Foto Hunde der Einsamkeit
Hunde der Einsamkeit (c) Christian Ringbauer

Die Zusammenführung der verschiedenen künstlerischen Medien – PETER WAGNER im mica-Interview

Allein schon die Entstehung dieses monumentalen und mit „Hunde der Einsamkeit – Dein Schatten der Abfall – Die Eros Kadaver Show“ betitelten FilmMusikPoems ist eine Geschichte für sich. Ganze sechs Jahre Arbeit steckte der Musiker, Autor und Regisseur PETER WAGNER in sein Megaprojekt, in dem er den Versuch unternahm, die unterschiedlichen Kunstformen Film, Musik und Literatur zu einem funktionieren Ganzen zu vereinigen. Der Burgenländer sprach mit Michael Ternai über die Anfänge des Projekts, die Intention, die sich hinter diesem verbirgt, und die großen Herausforderungen, denen er sich zu stellen hatte.

„Hunde der Einsamkeit – Dein Schatten der Abfall – Die Eros Kadaver Show“ ist ja ein Riesenprojekt, an dem Sie sechs Jahre gearbeitet haben. Wo nimmt ein solches Monumentalwerk seinen Anfang?

Peter Wagner: Die eigentliche Initiation passierte im Jahr 2004. Damals hatte ich die fixe Idee, eine Ausgabe der Zeitschrift Profil zu dramatisieren. Ich habe mit der Titelseite, auf der Karl Heinz Böhm mit der Schlagzeile „Der beste Österreicher“ abgebildet war, begonnen. Auf den Seiten zwei und drei fanden sich bereits die ersten beiden Inserate, also habe ich auch diese szenisch umgesetzt, denn ich wollte ja die Dramatisierung der gesamten Ausgabe ohne Auslassung irgendeiner Botschaft. Auf diesem Wege ist eine Szenenabfolge entstanden, die rund hundert Seiten umfasste. Auf Seite 50 der Profil-Ausgabe habe ich schließlich resigniert, irgendwie konnte meine Suche nach den Abgründen in den vermittelten Botschaften mit deren ungefragter Penetranz nicht mehr mithalten. Auf jeden Fall habe ich das bis dahin verfasste Konvolut dem damaligen Literatur-Chef von Ö1 als Hörspiel angeboten. Auch weil meine damalige finanzielle Situation prekär war und ich Geld brauchte.
Vielleicht sollte ich dazu anmerken, dass ich während der Schwarz-Blauen-Koalition mehr und mehr das Gefühl bekam, dass sich eben gerade durch diese neue politische Konstellation in Österreich atmosphärisch etwas veränderte. Und dieses Gefühl wollte ich in diesem ursprünglich als Theaterstück angedachten Hörspiel, das ich „Inland“ nannte, wiedergeben beziehungsweise zum Ausdruck bringen. Das Hörspiel ist zwar produziert worden, aber es durften keine Charaktere mit den Namen Haider oder Schüssel vorkommen. Das heißt, ich musste alle handelnden Personen der Innenpolitik mit Synonymen belegen. Das Skript wurde also ordentlich zensuriert, um es „sendetauglich“ zu machen.

Wie ging es danach weiter?

