„Wir suchen das Verbindende, das Allgemeingültige“ – SATUO im mica-Interview

In Kürze erscheint mit „Earned“ (Lindo Records) das zweite Album der bunt zusammengewürfelten Band SATUO: Sängerin LAURA KORHONEN stammt aus Finnland, Banjospieler FABIAN BAUMGARTNER aus Südtirol, Gitarre, Bass und Schlagzeug werden von Österreichern bedient. FABIAN BAUMGARTNER und ARON SARINGER erzählten im Gespräch mit Jürgen Plank von der letztjährigen Europatournee und davon, warum sie trotz der Internationalität der Band musikalisch nicht nach Exotik suchen, sondern nach Verbindungen.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen dem ersten und dem neuen Album?

Aron Saringer: Ich glaube, es ist noch klarer, was Satuo ausmacht. Die Richtung war beim ersten Album auch schon klar, aber es ist uns jetzt noch besser gelungen, einen roten Faden durchzuziehen. Nicht stilistisch, sondern vom Sound her. Das neue Album ist insgesamt eingängiger, fetziger und runder. Rockiger und lauter. Wir haben mehr E-Gitarren und sind bei zwei Liedern zu acht: Da haben wir Verstärkung von Cello, Geige und Trompete.

Wie war das Erarbeiten der Lieder?

Fabian Baumgartner: Aron hat den Großteil der Lieder komponiert, aber ein Unterschied zum ersten Album ist, dass wir die Arrangements zu fünft gemacht haben.

Aron Saringer: Das Arrangement wurde dieses Mal offener diskutiert und dadurch ist auch ein besseres Ergebnis herausgekommen. Beim letzten Album war derjenige, der den Song geschrieben hat, viel mehr der Chef, was Form und Arrangement betraf.

Es gibt zwei deutschsprachige Lieder, worum geht es bei „Mein Land“?

Cover “Earned”

Aron Saringer: Es ist uns sehr wichtig, dass wir zu gesellschaftspolitischen und aktuellen Themen Stellung beziehen und eine Meinung haben. Weil es in diesem Song um Heimat geht, sagen wir einmal so. Wir haben ja einen Präsidentschaftswahlkampf hinter uns in Österreich und auch sonst bewegte Zeiten. Der Text setzt sich mit der Frage „Was ist Heimat?“ auseinander und damit, was aus unserer Sicht schiefläuft.

Fabian Baumgartner: Im Song geht es auch darum, dass der Heimatbegriff nicht den Rechten überlassen wird. Sollen wir die Rechten die Werte, die unser Land ausmachen, definieren lassen oder sollen wir uns einmischen?

Aron Saringer: Es ist eindeutig ein antifaschistisches Statement. Und in deutscher Sprache zu singen macht das Hören auf den Text natürlich einfacher.

Der Heimatbegriff löst sich vielleicht auch ein wenig auf, weil Sie ohnehin eine paneuropäische Band sind, mit Mitgliedern aus Österreich, Finnland und Südtirol.

Aron Saringer: Obwohl wir eine bunt zusammengewürfelte Truppe sind, mit verschiedenen Nationen im Hintergrund, geht es uns nicht so sehr darum, das Folkloristische hervorzukehren, wie es oft der Fall ist. Ich habe mich auch ein bisschen vom Begriff „World Music“ verabschiedet, zumindest mag ich den Begriff nicht überstrapazieren. Es geht nicht darum, zu sagen: „Schaut, wir sind so exotisch, wir kommen aus drei verschiedenen Ländern.“ Wir suchen das Verbindende, das Allgemeingültige.

„Für Satuo ist der ganze Planet ein Selbstbedienungsladen“

Wie wirkt sich die Internationalität der Band musikalisch aus?

Aron Saringer: Ein Teil des Songs „Mein Land“ zum Beispiel geht für mich auf Woody Guthrie zurück, auch durch das Banjo, das wir dabeihaben. Für Satuo ist der ganze Planet ein Selbstbedienungsladen: Wir gehen relativ respektlos mit allem um, was uns gefällt, und verwenden das. Deswegen vielleicht auch die Distanzierung zum Begriff „World Music“. Ich muss nicht unbedingt etwas so spielen, wie man das in Finnland macht. Und wenn man ein österreichisches Volkslied hat, dann geht es mir jetzt auch nicht darum, unbedingt Österreich richtig darzustellen, unsere Musik ist ein best of everything.

Dann vielleicht nicht World Music, sondern Planet Music.

Aron Saringer: So in die Richtung, genau.

Fabian Baumgartner: Uns fällt auf, dass die Herkunft nicht wichtig ist, weil unsere Erfahrungen mit Musik relativ ähnlich sind. Laura hat viel Hintergrund im Jazz und in der Popmusik. Aron und ich haben einen starken Hintergrund in Richtung Amerika, obwohl wir nicht aus Amerika kommen.

