Pristup – Wien, Ostbahnhof

Musikalische Grenzen sind dazu da, um überschritten zu werden. Zu diesem Schluss kann man getrost kommen, lauscht man sich durch das nun erscheinende Album „Wien, Ostbahnhof“ des Trios Pristup. Was Christian Bakanic (Akkordeon), Vlado Blum (Gitarre) und Hannes Laszakovits (Kontrabass), die drei Köpfe hinter diesem Projekt, im musikalischen Sinne nämlich entzünden, ist ein in vielen, vielen Farben leuchtendes Feuerwerk. Die stilistische Vielfalt uneingeschränkt zelebrierend, entwerfen die drei Instrumentalisten mit ungarisch-kroatisch-serbischen Wurzeln mit einer ordentlichen Portion Spielwitz und einem noch Mehr an musikalischer Finesse ein mitreißendes und zugleich auch berührendes Weltmusik-Klangerlebnis, eines, das vom ersten Ton an in hohem Maße zu gefallen weiß.

Nun, wirkliche Neulinge sind Christian Bakanic, Vlado Blum und Hannes Laszakovits keine mehr. Wer auch nur ein wenig mit der heimischen Weltmusikszene vertraut ist, kennt die drei umtriebigen Herren. Besonders der gebürtige Südburgenländer Christian Bakanic scheint, zumindest lässt das die Anzahl seiner Veröffentlichungen pro Jahr darauf schließen, ein niemals ruhender Kreativgeist zu sein. Im Trio Pristup begeben sich er und seine Kollegen auf eine Art Klangreise hin zu den eigenen musikalischen Wurzeln, wobei sie sich erwartungsgemäß nicht mit dem einfachen Zitieren des Traditionellen zufrieden geben.

Stilistisch wirklich exakt benennbar ist die musikalische Sprache, welche die drei entstehen lassen nicht. Denn dafür entstammen die Einflüsse aus zu vielen unterschiedlichen Richtungen. Sich zu allen Seiten hin offen gebend, bewandern Christian Bakanic, Vlado Blum und Hannes Laszakovits in Begleitung der Gastmusiker Andrej Prozorov (Saxophon) und Nataša Mirković (Stimme) in ihren Stücken mit instrumentaler Virtuosität und großem musikalischen Verständnis einen Pfad, der vom Folk und Tango Nuevo, vorbei an der Kammermusik, dem Jazz und Klezmer bis hin zu den traditionellen Volksmusikklängen des Balkans führt. Versetzt mit einer leichten Wiener Note lassen sie dieser Art einen Sound entstehen, der einfach nur so vor Lebendigkeit, Charme und Vielfalt strotzt.

Pristup verstehen es einfach, mit Melodien umzugehen, diese so richtig schön in Schwingung zu versetzen und sie in sehr spannenden, vielschichtigen und abwechslungsreichen Arrangements zum Ausdruck zu bringen. Es ist fast unmöglich, nicht in irgendeiner Form von der Stimmung ihrer irgendwo zwischen ausgelassener Tanzbarkeit und zarter Melancholie angesiedelten Musik berührt zu werden. „Wien, Ostbahnhof“ ist auf jeden Fall ein Album geworden, dem man Gehör schenken sollte, denn eines ist sicher, kalt wird es vermutlich niemanden lassen. (mt)

Foto Pristup © Markus Dörfler