Peter Wagner: 2005 haben Rainer Paul [Gitarrist und kreativer Partner von Peter Wagner im musikalischen Teil des Projekts und gemeinsam mit ihm Kern der Formation „Eros Kadaver und Sein Fürst“, Anm.] und ich aus einem eher unklar umrissenen Impuls heraus begonnen, Songs zu schreiben und aufzunehmen, und zwar fast wie auf dem Fließband. Wir sind mit der „Eros-Kadaver-Show“ in der Folge auch mit einer sechsköpfigen Band mehrmals aufgetreten.
Anfang 2009 hat sich dann in einer Kellerbar im südburgenländischen Kemeten eine erste Dreh-Episode für einen bis dahin nicht geplanten Film ergeben. Ich habe dort – gemeinsam mit Schauspielerinnen und Schauspielern, mit denen ich zu diesem Zeitpunkt an einem Theaterprojekt arbeitete – in 38 Stunden eine Szene aus dem literarischen Konvolut „Inland“ abgedreht. In den kommenden Jahren wurde es schließlich zu einer Art Gepflogenheit, im Anschluss an eine Inszenierung am Theater mit den jeweiligen Schauspielerinnen und Schauspielern eine weitere Episode aus dem Material von „Inland“ zu verfilmen. Im Laufe der Jahre sind auf diese Weise zwischen 10 und 15 Episoden entstanden, mehrheitlich mit Darstellerinnen und Darstellern aus Kärnten, weil ich ab 2010 vornehmlich Regie für das klagenfurter ensemble machte. Ich hatte damals eigentlich nur eine Gewissheit: Ich würde sämtliche in dieser Zeit entstandenen Filmsequenzen mit der Musik, die im selben Zeitraum entstanden ist, koppeln und zu einem eigenen filmisch-literarisch-musikalischen Werk verarbeiten.
Was mir allerdings fehlte, war ein verbindender dramaturgischer Bogen, der sich über die einzelnen Episoden spannte. Im Frühjahr 2013 inszenierte ich mit Michael Kuglitsch – einem Schauspieler und Performer aus Klagenfurt – und Bella Ban am klagenfurter ensemble drei kürzere dramatische Werke von Gerhard Lampersberg, allesamt Uraufführungen, die ich zu einem Triptychon verschmolz, wobei ich auch einige filmische Elemente einbrachte. Dabei überraschte mich besonders die originäre, unverstellte Präsenz der bildenden Künstlerin Bella Ban vor der Kamera, sie war einfach sensationell.

In den beiden, Michael Kuglitsch und ihr, hatte ich mit einem Schlag das Missing Link für den Film gefunden, das diesen schließlich gemeinsam mit der Musik zu einem Gesamtwerk machen sollte: Zwei allegorische Figuren, die in einer nicht näher definierten medialen Wirklichkeit über dem Schicksal der anderen, realen Filmfiguren, die sich alle an einem einzigen Tag irgendwie auf den Tod zubewegen, walten. Dieser Ansatz ist, kann man sagen, der wahrscheinlich gewichtigste dramaturgische Faden, der sich durch „Hunde der Einsamkeit – Dein Schatten der Abfall – Die Eros Kadaver Show“ zieht.

Hunde der Einsamkeit
Hunde der Einsamkeit (c) Christian Ringbauer

In dieser Konstellation fungiert der Schatten als bürokratische Todesfigur: Er spitzt den Bleistift, ehe er sich ans Tageswerk macht – nämlich die von ihm zu erledigenden Schicksale zu bearbeiten und abzuhaken. Wohingegen seine komatöse Herrin in der Trinität von Weiß, Rot, Schwarz bzw. Jägerin, Vollmond und Tödin in einer Art mythologischem Rückgriff als das Schicksal von Menschen, die sich kaum noch selber kennen und sich wohl erst im Augenblick des Todes erfahren, schlagend wird.

Hinter der Stilisierung vermeintlicher Irrationalitäten zu einer möglichen Aussage steht bei mir stets der Gedanke, dass ich die Welt ja doch nicht erklären kann. Ich kann aber die Fiktion als Hypothese bedienen und versuchen, mental verfängliche Punkte zu finden, an denen sich unser Dasein fokussiert. Das war mehr oder weniger mein Versuch, zumal in einem Werk, das ja bewusst nicht nur auf einer künstlerischen Ebene funktionieren sollte. Stärker und umfassender als in jeder anderen meiner bisherigen Arbeiten beziehe ich in diesen Versuch allerdings auch das Scheitern beziehungsweise das mögliche Missverhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis mit ein.
Wie gesagt, die Brücke, die sich über dieses FilmMusikPoem spannt, habe ich für mich erst relativ spät gefunden. Wir haben eigentlich wie Wanderer, die ihr Ziel nicht kennen, parallel an den Songs gearbeitet und an den Szenen gedreht. Und dieser Zugang hat zu sehr vielen Verästelungen geführt, die man dann vielleicht auch als eine gewisse ästhetische Inhomogenität spürt – was aber nicht nur ein bewusst eingegangenes Risiko war, sondern der Neugier auf ein so oder so nicht kalkulierbares Ergebnis geschuldet war: Da sind laufend neue dramaturgische Muster entstanden, sowohl für den Film als auch für die Musik, die alles davor über den Haufen werfen bzw. konterkarieren konnten. Aber das war nun einmal das Abenteuer, auf das ich, der sonst so gewissenhaft vorbereitete Regisseur, mich einlassen wollte. Und das gilt in gewisser Weise auch für den Roman „Kreuzigungen. Ein Triptychon“, an dem ich ja auch noch parallel zu Film und Musik arbeitete.

