
Dass es Robert Rotifer vortrefflich versteht, seine musikalischen Visionen in herausragende Popsongs umzumünzen, ist schon seit langem bekannt. Seine bis dato fünf durch die Bank erstklassigen Veröffentlichungen zeugen von einem ungemein breiten Musikverständnisses des seit vielen Jahren in England lebenden Österreichers, weiß er doch dem Begriff Indiepop doch stets eine ganz eigene und unverkennbare Note verleihen. Seinen Liedern mit deinem deutlichen Hang zum Sound der 1960iger schwingt immer etwas undefinierbar Elegantes und Nobles mit, als ob er seine Lehrzeit als Musiker bei den Beatles und Konsorten verbracht hätte. Nicht anders verhält es sich auf seinem neuen Album „The Hosting Couple“. Dennoch scheint etwas anders. Mehr noch als zuvor zeigt sich Rotifer von seiner gereiften, abgeklärten und persönlichen Seite. Man könnte sogar soweit gehen, „The Hosting Couple“ als eine Art musikalische Autobiographie zu verstehen.
Die Lieder offenbaren sich als eine berührende musikalische Aufarbeitung und Reflexion seiner Jahre in England. Einst als 12-Jähriger gemeinsam mit seiner Schwester Anfang der 80er Jahre von den Eltern wegen Sprachferien auf die britische Insel Canvey Island geschickt, waren es vor allem die dortigen Gasteltern, die in ihm die Liebe zu diesem Land entfachten. Erloschen ist diese auch nach den vielen Jahren, die er dort seit 1997 verbracht hat, nicht. Und genau dieses Gefühl ist auch auf „The Hosting Couple“ in hoher Authentizität zu hören. Es sind die kleinen Geschichten und Erlebnisse, die berührenden Anekdoten, aber auch die große Sorge um die wirtschaftliche Lage in England, die den inhaltlichen Stoff für das kunstvolle Album hergeben. Was Robert Rotifer, unterstützt von seinen zwei Mitstreitern Darren Hayman (bekannt für seine Band Hefner) und Ian Button (Gitarrist der großartigen Death In Vegas) erschafft, sind wunderbar eindringliche (Brit-)Popperlen mit Tiefgang.
Man kann durchaus sagen, dass Robert Rotifer mit „The Hosting Couple“ einmal mehr ein beeindruckendes Stück Musik gelungen ist. Eines, das auch nach mehreren Durchläufen zu berühren und faszinieren weiß. Auf jeden Fall mehr als empfehlenswert. (mt)