Porträt: Interstellar Records

Seit fast genau zehn Jahren bereichert das Linzer Label Interstellar Records nun schon die heimische Musikszene. Irgendwelche stilistische Einschränkungen in der Auswahl der Bands kennen die drei Köpfe hinter dem Label, Aina Niemetz, Richard Herbst und Markus Merzinger keine, einzig vielleicht, dass die Musik nicht unbedingt den Kriterien des Mainstream entsprechen sollte. Ob nun Noise-Rock, Hardcore, experimentelle Elektronik oder avantgardistisch angehauchte Klangarbeiten, das musikalische Spektrum der Veröffentlichungen ist weit gefasst. Heute zählt Interstellar Records in Sachen Musik abseits der Norm zu den bedeutendsten Labels Österreichs.

Oftmals gehören in der heimischen Musikszene ein hohes Maß an Idealismus und viel Mut dazu, ein eigenes Label zu gründen. Die Erfolgsaussichten, vielleicht irgendwann einmal das zumindest die investierten Kosten zurückzubekommen, halten sich in einem bescheidenen Rahmen. Dennoch gibt es erfreulicherweise immer wieder jene vom musikalischen Geiste verfolgten Leute, welche diesen Schritt wagen. Aina Niemetz, Richard Herbst und Markus Merzinger gehören zu diesen Leuten, die das Heft selbst in die Hand genommen haben. Mit dem Wissen, dass hierzulande eine Vielzahl talentierter und hochinteressanter Bands am Werken ist, fassten sie 2001, nachdem sich das von Herbst vorher betriebene Label Jurassic Punk Records aufgelöst hat, den Entschluss, es mit einem eigenen zu versuchen. Mit einem, das sich nicht an der Programmatik herkömmlicher Pop/Rocklabels orientieren sollte.

Bereits die erste Veröffentlichung, die Kompilation „Ad Nauseam“, gab die zukünftige programmatische Ausrichtung von Interstellar Records vor. Bands wie Bulbul, Valina, Bug, Turn Out oder Kobayashi, allesamt angesiedelt zwischen den Polen Noise, Hardcore und Experiment und auf der Kompilation vertreten, sollten fortan den Ton angeben. „Wir machen was uns gefällt und nicht um zu gefallen“, so die Philosophie der drei Betreiber, an der sich bis heute nicht viel verändert hat. Immer noch wird lauten Gitarren und aberwitzigen avantgardistischen Soundexperimenten gegenüber glattproduziertem Indierock/pop-Entwürfen  den Vorzug, was die Veröffentlichungen von Bands und Künstlern wie Nitro Mahalia, BulbulTumido und Tumido alleine, Metalycee, The Striggles, Reflector oder dem Viergespann Pulido/Fennesz/Siewert/Stangl auch unterstreichen.

Generell kann man sagen, dass bei Interstellar Records Formationen unterkommen, die sich durch ihre ausgeprägte Offenheit, Experimentierfreudigkeit und innovative Ansätze auszeichnen. Die drei Betreiber des Labels verstehen Interstellar Records als eine Art Plattform, auf der Musiker und Bands, abseits aktueller Strömungen, ihr ganz eigenes individuelles Ding durchziehen können, ohne dabei irgendwelchen Einschränkungen unterworfen zu sein. Wobei Aina Niemetz, Richard Herbst und Markus Merzinger ihren Fokus nicht alleine auf die heimische Szene richten, sondern sehr wohl auch versuchen, im Rahmen von Festivals und Veranstaltungen, wie etwa den Label-Nächten  oder dem seit 2004 alljährlich stattfindenden Interstellar Festival, Kontakte zu Künstlern aus dem Ausland herzustellen. Ein weiterer Kanal über den die hauseigene Musik nach Außengetragen wird, ist die Sendung „Final Transmission“ auf Radio Fro, dem freien Linzer Radio.

Aina Niemetz, Richard Herbst und Markus Merzinger beweisen mit ihrem Label Interstellar Records, dass es durchaus möglich ist sich im experimentellen Umfeld abseits des Herkömmlichen zu positionieren, dass besonders auch in den so genannten Nischen hervorragende Musik entsteht, die auf jeden Fall wert ist, gehört zu werden. (mt)

Interstellar Records ist im mica club im März das Label des Monats und wartet für mica club-Mitglieder mit einem wirklich tollen Angebot auf.Näheres dazu

 

http://www.interstellarrecords.at