„Dort, an diesem Ort ist in mir die Gewissheit gewachsen, dass ich mich von meinen eigenen Figuren nicht trennen kann, dass ich meine Miturheberschaft für das, was sich meinen Augen zeigt, gerade auch in den schlimmsten Ausformungen, nicht leugnen kann.“

Den Roman haben Sie ja in Kroatien zu Ende geschrieben, oder?

Peter Wagner: Im Frühjahr 2012 habe ich mich in Istrien mehrere Wochen eingesperrt, um den schon vor 22 Jahren begonnene Roman nun endlich zu Ende zu bringen. Um in dieser Zeit den Kopf freizubekommen, bin ich nach dem schriftstellerischen Tagespensum immer wieder an den Strand spazieren gegangen. An einen Strand, in dem sowohl die Bora als auch die Menschen ein massives Quantum an Müll und Dreck hinterlassen. Man kann es sich kaum vorstellen: In den Bäumen hängen Fetzen von Plastik und auch sonst überall liegt der Zivilisationsmist auf den Küsten. Mein Schatten ist also – da die Sonne am Abend vom Westen her flach einfiel – immer über diesen Müll gefallen. Dort, an diesem Ort ist in mir die Gewissheit gewachsen, dass ich mich von meinen eigenen Figuren nicht trennen kann, dass ich meine Miturheberschaft für das, was sich meinen Augen zeigt, gerade auch in den schlimmsten Ausformungen, nicht leugnen kann. Ich habe die Morbidität, die unweigerliche Nähe der Zivilisation zu ihrem Schatten, letztlich zu ihrem Tod, der sich längst verselbständigt hat, gespürt wie niemals davor. Diese schmerzhafte Erfahrung ist letztlich nicht nur in den 2013 veröffentlichen Roman eingeflossen, sondern in der Schatten-Allegorie auch in „Hunde der Einsamkeit – Dein Schatten der Abfall – Die Eros Kadaver Show“.

Sie sprachen auch die Musik an. Wie entsteht sie bei Ihnen? Und welche Rolle spielt sie?

Peter Wagner: Generell war es so, dass ich die Songs geschrieben habe, wobei Rainer für den Film als Trompeter auch einen Trauermarsch und einen wunderbaren, minimalistischen Song beigesteuert hat. Ich schreibe meine Songs im Grunde in ein paar Minuten. Ich bin in dem Sinne kaum ein Tüftler. Wenn nach zehn Minuten nichts Brauchbares herausschaut, das heißt der originäre Impuls kein Ergebnis zeitigt, dann weiß ich, das wird nichts mehr. Rainer kommt die Aufgabe zu, den Dingen eine Form zu geben und sie zu arrangieren. Er hat ja schon bei fünf oder sechs Filmen und Theaterstücken von mir die Musik gemacht und weiß daher in etwa, in welche Richtung es gehen soll. Uns verbindet mittlerweile ein starkes gegenseitiges, intuitives Verständnis, was sich natürlich positiv auf unsere Zusammenarbeit auswirkt.

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Hunde der Einsamkeit (c) Christian Ringbauer

Für mich stand bereits nach der ersten abgedrehten Episode fest, dass ich die Musik in diesem Fall anders als bislang in Filmen verwenden würde. Ich wollte auf keinen Fall Musik im Sinne einer Filmmusik, die ja in ihrer Eigenschaft als suggestive Verstärkung der Bilder eine stets nur dienende Rolle einnimmt – und das wahrscheinlich aus gutem Grund. Der bewusst gewählte Kontrapunkt von Musik und Bild hat – zumindest für mich als Regisseur des Films und Komponist der meisten Songs – einen jedenfalls eigenen dramaturgischen Drall erzeugt. Es entstanden unabhängig voneinander unterschiedliche Teile, die inhaltlich eigentlich gar nichts miteinander zu tun hatten, im Zusammenwirken aber dennoch etwas eigenes ergaben. Daher sollte es möglich sein, das Buch zu lesen, ohne den Film gesehen zu haben. Den Film sollte man sehen können, ohne das Buch gelesen zu haben und die CD sollte man hören können, ohne irgendwas gesehen oder gelesen zu haben. Es sind drei so unterschiedliche wie eigenständige Erzählungen, sowohl in Inhalt als auch Ästhetik, die nebeneinander stehen bzw. bestehen, die gleichzeitig aber auch ihre Wechselwirkung zueinander nicht verleugnen können oder wollen. Ich finde vor allem auch die Art der Präsentation mit Live-Musik sehr spannend, weil in der Kraft des Live-Tons und seiner Protagonisten diese Wechselwirkung, ja auch die sensorische Divergenz stärker zu spüren sind, als wenn nur der Film selbst abliefe. Demnächst möchte ich – und das wäre der nächste Schritt – auch die Wirklichkeit des geschriebenen Worts aus dem Buch in die Präsentation miteinbeziehen. Aber so weit bin ich noch nicht.

