… von Knoten, Schlingen und Schleifen…: Präsentation eines Jugendprojekts durch die Jugendlichen selbst

Die 22 zwölf-, dreizehnjährigen Mitglieder der Blasinstrumentenklasse 2D des Gymnasiums Billrothstraße stellten am Montag bei Wien Modern selbst ein Spiel- und Kompositionsprojekt vor, dass sie im von Gerald Resch und Thade Buchholz (Musikpädagoge an der Uni Wien) geleiteten Workshop entwickelt hatten. Abwechselnd übernahmen die Kinder auch selber die Moderation. Sie sind in den vollbesetzten Schönberg-Saal im Wiener Konzerthaus einmarschiert und besetzen die vorbereiteten Plätze vor den Pulten. Alle stehen auf und verbeugen sich. Es ist „wie in einem Konzert“.

Alle kommen dran. Eine erste kleine gemischte Gruppe tritt vor, eine Schülerin ergreift ein Mikrophon und stellt die Kinder vor und das was sie gemacht und erarbeitet haben. „Liebe Eltern, Freunde, Lehrer, Zuhörerinnen und Zuhörer. Wir spielen ihnen heute das Musikstück ‚Knoten’ vor. Aber zuerst erzähle ich Ihnen etwas über unsere Klasse. Sie spielen verschiedene Instrumente: Tuba, Euphonium, Posaune, Horn, Trompete, Saxophon, Klarinette, Oboe und Querflöte. Es gibt auch noch Geige. Wir spielen zwei Mal in der Woche miteinander. Unser Konzert verläuft so. Zuerst legen wir hier unser  Seil und danach spielen wir Ihnen unsere Stücke vor. Und jetzt …“ Eine andere übernimmt: „ Mit diesem Kompositionsprojekt hatten wir Kinder die Chance, unsere eigenen Stücke zu komponieren. Wir trafen uns an Nachmittagen mehrmals,  und auch in unseren Musikstunden. Wir erkannten, dass Komponieren nicht einfach ist. Natürlich ging das nur mit Hilfe unserer Musiklehrerin Frau Professor Jiranek und unserer Workshop-Leiter von der Uni. Herr Resch komponierte das Stück ‚Knoten’. Wir spielten auch nach Karten mit verschiedenen Noten und mit verschiedenen Farben. Ob uns das Komponieren gelungen ist, das, meine Damen und Herren, entscheiden Sie.“

„Herr Buchborn hat uns ein Kletterseil mitgebracht und zerschnitten. Das konnte man auf verschiedene Arten legen. Wir wurden in Gruppen eingeteilt und jede Gruppe hat ihr eigenes Stück mit den Seilen komponiert.“ „Weiters machten wir in den verschiedenen Gruppen aus unseren Ideen Karten. Zum Beispiel Knoten- und Wellenkarten.“ Zwei Kinder zeigen solche vor. „Du hast eine Wellenkarte und ich eine Knotenkarte.“ –„ Wir wurden von Herrn Resch und Herrn Buchborn mittels Symbolen dirigiert. Auf diesen Symbolen … (legt das Seil aus) … wir werden Ihnen ein kleines Stück vorspielen (dirigiert, die Kinder blasen eine Linie) … dann kommen immer mehr Zeichen und Symbole hinzu“ … „Zweistimmig, das eine Seil ist tief, das andere hoch.“ (Dirigiert, man hört einen Zweiklang, den die Kinder auf ihren Instrumenten blasen, dann kommt eine Welle, es geht weiter auseinander, dann wieder zusammen) … Es wird ein verschlungener Knoten dazugelegt, dann zwei – das muss man hören und es wird vorgeführt. Immer ein Kind dirigiert und gibt auch einzelnen Musikerinnen und Musikern  Einsätze.  „Wir wollen jetzt zeigen, welche Stücke wir komponiert haben“.

Eine andere Fünfer-Gruppe tritt auf den Plan: „Unser Stück heißt: ‚Die verrückte Raupe’. Wir, das sind … (nennt alle Namen und Instrumente) … „Wir haben verschiedene Farben auf ein Papier gezeichnet. Jede Farbe steht für ein anderes Musikinstrument. Zum Beispiel Grün ist die Flöte, Rot ist die Trompete, Rosa das Saxophon. … Jetzt freuen Sie sich auf das Stück ‚Die verrückte Raupe’.“ (Das Stück wird mit zwei Dirigen(tinne)n aufgeführt, auch das Seil und die Knoten gehören zur „Partitur).

Es kommt noch „Das leuchtende Meer“ und „Keine Reihenfolge“ (Erläuterung: „Aber immer aus denselben Elementen“).  Es gibt viel Applaus. Resch und Buchborn hielten sich bei der Präsentation völlig zurück und hörten zu. Letzterer hat auch das Projekt durchgesetzt, dass an diesem Gymnasium im Kontext mit dem regulären Musikunterricht sich Kinder zum Erlernen eines Blasinstrumentes melden können und entsprechenden Unterricht erhalten.

Gemeinsam mit dem Komponisten Gerald Resch, der auch als Uni-Lehrer tätig ist, entwickelte er dieses Wien Modern-Projekt. Resch erläuterte im Anschluss, dass ihm dieses Projekt sehr viel Spaß machte, er habe ja noch nie an einer Mittelschule unterrichtet. „Es wird in den Stunden“ (der Workshop umfasste etwa 20 Stunden) auch viel gelacht und geblödelt, und man muss die Erfahrung machen, wann und wie man die Schüler motivieren kann, wo man sie anfeuern kann usw.  Die heutige geplante ‚Konzertsituation’ hat zweifellos den Ehrgeiz bei den Kindern geweckt, das nahmen sie sehr ernst und wollten es möglichst gut machen…“

Resch hatte ja die Idee, ein bestehendes Stück Neuer Musik (die Ausgangskomposition, sein Fagottkonzert  „Knoten“,  wurde im Anschluss an die Präsentation im Konzerthaus wenig später im Brahms-Saal im Musikverein zur Aufführung gebracht) als eine Art Keimzelle für weitere spielerische Kompositionen und Improvisationen zu verwenden.
Heinz Rögl

http://www.wienmodern.at/