
Was die 1994 gegründete Formation so besonders macht, ist vor allem ihr etwas aus dem Rahmen fallender Umgang mit dem Begriff der Popmusik. Die Art und Weise nämlich, wie das Wiener Quartett mit dessen Klischees spielt, diesen persifliert und humorvoll auseinandernimmt, kommt dem ganz großen musikalischen Kino schon recht nahe. Aktuelle, gerade populäre Musikströmungen wurden von Florian und Daniel Wisser, Jürgen Plank und Daniel Pfeffer noch nie als Orientierungspunkt herangezogen, vielmehr lässt sich ihr bisheriges Schaffen vor allem über die bewusste Verweigerung dieser wohl am treffendsten beschreiben. Ein Haltung, die auch auf dem neuen Album „Ütöpie“ ganz wunderbar zum Ausdruck kommt.
Es sind die ungewöhnlichen, weil sonst eigentlich kaum mehr verwendeten, Ingredienzen, aus welchen das Erste Wiener Heimorgelorchester seine Musik formt, die den Unterschied zu anderen Popformaten ausmachen. Keine Gitarrenklänge, kein Schlagzeug, kein wuchtiger treibender Bass, kein sonst noch etwas, alleine vier Orgeln sind es, die für den „etwas anderen“ Sound verantwortlich sind. Und dabei handelt es sich nicht einmal um teure Gerätschaften, sondern um billige „consumer keyboards“ der Marken Casio, Bontempi, Yamaha &Co, wie man sie im gewöhnlichen Handel bekommt. Was das Vierergespann aus dem zur Verfügung stehenden Equipment herausholt, ist an sich die wahre Kunst. Die Arrangements sowie das Songwriting sind durchdacht, soundtechnisch alles perfekt aufeinander abgestimmt, mit dem Ergebnis, dass auf dem neuen Album eine bärenstarke Nummer der anderen folgt.
Florian und Daniel Wisser, Jürgen Plank und Daniel Pfeffer beweisen mit „Ütöpie“ einmal mehr eindrucksvoll, welch kreatives und visionäres Arbeiten in der Popmusik immer noch möglich ist, dass es immer noch etwas zu sagen gibt und man dabei nicht unbedingt seine Eigenständigkeit aufgeben muss. Ein Album, das auf jeden Fall einer intensiven Hörprobe unterzogen werden sollte. (mt)