Schnittpunkte der Musik 2024

Das Festival SCHNITTPUNKTE DER MUSIK zeigt sich auch heuer als ein musikalisches Drehkreuz für die verschiedenen Musikgattungen und Stile. Freuen darf man sich in diesem Jahr auf Musiker:innen aus unter anderem Tschechien, Indien, Deutschland, Schweiz, Ukraine, Österreich, Frankreich, Taiwan, und Slowenien. Ort des Geschehens ist wie immer das GASTHAUS PUMMER im südburgenländischen Heiligenkreuz. Los geht es am 4. Mai mit einem Konzert des ORCHESTRE TOUT PUISSANT MARCEL DUCHAMP. Seine Fortsetzung findet das Festival am 10. Mai.

Das von Udo Preis veranstaltete Festival Schnittpunkte der Musik ist seit mittlerweile vielen Jahren Institution und Pilgerstätte für die Liebhaber:innen der experimentellen, avantgardistischen und improvisierten Klänge. Was eigentlich auch nicht allzu sehr verwundert, legt der Chef des Vereins Limmitationes doch größten Wert darauf, dem Publikum immer das etwas andere und nicht wirklich Herkömmliche zu präsentieren.

Sich mit stilistischen Fragestellungen nicht lange aufhaltend, versteht der Burgenländer sein Festival als einen Ort, an dem bewusst die Grenzen zwischen den Kunst- und Spielformen gesprengt werden sollen und die Beteiligten dazu angehalten sind, doch auch die musikalisch unkonventionellen Wege zu beschreiten. Erlaubt ist quasi alles, was getragen ist vom Geist des Innovativen, radikal Improvisierten, Ungewöhnlichen und dem Mainstream komplett Entgegengesetzten.

Michael Ternai

============    TAG 1    ============

04.05.  –  19 Uhr

Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp

Das 2006 von Vincent Bertholet (Hyperculte) gegründete Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp ist ein groß angelegtes Projekt. Es ist wie ein echtes Orchester konzipiert, wobei die Größe des Ensembles im Laufe der Zeit variiert. Mit nunmehr 12 Mitgliedern – früher waren es 14 – hat das Ensemble die Bühnen Europas bereist, um zu beweisen, dass die Formel “je mehr, desto besser” noch nie so wahr war wie auf der Bühne.

Das Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp (ein spitzbübischer Titel als Hommage an traditionelle afrikanische Gruppen – Orchestre Tout Puissant Konono n°1, Orchestre Tout Puissant Polyrytmo etc… – und an einen der größten Dynamiker der Kunst des 20. Jahrhunderts) umarmt die Formen seiner Musiker und treibt sie gleichzeitig an ihre Grenzen. Das Ergebnis ist ein kraftvoller, experimenteller, instabiler und furchtbar lebendiger, organischer Sound. 

Um zwölf Musiker herum, die aus ihrem jeweiligen Biotop ausgerottet wurden, entwickelt es eine repetitive Musikalität, die, in aufeinanderfolgenden Wellen eingesetzt, ein Gefühl von Trance erzeugt. Die Mischung aus Free Jazz, Post Punk, High Life, Brass Band, symphonische Mischungen und Krautrock, ihr Sound über die Grenzen des Genres hinaus. Transzendental, fast rituell, ist die Musik ein Paar.

============    TAG 2     ============

10.05. – 19 Uhr

PETRA HALLER und OLLY CHALK

Petra HALLER: Tapdancing
Olly CHALK: Piano

Augen und Ohren offen für eine bahnbrechende Verschmelzung von Rhythmus und Harmonie, wenn die renommierte Stepptänzerin und Musikerin Petra Haller, die vor allem für ihre improvisatorischen und interdisziplinären Darbietungen bekannt ist, mit dem angesehenen improvisierenden Pianisten und Komponisten Olly Chalk zusammenarbeitet. Das Duo wird einen unvergesslichen Auftritt beim kommenden Limmitationes-Festival in Österreich geben. Diese Zusammenarbeit zwischen zwei innovativen Künstlern verspricht den Status Quo zu zerstören und die Musikszene wirklich neu zu definieren.

In dieser neuartigen Zusammenarbeit werden Chalks verträumte Harmonien mit Hallers rhythmisch komplizierten Stepproutinen verwoben und läuten so ein spannendes Kapitel im Genre der Improvisationsmusik ein. Hallers Leidenschaft für Stepptanzimprovisationen und Chalks kühne Improvisationen am Klavier verschmelzen zu einer Aufführung, die avantgardistisch und dennoch tief in der Tradition verwurzelt zu sein verspricht.

