Fuzzman – Trust Me Fuckers

Eine wirklich schön bunt schimmernde Indiepop-Perle mit Tiefgang ist sie geworden, die nunmehr dritte Veröffentlichung von Herwig Zamerniks Soloprojekt Fuzzman. „Trust Me Fuckers“ (Lotterlabel), so der gewagte Titel des neuen Albums, offenbart sich als eine sehr vielschichtige, intensive, stimmungsvolle und mit erfrischenden Stilbrüchen versetzte Songsammlung, die vom ersten Moment an zu begeistern weiß. Den schwer zu meisternden Spagat zwischen Radiotauglichkeit und Anspruch famos vollziehend, bricht der Naked-Lunch-Bassist und Komponist von Film- und Theatermusiken bewusst mit den üblichen Popformaten und kreiert einen Sound, der nicht wirklich in eine einzelne Kategorie einordenbar ist. Was der gesamten Sache aber auch die vielen, vielen fesselnden Spannungsmomente verleiht. Präsentiert wird „Trust Me Fuckers“ am 6. Juni im Playback und Livestyleclub in Wien.

Waren die ersten beiden Solo-Veröffentlichungen von Herwig Zamernik im Sound noch stark dem konventionellen Indierock US-amerikanischer Prägung angenähert, vollzieht der Kärntner in seinen neuen Songs nun eine deutliche Abkehr von diesem. Es ist die bewusste Öffnung und Erweiterung des eigenen musikalischen Spektrums, die er betreibt, die Loslösung von den gängigen Mustern mit dem Ziel, Popmusik jenseits aller stilistischen Begrifflichkeiten zu kreieren. „Trust Me Fuckers“ ist definitiv kein Album, an dem eingeengt denkende Genre-Polizisten ihre Freude haben werden. Vielmehr setzt es, will man die Musik wirklich genießen, die Offenheit und den Willen voraus, sich auch einmal mit dem abseits des Gewöhnlichen angesiedelten auseinanderzusetzen.

Tut man dies, eröffnet sich einem ein faszinierender und über stimmungsvoller Indie-Kosmos, in welchem der Kärntner von allen Scheuklappen befreit gekonnt und kunstvoll mit den verschiedenen klanglichen Elementen aus dem Indiepop, Rock, der Elektronik jongliert. Was Herwig Zamernik entstehen lässt, sind ungemein facettenreiche und mit viel Liebe zum Detail arrangierte Lieder, die, alle Untiefen des Mainstreams umschiffend, fast zeitlosen Charakters sind. Die wahre Stärke des Naked-Lunch-Bassisten zeigt sich vor allem im Songwriting, versteht er es doch seine Ideen und Melodien in durchdachte und spannende Arrangements zu hüllen, so dass im Ergebnis die Songs, auch nach mehreren Durchläufen nichts von ihrem Reiz einbüßen und immer wieder auch neue Geheimnisse offenbaren.

„Trust Me Fuckers“ ist ein wirklich starkes Album, eines, das Liebhaber niveauvoller Popklänge auf jeden Fall einer intensiven Hörprobe unterziehen sollten. Es ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie anspruchsvoller, spannender und berührender, zugleich aber auch sehr gefälliger Indiepop auch heute noch erklingen kann. (mt)

 

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