER KEINE SCHLAGERBEATS AUS.“ – SOPHIJA im mica-Interview

Mit „Zeit“ präsentiert die in Bischofshofen bei Salzburg aufgewachsene Singer/Songwriterin KATHARINA GINZEL nach dem 2013er Debüt „Be Open To Feel“ nun das zweite Album ihres Solo-Projekts SOPHIJA. Die seit 2005 auch als Mitglied der Pop/Folkband THE DREAM CATCHERS aktive Musikerin singt hier erstmals auf Deutsch und legt dabei ein textlich wie musikalisch sehr vielstimmiges Album vor, welches durchaus als Kleinod bzw. Geheimtipp in Sachen deutschsprachiger Popmusik gehandelt werden kann. Didi Neidhart hat sich mit der Musikerin u.a. über Corona, Schlager und deutsche Texte unterhalten. 

Du hast bisher, sowohl bei den Dream Catchern wie Solo, hauptsächlich in Englisch gesungen. Auf „Zeit“ gibt es nun fast nur deutsche Texte. Wie kam es dazu?

Katharina Ginzel: Es hat mich in den vergangenen Jahren mehr zum Englischen gezogen, weil es mir besser gefiel und ich das Gefühl hatte, dass es sich leichter texten ließ. Hin und wieder probierte ich aber auch deutsche Songs aus. Mittlerweile bin ich fürs Deutsche viel offener geworden und ich denke – ich kann es nicht wirklich erklären -, es passierte einfach, fühlte sich gut an und setzte sich fort. Grundsätzlich werde ich mal in Deutsch, mal in Englisch schreiben, so wie ich mich grad fühle.

War das Texten und Singen in Deutsch eine große Umstellung? Fremdsprachige Texte fungieren ja auch immer wieder als eine Art (Schutz-)Mantel hinter denen sich versteckt werden kann.

Katharina Ginzel: Nein. Das Texten und Singen während der Aufnahmen war keine große Umstellung.

„Meine Texte gehen meist Hand in Hand mit der Musik einher.“

Wie entstehen eigentlich deine Texte? Gibt es da zuerst ein Thema, oder entwickelt sich so was primär aus Wahrnehmungen, Empfindungen und Beobachtungen?

Katharina Ginzel: Hm – beides. Es gibt konkrete Themen, über die ich schreiben will, oder aber Gefühle, die mich dazu bewegen, mich ans Klavier setzen – und entweder ich schaffe es, sie in Liedtexte und Melodien umzusetzen, oder eben nicht. Ich habe viele Songfragmente, die eben Fragmente blieben, weil es nicht funktionierte. Meine Texte gehen meist Hand in Hand mit der Musik einher. Dass ich einen Text komplett schreibe und dann erst die Musik komponiere, kommt eher selten vor.

Wie kam es zum Album-Titel „Zeit“?

Katharina Ginzel: Naja, ich hatte einen Song, den ich schon vor ein paar Jahren aufgenommen hatte („Tausend Wasserfarben“; Anm.) und den neuen Song „Zeit“, der eben wirklich während der Coronabeschränkungen entstanden ist. Ich wollte diese beiden Songs online veröffentlichen und eine Maxisingle draus machen, brauchte dafür aber ein Thema. Und „Zeit“ passte da einfach. Vielleicht ist das auch etwas pragmatisch gedacht, denn alles in unserem Leben hat irgendwie mit Zeit zu tun und diese sollte kostbar genutzt werden. Und der „Debütsong“ dieses Albums heißt ja auch „Zeit“.

Deine Musik hört sich deutlich nach klassischem Singer/Songwriter*innentum (mit eigenständiger Note) an. Hast du dich da bewusst von all den Sachen, die sich momentan zwischen Schlager, deutschsprachigem Pop, „Neue Volksmusik“, etc. abspielen abgesetzt? Dort wird sich ja mitunter sehr wild bei Pop bedient (Beats, Sounds, etc.).

Katharina Ginzel: Danke mal für die Bewertung als Singer/Songwriterin, das ist ein Kompliment für mich. Hm, naja, das kommt immer auf das Genre drauf an. Ich wähle eher keine Schlagerbeats aus, aber es ist sogar so, dass ich mir oft wünsche, mal eine etwas andere Richtung einzuschlagen, die vielleicht mehr Resonanz bringen würde. Ich denke auch, es ist mein Stil und ich kann das gar nicht so krass anders machen – ich bin eben, ähm… SOPHIJA.

Mir sind diese Unterschiede zu aktuellen Schlagern, etc. auch eingefallen, weil es z.B. bei „Irgendwann“ elektronische Sounds gibt, die nicht nach 08/15-Großraumstadl-Disco klingen. An was oder an wen orientierst du dich da, wenn du nach Sounds oder Beats suchst?

Katharina Ginzel: Gutes Stichwort, weil du vorher bezüglich des Genres gesprochen hast, Es ist ja so, dass ich es erfrischend und interessant finde, auch mal bissl was Neues, Anderes auszuprobieren, und elektronische Elemente finde ich ganz interessant. Bei „Irgendwann“ war es so, dass ich unschlüssig war, wie ich es arrangieren soll. Ich habe einfach herumprobiert, Das ist nicht technisches Know-How, sondern ich höre mir verschiedene Sounds oder Beats an und entscheide nach dem Gefühl. Als ich meinen Song zwar fertig hatte – aber von diesem noch nicht so überzeugt war -, und ihn dem Producer Wolfgang Schramml von Sonic Flow geschickt habe, war er von dem Song sehr angetan. Er hat die Sounds und Beats noch etwas verändert bzw. Elemente hinzugefügt und dann war auch ich selbst überzeugt und froh, ihn aufgenommen zu haben.