Diese beiden Innovatoren sind bereit, die Bühne im Sturm zu erobern und das Publikum mit einem Erlebnis zu verzaubern, das zweifellos sowohl multisensorisch als auch facettenreich sein wird. Ihre Darbietung durchbricht auf wirklich einzigartige Weise Barrieren und wird mit Sicherheit Aufmerksamkeit erregen und einen bleibenden Eindruck bei allen Anwesenden des Limitationes-Festivals in Österreich hinterlassen.

Diese Verschmelzung von Klängen und Beats ähnelt einem rhythmischen Tanz und einer Harmonie, die im Einklang miteinander synchronisiert werden, und ist ein mit Spannung erwartetes Ereignis im Musikkalender des Jahres 2024.

MIKYSKA/ KUNC

Ian MIKYSKA Viola da Gamba
Miloš KUNC Piano

Philosophie des freien Spiels: “Improvisierte Musik zu spielen bedeutet, Unvollkommenheiten zu akzeptieren. Es ist ein Ringen um so etwas wie Perfektion mit dem Wissen, dass, wenn wir es nicht schaffen, die Reise genauso wichtig war. Für mich ist es eine Therapie und eine Erleichterung gegenüber einem Kompositionsprozess, der oft Wochen oder Monate dauert, aber das bedeutet nicht, dass es einfacher oder leichter ist – es ist einfach verdichteter, intensiver, offener, unvorhersehbarer, mehr wie die Welt, in der wir leben.

Ian Mikyska (geboren 1994) ist ein in Prag lebender Komponist, Musiker und Künstler. Er spielt sowohl komponierte als auch improvisierte Musik, vor allem auf Viola da Gamba, (mikrotonalen) Gitarren und Blockflöten, u. a. in zwei von ihm mitbegründeten Ensembles,

Miloš Kunc (*2002) ist ein junger Pianist, Oud- und Klarinettenspieler aus Prag. In seinen Bands wie Trio Henya oder Jeux ist das Mischen von geschriebener und komplett improvisierter Musik mit theatralischen Elementen alltäglich und eine Quelle ständiger Inspiration, ebenso wie die Teilnahme an verschiedenen ortsspezifischen Klang-/Tanzperformances und Workshops.

NANCELOT

Nancy J. MEIER: Flöten
Eline GROS:  Flöte
Camille QUINTON: Flöte
Anett KÁLLAI: Flöte
Tilo WEBER:   Drums

NANCELOT rund um die Berner Jazzflötistin Nancy J. Meier verzaubert sein Publikum mit großer Spielfreude. Die Band veredelt gekonnt Nancys Kompositionen mit ausgefuchstem Zusammenspiel. Sie verstehen es, komplexe Musik in all ihrer Unrealistik als verspielte Gedichte zu präsentieren.

NANCELOT hat den Anspruch, etwas Neues zu schaffen. Die Grundbesetzung von vier gleichen Querflöten ist wohlüberlegt, herausfordernd und vielseitiger als der erste Blick vermuten lässt. Was dabei entsteht, ist ein fantasievolles Extrakt aus verwinkelten Harmonien und Stimmen, die wundersame Geschichten erzählen. Doch dann kommt das Schlagzeug dazu. Die wilden, durchwobenen Rhythmen und Melodien werden noch farbiger und die Band entwickelt sich auf eindrucksvolle Weise zu einem seltsam anmutigen Geflecht aus Fröhlichkeit und Nervenkitzel.

Das aktuelle Programm heißt „Thoughts Of Plants“ und vertont das Verliebtsein, Pläne, Wünsche und gewisse herausragende Angewohnheiten von Wohnzimmerpflanzen. Musikalisch bedeutet das eine seltene Dramaturgie, eine Geschichte zu erzählen, Spannungsbögen mit Höhen und Tiefen zu kreieren. Dabei spielt das Quartett nicht nur ausgeschriebene Musik, sondern traut sich, unerschrocken in improvisatorische Tiefen vorzudringen. Die vier Flötistinnen mit dem Schlagzeuger bringen so ein Konzept auf die Bühne, das Brücken von klassischer Musik zum Jazz schlägt. Es wird nachhaltig geprobt, um die maßgeschneiderte Musik dem Publikum auf bestmögliche Art zu präsentieren.

============    TAG 3     ============

11.05. – 19 Uhr

RESHMA SRIVASTAVA

Reshma SRIVASTAVA: Sitar-Solo

Reshma stammt aus Allahabad und hat die Gabe der Musikalität von ihrer Familie geerbt, insbesondere von ihrem Vater, dem Tabla-Maestro und Autor Prof. Girish Chandra Srivastava.

Seit den frühen 1990er Jahren ist Reshma mit ihrer gefühlvollen Musik und ihren Live-Auftritten international sehr präsent. Sie ist regelmäßig in verschiedenen Ländern Europas und des Nahen Ostens aufgetreten, darunter in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Belgien, der Schweiz, Italien, Kroatien, Slowenien, der Türkei, Griechenland, Zypern, Israel und Großbritannien. Seit 1995 lebt Reshma in den Vereinigten Staaten und begeistert ihr Publikum mit ihren Auftritten auf der Sitar in den ganzen USA und weltweit. 

