Porträt: Konkord, das höfliche Label!

Was vier Freunde aus einem schlichten Mangel an einer Veröffentlichungsplattform für schräge Elektronik im Jahre 2005 gründeten, ist mittlerweile zu einem der interessantesten heimischen Label gewachsen. Konkord, das freundliche Label aus Wien, beheimatet die Laokoongruppe, Rewolfinger, Mord, das neue Convertible Album von Hans Platzgumer wird hier ebenso veröffentlicht wie der neue musikalische Streich von Wolfgang Schlögl. Hier wird alles veröffentlicht, was gefällt: Der Medienkünstler Paul Divjak hat hier den Stall für sein musikalisches Schaffen ebenso gefunden wie Textas Huckey mit seinem Nebenprojekt Merker TV. Aber das Konkord nicht nur auf alteingesessene Bands setzt, sieht man beispielsweise bei The Who, The What, The Yeah, die auch die FM4 Zielgruppe mit Alternativrock zu begeistern weiß. Im Herbst feiert Konkord mit einer Compilation seine 50. Veröffentlichung und es wird zum Glück nicht die letzte, für die Musikliebhaber, die nach dem besonderen suchen, bleiben.

Die vier Freunde Matthias Kastner, Roman H. Mesicek, Joachim Schnaitter und Wolfgang Reitter, die seit Mitte der 90er zusammen aufgelegt und diverse Clubs organisiert haben, verspürten den Drang, nachdem sie immer mehr zum Großteil elektronische Musik produziert haben, diese auch zu veröffentlichen. Irgendwie hat das aber – auf Grund der Neigung der vier Herren zu sehr eigenwilliger, schwer kategorisierbarer Musik – auf kein Label größeren Eindruck gemacht. Also sind sie selbst aktiv geworden: Wie sie sagen für sich selbst und die vielen kreativen Geister in ihrem Umfeld. Am 1. Mai 2005 erschien mit Traveling Matt´s Musik zum Lachen das erste Album im Label-Universum, Bizarrelektronik von Konkords Spezialisten für Mastering und Produktion Matthias Kastner.

Warum sich das Quartett, dem Beinamen das höfliche Label gab, ist leicht erklärt. Einerseits weil sie freundlich unarrogante Menschen sind, andererseits weil sie als Künstler selbst oft schlechte Erfahrungen mit eher unfreundlichen Labeln machten: „Wenn Künstler bei uns anfragen, ob wir Interesse hätten, dann antworten wir auch. Oft kriegt man ja nicht mal eine Antwortmail, wenn man anfragt, in welcher Form man Demotracks übermitteln könnte. Und das fanden wir als Künstler selbst nie sehr schön. Darüber hinaus stehen wir für klare Abmachungen, faire Verträge und respektvolle Zusammenarbeit.“, so Wolfgang Reitter zu Mica. Um als Musiker einen Vertrag bei Konkord zu bekommen, muss die Musik der Mehrheit des Labels gefallen und der persönliche Draht zu den Musikern muss stimmen.

Für Wolfgang Reitter symbolisiert sein Label ein prächtiges kleines Eiland im endlosen, versifften Datenmeer der Popmusik des 21. Jahrhunderts.Und praktisch gesehen ist Konkord ein kleines Schallplattenlabel für aussergewöhnliche Popmusik, mit den Dienststellen Tonstudio, Grafikbüro, Vertrieb und Kommunikation. Die Musikgenres reichen von Frickelelektronik über Americana und Noiserock. Die Rewolfinger die sich selbst als Trashcountry bezeichnen, haben hier ebenfalls ihren musikalischen Heimathafen gefunden wie die Post/Noiserocker von Mord die einen Net-Live Release mit Can Legende Damo Suzuki auf Konkord veröffentlichten. Der in Potsdam beheimatete Cowboy Edgar Lend gehört ebenso zu den Künstlern des Labels wie die Alternativrocker von The Who, The What, The Yeah oder 0815.

Zu den bekanntesten Künstlern des Labels zählt zweifelsohne Karl Schwamberger alias die Laokoongruppe, der mit seinem „Austrodiskurspop“ im Debut Walzerkönig nahezu alle deutschsprachigen Musikkritiker und Feuilleton Schreiberlinge in helle Extase versetzte. Aber auch der in München lebende Tiroler und ein Urgestein der heimischen Alternativ und Indieszene Hans Platzgumer bringt sein neues Convertible-Album beim freundlichen Label heraus. Und wie es der Soundtüftler und Ausnahmemusiker Platzgumer einmal formulierte liegt das vermutlich daran, weil die Menschen dort „Musikliebhaber sind, die stets nach dem Besonderen“ suchen. Und natürlich auch weil sie gerne Musik produzieren, die sich schwer kategorisieren lässt und sicher nicht jeden anspricht. Aber dafür kann man bei Konkord kommerziell schwierige, aber dafür künstlerisch anspruchsvolle und aufwändige Projekte realisieren.

Im Herbst kommt ein Soloalbum von Sofa Surfer Wolfgang Schlögl, das neue Werk der Laokoongruppe, sowie die neuen Alben von David Lipp und die Liebe und Convertible. Demnächst feiert das Label mit einer Compilation seine 50. Veröffentlichung. Vermutlich wird diese auf der Homepage gratis zum Download bereitstehen. Konkord bewegt sich in den schönsten Randbezirken der Metropole Popmusik. Und das wird wohl immer so bleiben, auch wenn der Herzenswunsch des freundlichen Labels ein brachiales Garagenrockalbum mit Robbie Williams zu produzieren in naher Zukunft wohl noch einige Zeit verwehrt bleiben wird. (Markus Egger)

http://www.konkord.org/