Bild Sophija
Sophija (c) Pressebild

„Grundsätzlich ist es mir wichtig, Songs auf einem Album unterschiedlich zu arrangieren.“

Ab wann stellt sich bei einem Song eigentlich die Frage, ob er nicht mehr braucht, als jetzt nur eine Stimme und ein Instrument?

Katharina Ginzel: Grundsätzlich ist es mir wichtig Songs auf einem Album unterschiedlich zu arrangieren, weil es abwechslungsreicher ist. Da ich Streichersätze nur mit Klavier, Bass und Stimme auch sehr gern habe, wollte ich auch Songs in diesem Stil arrangieren. Und dazu eignen sich Balladen sehr gut.

Manche Songs will ich von vornherein mit mehr Energie und Instrumenten füllen und bei manchen, ruhigeren, merke ich, dass es das nicht braucht. Um konkret die Frage zu beantworten: Mal davor, während der Aufnahme oder spätestens, wenn er fertig ist und ich mir denke, das hätte ich anders machen können.

„Ich konnte erst aufhören, als mein ‚Corona-Album‘ fertig war.“

Im Pressetext schreibst du, dass sich das Album seit dem Coronalockdown im Frühjahr 2020 entwickelt hat. Würdest du das Album jetzt ein „Corona-Album“ nennen, oder wäre es sowieso geplant gewesen?

Cover Zeit
Cover “Zeit”

Katharina Ginzel: Jein… Ja, weil sich wirklich während des Lockdowns dieser Flow bei mir entwickelt hat und ich einen Song nach dem anderen geschrieben habe. Ja auch deshalb, weil das Lied „Zeit“ durch diese Pandemie in meinen Kopf kam. Ja, weil ich in dieser Zeit definitiv viel Zeit dafür hatte. Ja, weil es absolut nicht geplant war. Ich habe „Zeit“ geschrieben und aufgenommen und dann hatte ich das Bedürfnis, diesen Song zu veröffentlichen. Aber ICH habe den Song aufgenommen und ich bin keine Tontechnikerin, sondern Laie auf diesem Gebiet. Ich habe dem Wolfgang Schramml diesen Song geschickt und wollte wissen, ob er ihn soweit professionalisieren kann, um ihn zu veröffentlichen. Erstaunlicherweise war er sehr beeindruckt von meiner Basisarbeit. Das war der Beginn und so nahm ich ein Lied nach dem anderen auf. Manche waren komplett frisch, manche etwas älter. Harald Rehrl hat „Zeit“ und „Tausend Wasserfarben“ als Maxi-Single veröffentlicht und dann gefragt, ob ich noch mehrere Songs habe, um ein Album zu machen. Das war dann das Stichwort und ich konnte erst aufhören, als mein „Corona-Album“ fertig war. Und Nein, weil die Songs unterschiedliche Themen beinhalten.

Bleiben wir noch etwas bei Thema. Songs wie „Erinnerung“ und „Zeit“ würde ich schon eher als „anlassbezogen“ bezeichnen, ebenso die deutlich optimistischeren Songs „Hier“ und „Leben“. Andererseits sind sie thematisch nicht auf Corona festgenagelt, sondern erzählen von Situationen und Empfindungen, die es ebenso vor Corona gegeben hat und die es nachher sicher auch noch geben wird. Wie wichtig war bzw. ist es dir bei deinen Texten mehrere Ebenen einzubauen, also gewissen Themen durchaus etwas abstrakter/analytischer anzugehen, ohne dann komplizierte Textungetüme zu fabrizieren?

Katharina Ginzel: Meine Stärke liegt mehr in der Musik als im Text. Daher freue ich mich umso mehr, wenn es mir gelingt, ab und zu Metaphern oder originelle Sätze einzubauen oder eben Dinge in indirekter und kreativer Weise anzusprechen.

Wie wurde die CD finanziert?

Katharina Ginzel: Aus der eigenen Tasche.

In welchen Formaten (CD, Download, etc.) und wo gibt es das Album?

Katharina Ginzel: Dieses Mal gibt es keine manuelle CD. Das Album kann man online auf allen Onlinstores, wie Youtube, Deezer, iTunes, Spotify, Amazon, etc. kaufen.

Mit Live-Konzerten schaut es im Moment ja eher schlecht aus, aber gibt es trotzdem Pläne für die Zukunft?

Katharina Ginzel: Ja, leider sehr schlecht. Mit The Dream Catchers hatten wir letztes Jahr einen tollen Aufschwung mit einigen Konzerten, da ist leider heuer so gut wie gar nichts gegangen. Hier sind wir aber sehr bereit, wieder aufzutreten. Mit mir als SOPHIJA habe ich in den letzten Jahren auftrittsmäßig kaum etwas gemacht – war quasi ruhend gestellt. Dann hatte ich im Frühling diesen Flow. Im Moment ist alles noch offen, wann und in welcher Form, ob Solo oder mit Musikern, es wieder Auftritte geben wird.

Danke für das Interview. 

Didi Neidhart

 

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