Es gibt auf der neuen CD aber auch einen direkten Bezug zur österreichischen Volkmusik.

Fabian Baumgartner: Das ist ein Medley aus einem österreichischen und einem nordamerikanischen Traditional. Aus Nordamerika kommt ein Teil davon, der „Ookpik Waltz“, den haben wir von einem Mandoline-Spieler namens Chris Thile gehört. Weil uns das so gut gefallen hat, wollten wir das Stück spielen. Wir haben es zunächst instrumental gespielt, dann ist Aron mit dem „Arbesbacher Lied“ gekommen und hat vorgeschlagen, diese beiden Stücke miteinander zu kombinieren. Und so kann man das jetzt auf der CD hören.

Sie waren 2016 auf Tournee durch halb Europa, unter anderem in Polen, Estland und Finnland. Wie war das?

Fabian Baumgartner: Das war interessant, denn ich war zuvor noch nie in Osteuropa gewesen und hatte mir eine desolate Gegend vorgestellt. Aber das ist heute Europa wie überall auch, man muss keinen Überlebenskampf führen, um dort touren zu können.

Aron Saringer: Das Publikum war anders, als ich es mir vorgestellt hatte, ich hatte gedacht, es sei eher reserviert, aber bei allen fünf Konzerten in Polen hat mich das Publikum eher an Italien erinnert. Das Publikum war sehr warm und herzlich. Auch wenn wir in sehr verschiedenen Clubs gespielt haben. Einmal war es ein trashiger Punk-Club, einmal waren Heiligenbilder an der Wand. Ganz anders war es dann in Finnland, dort war das Publikum eher reserviert. Das heißt aber nicht, dass es ihnen nicht gefallen hätte.

Die Finnen jubeln eher nach innen.

Aron Saringer: Ja, genau.

„Ein Schock auf der Tour war eine eingeschlagene Heckscheibe an unserem Bus in Malmö, in Schweden.“ 

Gab es ein besonderes Erlebnis, das Sie immer mit der Tournee letztes Jahr in Verbindung bringen werden?

Fabian Baumgartner: Einen kleinen Koffer unseres Bassisten habe leider ich überfahren. Da hatte er seine Pedale und sein Equipment drinnen. Es ist aber nichts kaputtgegangen.

Aron Saringer: Ein Schock auf der Tour war eine eingeschlagene Heckscheibe an unserem Bus in Malmö, in Schweden. Meine E-Gitarre wurde dort gestohlen. Wir waren zum Glück versichert, ich habe mir gleich in Malmö eine neue Gitarre gekauft und in Kopenhagen schon damit gespielt. Wir werden auch wieder nach Malmö kommen und wenn ich sie sehe, werde ich meine alte Gitarre erkennen, weil ich sie bemalt habe. Man trifft sich immer zweimal.

SATUO (c) Matt Observe

Welche Ziele haben Sie, was die neue CD betrifft?

Aron Saringer: Die letzte CD war wirklich ein Meilenstein für uns. Es hätte nicht besser laufen können. Mein Ziel war immer gewesen, irgendwann einmal beim Musikfest Waidhofen zu spielen, weil ich dort schon als kleines Kind war und immer staunend auf die Bühne blickte. Dieses Ziel habe ich heuer im Juni erreicht. Weil ich überhaupt nicht bescheiden bin, ist mein Ziel nun eine größere Radio- oder Fernsehsession, am liebsten bei der BBC.

Wie sehen Sie das?

Fabian Baumgartner: Für mich ist eines der wichtigsten Ziele, dass ich immer wieder mit Satuo und auch mit anderen Bands gute Album produziere. Ich glaube, das ist uns dieses Mal gut gelungen. In den letzten zwei Jahren ist viel vorwärtsgegangen, wir sind als Band gut zusammengewachsen. Wenn es in den nächsten Jahren so weitergeht, dann bin ich sehr glücklich über diese Entwicklung.

Aron Saringer: Ich würde mich über ein gewisses Selbstläufertum freuen.

Fabian Baumgartner: Ja, das ist ein gutes Ziel. Zurzeit ist es noch immer so, dass wir für alles, was wir erreichen wollen, sehr viel Energie investieren müssen. Es wäre schön, wenn einiges von selbst auf uns zukäme.

Was meinen Sie mit „Selbstläufertum“?

Aron Saringer: Es gibt Projekte, die sich so etablieren und Fuß fassen, dass es einfach läuft. Wir stecken zurzeit noch viel Energie hinein und schieben selbst extrem an, das muss auch in den ersten Jahren so sein. Wir stellen fest, dass wir langsam so etwas wie ein fixer Player werden, das würden wir gerne ausbauen.

Herzlichen Dank für das Gespräch. 

Jürgen Plank

Satuo live
10.08. WUK, Wien (CD-Präsentation)
11.08. Black Horse Inn, Wels
23.09. Syrnau, Zwettl

Links:
Satuo
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Lindo Records