Unverhofft kommt oft. Diese Regel bestätigt sich zumindest, lauscht man sich zum ersten Mal durch die Debüt-EP der in Wien ansässigen Band ROBB. Denn „Clay“, so der Titel dieser, entpuppt sich als ein wirklich schönes, anspruchsvolles und in die Tiefe gehendes Pophörerlebnis, das doch eine längere Halbwertszeit aufweist, als vieles, das man heutzutage präsentiert bekommt.
Es sind leider vorerst zwar nur fünf Tracks, die man auf der Platte hören kann, doch schon die reichen aus, um sich ein Bild von den außergewöhnlichen Qualitäten dieser Band zu machen. Hier sind definitiv Leute am Werken, die ganz genau wissen, wie man einen Song zu einem spannenden und mitreißenden werden lässt. Ganz ohne Zweifel ist der Star dieser Truppe der Bandleader und Frontmann Robert Summerfield. Gesegnet mit einer gefühlvollen und unter die Haut gehenden Stimme, gelingt es dem aus Deutschland stammenden Sänger quasi aus jedem Track das Maximum herauszuholen. Die Art, mit der er die sich ihm bietenden musikalischen Räume nützt, ausfüllt und mit sanfter und eindringlicher Atmosphäre auflädt, zeugt schon von großer Klasse.
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Verzicht auf das Ausufernde
Die gesamte Musik von ROBB alleine auf diesen einen Aspekt zu reduzieren, wäre aber zu kurz gegriffen. Denn auch als Band liefert der Fünfer eine mehr als beachtliche Leistung ab. Musikalisch zeichnen sich Robert Summerfield und seine Kollegen ihren Weg vom Soul und Funk vorbei am Pop und Hip Hop bis hin zum Jazz, eine Mischung, die per se schon eine größere musikalische Abwechslung und Vielfalt bedingt. Und so verhält es sich auch. Keiner der vielschichtig arrangierten Songs klingt auch nur in Ansätzen wie der andere. Geht es im Opener „FourByFour“ noch mit einer ordentlichen Portion Groove und einem fetten Orgelsound richtig schön funky zur Sache, so wechselt die Stimmung schon im darauffolgenden „Beyond“ in eindringlicher Form ins Melancholische und Ruhige. In dieser sich ständig wechselnden Tonart geht es im Grunde genommen über die gesamte Spielzeit der EP. Schön ist darüber hinaus auch, dass auf alles Ausufernde verzichtet wird. Statt ihre Musik klanglich unnötig überfrachten, versuchen die Beteiligten bewusst die Essenz der Stücke herauszuarbeiten, was ihnen auch ganz vortrefflich gelingt.
ROBB haben mit ihrer EP „Clay“ auf jeden Fall ein richtig schönes musikalisches Ausrufezeichen gesetzt, eines, dass man einfach nicht übersehen bzw. überhören kann. Dafür sind ihre Songs durch die Bank nämlich zu gut. Sie wissen in einem hohen Maße zu berühren, wie sie auch richtig zum entspannten Mitnicken einladen. Es ist durchaus anzunehmen, dass man von dieser Combo auch in Zukunft noch so einiges zu hören bekommen wird, denn wer so starke Musik abzuliefern im Stande ist, der kann und darf einfach nicht unbemerkt bleiben.
Michael Ternai
http://www.facebook.com/officialrobb