„… in dem Moment, in dem das Publikum aufhört, mit aller Gewalt aus einem labyrinthischen Gespinst einen Inhalt ziehen zu wollen, in dem Augenblick wird es auch freier für beides, für die Musik und für das Bild.“

Ist diese Art der Präsentation mit all ihren Verästelungen für das Publikum nicht zu komplex?

Peter Wagner: Ich sage den Leuten vor jeder Live-Präsentation, dass es sich hier um eine Geschichte handelt, die man nicht verstehen, sondern vielmehr empfinden muss. Und siehe da, in dem Moment, in dem das Publikum aufhört, mit aller Gewalt aus einem labyrinthischen Gespinst einen Inhalt ziehen zu wollen, in dem Augenblick wird es auch freier für beides, für die Musik und für das Bild. Es braucht diesen Hinweis am Anfang, einfach um das Publikum vom seinem Rezeptionszwang zu befreien, vielleicht sogar zu erlösen. Man muss nicht automatisch immer verstehen, worum es in einem überhaupt Film geht. Andererseits ist es nicht so, dass die Episoden, die Geschichten in der Geschichte nicht sehr wohl nachvollziehbar wären, sie sind nur in ihrer Summe womöglich schwer erfassbar, also genau in jener Quintessenz, die ein Zuseher gerne aus dem Kino mit ins Freie nähme.
Du bist ja als Regisseur in gewisser Weise dafür verantwortlich, was für Dinge du den Leuten zumutest und wie du damit umgehst. Aber natürlich stößt du dabei möglicherweise auch in Grenzbereiche vor. Ich habe bei der Premiere eine Frau erlebt, die gehen musste. Sie ist als Kind von ihrem Vater vergewaltigt worden und hatte auch ein traumatisches Ehe-Erlebnis mit drei Kindern. Sie hat den Film nicht ertragen, genauso wenig wie die Musik. Und das, obwohl ich in jedem meiner Filme auf die sichtbare Gewalt bewusst verzichte. Solche Reaktionen gibt es eben auch. Und man fragt sich, wo ist die Ursache in diesem Fall – und wo die Wirkung.

Die Musik soll die Bilder der Episoden verstärken.

Peter Wagner: Eben nicht. Es war meine erklärte Absicht, genau diesen Weg – nämlich die Unterstützungskraft der Musik für die Aufwertung der Bilder – eben nicht zu gehen. Vielmehr sollte die Musik ihre autonome Strahlkraft jenseits aller Dienstbarkeit beibehalten. Ich habe mir davon eine Art sinnlicher Reibung versprochen. Für mich war es nicht entscheidend, dass die Dinge vordergründig zueinanderpassen. Ganz blöd gesagt: Wenn ich eine Liebesszene mit dunklen, geheimnisvollen, schmalzigen Sounds verbinde, dann löst sich das Publikum in Tränen auf und freut sich furchtbar über dieses „Eingewiegelt werden“ in die Gewissheiten und Wünsche der eigenen Unbedarftheit, die ihn vor jeglicher genaueren Überprüfung seiner emotionalen Reaktionsmuster schützt. Genau das wollte ich durchbrechen. Ich wollte einen harten Block nicht durch einen weichen unterstützen, sondern Dynamiken aufeinander treffen lassen, deren Ergebnis nicht kalkulierbar ist.

„Ich glaube, ich bin in diesem Projekt mindestens zehn Roten Fäden gefolgt.“

Wie schwer ist es, bei solch einem Projekt, das solch eine lange Entstehungszeit in Anspruch nimmt, das Ziel vor den Augen zu behalten bzw. den berühmten Roten Faden nicht zu verlieren?

