Popfest Sessions: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner

In Hochzeiten der Majors unrealistisch, doch heute eine weit verbreitete Praxis: Nach dem Do-It-Yourself-Prinzip lassen sich in der Musik beachtliche Erfolge erzielen. Diesbezüglich aus dem Nähkästchen plaudernd, luden Moderator Franz Hergovich sowie Franz Adrian Wenzl vulgo Austrofred und die beiden Texta-Mitglieder Skero und Flip zum Workshop.

„Man kann im Underground nicht alle Viere von sich strecken und warten bis der Erfolg kommt“, sprach Skero, und signalisierte damit, dass eine musikalische Karriere in erster Linie viel Engagement und Arbeit bedeutet. Arbeit, die wenig mit Musik an sich zu tun hat, sondern darauf abzielt Strukturen aufzubauen, Kontakte zu pflegen und im generellen die Dinge am Laufen zu halten. Diesbezüglich gilt Skero mittlerweile als Paradebeispiel. Mit dem unerwarteten Chartshit Kabinenparty überholte der Linzer hinsichtlich des kommerziellen Erfolgs seine Stammformation Texta rechts, und verzichtete dabei auf durchprofessionalisiertes Promogebaren. „Ich habe versucht soviel wie möglich selbst zu machen. Die einzige Kontaktmöglichkeit auf der Homepage ist meine private Email-Adresse. Ich wollte selbst sehen welche Anfragen kommen und wie viel Booking passiert. Die Downloadplattform für die Songs habe ich auch selbst gewählt und administriere damit auch viele Promoaktivitäten.“

Dank einer aus Fan-Händen stammenden Facebook-Initiative, geschah sogar sehr viel im Hause Skero. Binnen kurzer Zeit fand der Spaßsong den Weg in die hiesigen Charts – was in  monetärer Hinsicht noch keine Berge versetzt. Doch die Live-Präsenz mit entsprechenden Gagen tat kontotechnisch zumindest mittelfristig ihr übriges. „Von YouTube-Klicks kann man nicht leben“, spielte Skero auf die widersprüchliche Tatsache an, dass er mit 5,5 Millionen Klicks zwar weltberühmt auf YouTube ist, und dennoch in erster Linie als Live-Künstler die Brötchen verdient. Wobei Texta ohnehin als Vorzeigebeispiel der DIY-Mentalität gelten. Schließlich betreiben die heimischen HipHop-Pioniere mit Tonträger Records seit Jahren ein eigenes Label, mit dessen Belangen in erster Flip betraut ist.

Von Labelboss soll aber keineswegs die Rede sein: „Ich sehe mich als Rapgewerkschafter“, so Flip, dem es dabei um einen gewissen Auftrag, ganz im Sinn von DIY, geht: „Ich sehe mich als Vertreter von Dingen, die es wert wären, veröffentlicht zu werden.“ Deshalb ist beim Label von einem „Infokatalysator“ die Rede – also von der Hilfe zur Selbsthilfe in Hinsicht auf Pressung, Vertrieb, Medienarbeit und allem anderen was die Strukturen hinter der Musik betrifft. Dass Texta mit ihrem DIY-Prinzip gut fahren, zeigt die nach 20 Jahren immer noch höchst vitale Karriere der Linzer. Skero: „Am wichtigsten ist die Fähigkeit mit Menschen entsprechend kommunizieren zu können. Überheblichkeit ist für eine DIY-Karriere vollkommen unangebracht. Und man soll von Beginn an die Erwartungen runterschrauben, versuchen sich durchzusetzen und mit Kontinuität weiter arbeiten. Doch Patentrezept gibt es keines.“

Dass es immer darauf ankommt, weiß auch Franz Adrian Wenzl alias Austrofred und Sänger von Kreisky in Personalunion, nur zu gut. Schließlich setzte auch er von Beginn an auf Eigeninitiative in der musikalischen Laufbahn. Was in Sachen Austrofred promo- und bookingtechnisch hilft, müsse mit Kreisky noch lange nicht funktionieren, lautet die Erkenntnis aus seiner langjährigen Tätigkeit. „Wir hatten mit Kreisky nie  Welteroberungspläne. Wir sind Schritt für Schritt nach vorne gegangen und es war für uns bereits ein Wahnsinn überhaupt das erste Album aufnehmen zu dürfen“, so Wenzl in aller Bescheidenheit, der bereits 2002 auf ungewöhnliche Wege im Selfmarketing setzte.

Das Album Moneytapes war nicht käuflich, sondern nur im Tauschhandel erhältlich. Immerhin konnten so 200 Einheiten abgesetzt werden. „Ich habe damals natürlich viele Dinge geschickt bekommen und musste vieles davon wegwerfen. Wär hätte gedacht, dass ich jemals Alben von Jason Donovan und Alan Parsons Project besitzen werde“, so Wenzl schmunzelnd und signalisierend, dass Aufmerksamkeit auch durch Spinnerei zu erzielen ist. Dennoch ist Facebook für Wenzl das augenblicklich wichtigste Tool, um zu kommunizieren und Öffentlichkeit zu schaffen. Zudem dürfe man nie die Motivation und die Musik aus dem Auge verlieren. Und noch etwas wichtiges schwingt für Wenzl beim DIY mit: „Wenn man durch eigenes Aufnehmen, Mischen, Mastern und dem Betreiben eines Labels, selbst sieht was alles möglich ist und was nicht – wenn man dadurch einen realistischen Blick auf die Musikbranche bekommt, dann hilft das ungemein Down-To-Earth zu bleiben.“
Johannes Luxner

http://www.popfest.at