SMART METAL HORNETS – TRIO:

Gernot STREBL: Tenor-/Sopran-/Altsaxophon, Klarinette,
Sascha RYNDENKO: Bariton-/Tenor-/Sopransaxophon, Bassklarinette
Christoph WUNDRAK: Flügelhorn, Eufonium, Cornett, Tuba, Komposition/Arrangement                     
Klaus FÜRSTNER: Drums/Percussion

Für mich ist diese aktuelle Hornets-Besetzung die beste, die es in den letzten 33 Jahren in Sachen Kompetenz, Spielfreude und Kreativität gegeben hat! Dafür sind die Neuzugänge Oleksandr Ryndenko (UKR) an Saxofonen und Bassklarinette sowie Klaus Fürstner(A) an Drums&Percussion mit Sicherheit mitverantwortlich. Das ist auf dem aktuellen gelungenen Tonträger ‚Hornotter-Rag’ (ATS-Records) auch sehr erfreulich dokumentiert. Das bewährte Grundkonzept von stilistischer und klanglicher Vielfalt gepaart mit Originalität und Spielwitz erfährt jetzt eine hörbare Aufwertung! Das ist eine indirekt positive Konsequenz der traurigen Corona-Zeit, ohne die diese Neuformierung nicht passiert wäre! Wieder mal eine Bestätigung der alten Weisheit, dass in allen Katastrophen immer auch positives Potential steckt.

Ein Blech- und zwei Holzbläser, deren herausforderndes Hauptanliegen „Humorvoller Groove“ ist. Und zwar in einem stilistischen Feld von schräger Volxmusik über witzige Arrangements von Rock-Klassikern bis zu jazzigen/rockigen eigenen Werken, die keine Berührunsängste mit ‚anderen musikalischen Welten’ haben und den Großteil des Programms darstellen. Durch das breite Instrumentarium und die stilistische Vielfalt entsteht ein klanglich wie stilistisch variabler, unterhaltsam/origineller Klangkörper auf hohem Niveau.

MATTHIEU MAZUÉ Trio

Matthieu MAZUÉ: Piano
Xaver RÜEGG: Bass
Michael CINE: Drums

Seit 2019 eignet sich dieses Trio ein Repertoire an, das der Pianist Matthieu Mazué vorschlägt und formt daraus Skulpturen. Die von den drei Musikern entwickelte Musik ähnelt massiven Felsblöcken mit verschiedenen Formen. Inspiration und Erbe sind hier um in einer Musik zusammenzuleben, in der die Gesten der Improvisatoren die Konturen eines kollektiven Klangs formen.

Die Improvisation ist gleichzeitig Ausgangspunkt und Ziel einer Musik, die eine historische Instrumentierung wiederbelebt.

Der junge Franzose und die beiden jungen Schweizer bilden ein Klaviertrio, das mit seiner Frische viel vom etablierten Jazz hinter sich lässt. – Ulrich Stock, Die Zeit, 2021

„Ein Trio mit außergewöhnlichen Qualitäten. Dieses Trio hat eine bemerkenswerte Interaktion zwischen gleichberechtigten Spielern. Die Formation ist kraftvoll, aber nicht unsensibel, komplex, aber nicht abgehoben, zeitgemäß in ihrer Ästhetik, aber auch erfrischend.”– Deutsche Welle, 2021

„Erstaunlich reife Musik für einen 25-Jährigen, die in jedem Moment packt” – Jazz Thing, 2021

„Das Klaviertrio spielte komplexe Kompositionen in einer energiegeladenen Art und Weise, die sowohl Raum für spannendes Zusammenspiel als auch für mitreißende Improvisationen bot” – ZKB Jazz Preis Jury, 2021

============    TAG 4    ============

12.05. – 12 Uhr

SONNTAGS – MATINEE  

Nancy J. MEIER: Flöten
Eline GROS: Flöte
Camille QUINTON: Flöte
Anett KÁLLAI: Flöte
Tilo WEBER: Drums
Petra HALLER: Tapdancing
Olly CHALK: Piano
Gernot STREBL: Saxophone, Klarinette
Sascha RYNDENKO: Saxophone, Bassklarinette.
Christoph WUNDRAK: Flügelhorn, Euphonium, Cornett, Tuba
Klaus FÜRSTNER: Drums/Percussion
guest:
Chiao-Hua CHANG: Erhu
Emil GROSS: Drums
Bostjan PEROVSEK: Laptop
Jaka HAWLINA: Trumpet

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