Bild Peter Wagner
Peter Wagner (c) Christian Ringbauer

Peter Wagner: Ich glaube, ich bin in diesem Projekt mindestens zehn Roten Fäden gefolgt. Ich hatte über die Jahre hinweg das Gefühl, immer zwei Zentimeter vom Ende entfernt zu sein. Aber fehlen dir diese zwei Zentimeter über die Jahre und hast du das irgendwann einmal akzeptiert, dann ist das wie die berühmte Schlussfolgerung von Camus: Sisyphos war ein glücklicher Mensch. Ich war kein glücklicher Mensch, ich wollte, banal gesagt, meiner tatsächlichen Sehnsucht folgen und zu einem tatsächlichen Ende finden. Ich hatte zwar den Wildwuchs ganz bewusst in Kauf genommen, bin aber irgendwann doch an dem Punkt gelandet, an dem ich mir sagte: Wenn du dir jetzt nicht in Form und Inhalt das Ultimative abringst, dann arbeitest du die nächsten zwanzig Jahre weiter so und wirst noch immer zwei Zentimeter vom Ende entfernt sein. 2013 – also im fünften Jahr – ist es mir dann mit den beiden vorher schon erwähnten Darstellern gelungen, die dramaturgische Brücke zu schlagen. Natürlich gab es weiterhin noch die eine oder andere Unstimmigkeit, das Ende war dann aber doch absehbar.

Wie stemmt man so ein Projekt finanziell? Haben Sie dafür Förderungen bekommen?

Peter Wagner: Ich bin Förderungen bewusst ausgewichen. Falls der Film jemals Gewinn abwerfen sollte, sind die Darstellerinnen und Darsteller mit sechzig Prozent am Gewinn beteiligt. Was die meisten Kosten verursacht hat, war die Technik. Letztlich ist die Burgenländische Landesregierung mit einem Unterstützungsbeitrag von € 7.000.- eingesprungen, damit konnte ich, ohne mich finanziell völlig auszubrennen, zumindest die Technik für die letzten Drehtage finanzieren.

Ist es für Sie vorstellbar, das Projekt auch im Rahmen von Festivals vorzustellen?

Peter Wagner: Momentan bin ich noch nicht im Stande, den Film an Festivals zu schicken. Ich muss noch eine Möglichkeit entwickeln, ihn jenseits seiner Präsentabilität als Live-Event auch für den Konsumenten vor dem Bildschirm erträglich bzw. in der gebotenen Mindestform kulinarisch zu machen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man gegen die gängigen Rezeptionsmuster, die uns die Filmindustrie beschert hat, arbeitet.

Sie sind ja mittlerweile mehrfach ausgezeichnet worden. Unter anderem haben Sie den Burgenländischen Volkskulturpreis bekommen.

Peter Wagner: Nun ja. – Ferry Janoska und ich, verantwortlich für die Musiktheaterproduktion „Der Fluss“, hätten in diesem Jahr den burgenländischen Volkskulturpreis bekommen, nur haben wir uns geweigert, ihn vom Landeshauptmann nach der Konstituierung der rot-blauen Koalition entgegenzunehmen. Das hat für einige Aufregung gesorgt. Wir haben versprochen, den Preis  – 1.500 Euro – an die Pannonische Tafel zu spenden, also an eine Initiative,  die hungernden Leuten Essen gibt. Nur wurde das Geld bis heute (15. Dezember 2015, also seit über einem halben Jahr!) vom Landeshauptmannbüro nicht überwiesen …
2013 hat man dem OHO (Offenes Haus Oberwart) unter meiner Obmannschaft den Österreichischen Kunstpreis und 2014 den Bank Austria Preis verliehen. Den bekamen wir für das Projekt „Wächter über Oberwart“. In dem Projekt versuchte ich, anhand der sechs Friedhöfe der Stadt und der Biografien einzelner Verstorbener das historische Zusammenleben der Volksgruppen in Oberwart zu beleuchten. Zu sehen war „Wächter über Oberwart“ im Rahmen einer Ausstellung, es ist auch eine Buchversion und eine eigene, umfangreiche Website erschienen. Dieses Thema hatte davor noch nie jemand ausgegraben. Und vielleicht bin ich mittlerweile ja in jenem Alter, in dem man verstärkt eingeladen wird, sich die Preise abzuholen. Sie schmeicheln natürlich dem Ego – ob das deshalb auch schon relevant ist, zumal für die eigene Arbeit und ihr Ethos, mag dahingestellt sein.

Danke für das Gespräch.

Michael Ternai

 

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